Zucker auf der Zutatenliste von Katzenfutter löst bei vielen Haltern sofort Alarm aus. In Katzen-Foren liest man, dass Zucker Diabetes verursacht, die Zähne ruiniert und generell „Gift" sei. Gleichzeitig enthält ein großer Teil der meistverkauften Katzenfutter in Deutschland Zucker in irgendeiner Form. Wer hat Recht?
Die Wahrheit liegt dazwischen. Zucker im Katzenfutter ist unnötig, aber die Mengen, um die es geht, sind kleiner als die Aufregung vermuten lässt. Hier eine nüchterne Einordnung: warum Zucker überhaupt ins Futter kommt, was er dort anrichtet und wann er tatsächlich ein Problem wird.
Warum setzen Hersteller Zucker zu?
Der Grund hat nichts mit der Katze zu tun. Zucker wird beim Erhitzen zu Karamell und färbt das Futter gleichmäßig braun. Ein Nassfutter mit hohem Fleischanteil sieht ohne Farbzusatz blass-grau aus. Das ist für die Katze irrelevant, für den Menschen am Regal aber wenig appetitlich.
Katzen können süß nicht schmecken. Ihnen fehlen funktionierende Süßrezeptoren (das Gen Tas1r2 ist bei Katzen defekt, nachgewiesen 2005 am Monell Chemical Senses Center). Zucker im Futter verbessert also weder den Geschmack noch die Akzeptanz. Er richtet sich ausschließlich an den Käufer.
Das erklärt auch, warum fast ausschließlich Karamell oder Karamellsirup zum Einsatz kommen: Es geht um die braune Farbe, nicht um Süße. Kein Hersteller schüttet Kristallzucker ins Futter, damit die Katze es lieber frisst. Das wäre sinnlos.
Die vielen Namen für Zucker auf der Zutatenliste
Zucker steht selten als „Zucker" auf der Verpackung. Hersteller verwenden unterschiedliche Bezeichnungen, und nicht alle sind gleich zu bewerten.
Tatsächlich zugesetzter Zucker
- Karamell, Karamellsirup: Die häufigste Form. Erhitzter Zucker zur Färbung, bei Felix, Whiskas und einigen Sheba-Sorten Standard.
- Zucker, Saccharose: Klartextdeklaration, kommt seltener vor als Karamell.
- Glukosesirup, Dextrose: Einfachzucker, gelegentlich in Leckerlis.
- Melasse: Nebenprodukt der Zuckerherstellung, manchmal in Verbindung mit Rübenschnitzeln.
Oft verwechselt, aber kein zugesetzter Zucker
- Inulin: Ein präbiotischer Ballaststoff aus Chicorée-Wurzel. Wird im Darm von nützlichen Bakterien fermentiert, nicht als Zucker verstoffwechselt. Mehrere hochwertige Hersteller setzen Inulin bewusst ein, um die Darmflora zu unterstützen.
- FOS (Fructooligosaccharide): Der Name klingt nach Zucker, ist aber ebenfalls ein Präbiotikum. Der Körper der Katze kann FOS nicht als Zucker verwerten.
- Rübenschnitzel (ohne Melasse): Ausgepresste Zuckerrüben-Reste. Die Melasse wurde entfernt, es bleibt ein Ballaststoff. Nur wenn „Rübenschnitzel mit Melasse" steht, ist Restzucker enthalten.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Wer auf der Zutatenliste „Inulin" liest und das Futter deshalb als zuckerhaltig ablehnt, bestraft den Hersteller für eine sinnvolle Zutat.
Gesundheitliche Auswirkungen: Was sagt die Forschung?
Die Menge macht den Unterschied
Der Zuckeranteil in Katzenfutter liegt typischerweise unter 2%. Bei einer Tagesration von 200g Nassfutter nimmt eine Katze also weniger als 4g Zucker pro Tag auf. Das ist wenig. Zum Vergleich: Viele Trockenfutter enthalten 30-40% Kohlenhydrate in Form von Getreide oder Kartoffelstärke, die im Körper ebenfalls zu Glukose abgebaut werden. Wer sich über 2% Karamell aufregt, aber täglich Trockenfutter mit 35% Reis füttert, setzt falsche Prioritäten.
Trotzdem: Wenig ist nicht gleich null. Eine unnötige Zutat bleibt unnötig, auch in geringer Menge.
Diabetes bei Katzen
Die Verbindung zwischen Zucker im Futter und Diabetes bei Katzen ist das meistdiskutierte Thema. Die Forschungslage: Übergewicht ist der mit Abstand größte Risikofaktor für Typ-2-Diabetes bei Katzen. Eine dauerhaft kohlenhydratreiche Ernährung kann die Insulinproduktion belasten. Ob die geringe Menge Karamell in Nassfutter dabei eine messbare Rolle spielt, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Was belegt ist: Katzen fehlt das Enzym Glucokinase, das den Kohlenhydrat-Stoffwechsel reguliert. Ihr Körper ist auf Energie aus Protein und Fett ausgelegt. Jede Form von Kohlenhydraten (ob Zucker, Getreide oder Kartoffel) bedeutet eine Belastung, die der Stoffwechsel kompensieren muss. Bei kleinen Mengen schafft er das problemlos. Bei dauerhaft hoher Kohlenhydratzufuhr steigt das Risiko.
Zahngesundheit
Zucker fördert Zahnbelag. Das gilt für Katzen genauso wie für Menschen. Allerdings ist die häufigste Zahnerkrankung bei Katzen FORL (Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen), und deren Ursache ist nach aktuellem Wissensstand nicht der Zucker, sondern eine Fehlregulation körpereigener Zellen, die den Zahn von innen abbauen. Zucker kann die allgemeine Zahngesundheit verschlechtern, aber FORL hat andere Ursachen.
Gewicht
Zucker liefert Kalorien ohne Nährwert. Bei unter 2% im Futter sind das pro Tag etwa 15 zusätzliche Kalorien. Zum Vergleich: Ein Leckerli zwischendurch hat oft 5-10 Kalorien. Der Kalorieneffekt des Zuckers im Futter ist real, aber nicht der Haupttreiber von Übergewicht. Zu große Portionen und zu wenig Bewegung wiegen deutlich schwerer.
Welche Marken verwenden Zucker, welche nicht?
Mit Zucker oder Karamell: Felix, Whiskas, Kitekat, Sheba (Classics-Linie), einige Gourmet-Sorten. Grundsätzlich arbeiten die großen Supermarkt-Marken häufiger mit Zucker als Fachhandel-Marken.
Ohne Zucker: Anifit, MjAMjAM, Catz Finefood, MAC's, Leonardo, Animonda Carny. Auch Applaws und Thrive verzichten komplett auf Zucker.
Bei manchen Marken variiert es je nach Produktlinie. Sheba zum Beispiel enthält in der Classics-Serie Zucker, in anderen Linien nicht. Ein Blick auf die konkrete Zutatenliste der Sorte, die du kaufst, ist immer nötig. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Katzenfutter-Deklaration.
So erkennst du Zucker auf der Verpackung
Drei Stellen auf der Verpackung sind relevant:
1. Zusammensetzung (Zutatenliste): Hier steht Zucker, wenn er zugesetzt wurde. Achte auf die Begriffe Zucker, Karamell, Karamellsirup, Saccharose, Dextrose, Glukosesirup und Melasse. Steht dort nur Inulin oder FOS, ist kein Zucker zugesetzt.
2. Analytische Bestandteile: Der Wert „Rohfaser" gibt Aufschluss über den Ballaststoffgehalt, nicht über Zucker. Zucker taucht in den analytischen Bestandteilen nicht separat auf, weil er unter „Stickstofffreie Extraktstoffe" (NfE) fällt. Diese Angabe ist auf Katzenfutter nicht vorgeschrieben. Du kannst den NfE-Wert aber selbst berechnen: 100% minus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit. Liegt der Rest über 5% bei Nassfutter, stecken nennenswerte Kohlenhydrate drin.
3. Zusatzstoffe: Zucker wird hier nicht aufgeführt, weil er als Zutat und nicht als Zusatzstoff gilt. Farbstoffe wie E150 (Zuckerkulör) können aber unter den Zusatzstoffen stehen und sind ebenfalls ein Zuckerprodukt.
Meine Einschätzung
Zucker im Katzenfutter ist unnötig. Es gibt keinen ernährungsphysiologischen Grund, ihn zuzusetzen. Wenn du die Wahl hast zwischen zwei Futtern mit vergleichbarer Zusammensetzung, nimm das ohne Zucker.
Gleichzeitig: Kleine Mengen Karamell in einem ansonsten guten Futter mit hohem Fleischanteil und offener Deklaration sind kein Grund zur Panik. Es gibt Futter mit 95% Fleisch und einer Spur Karamell, das besser ist als ein zuckerfreies Futter mit 4% Fleisch und geschlossener Deklaration. Zucker ist ein Kriterium von vielen.
Wer konsequent zuckerfreies Futter sucht, findet in unserem Vergleich von Katzenfutter ohne Zucker konkrete Empfehlungen. Wer unsicher ist, welches Futter zur eigenen Katze passt, kann den Futter-Finder nutzen.
Häufige Fragen
Warum ist Zucker im Katzenfutter problematisch?
Katzen besitzen keine Geschmacksrezeptoren für Süße und können Zucker daher nicht schmecken. Er wird trotzdem eingesetzt, um die Akzeptanz zu verbessern. Ernährungsphysiologisch hat Zucker für Katzen keinen Nutzen. Er belastet den Blutzucker, fördert Übergewicht und begünstigt Diabetes.
Welche Zuckernamen muss ich auf der Zutatenliste beachten?
Zucker, Saccharose, Glucose, Fruktose, Melasse, Maissirup, Maltose, Dextrose, Laktose. Auch Zutaten wie Karotten oder Erbsen enthalten natürlichen Zucker. Bei diesen ist die Menge entscheidend – als kleiner Anteil im Futter weniger problematisch als direkter Zuckerzusatz.
Welche Katzenfutter-Marken sind zuckerfrei?
Echte Fleischmarken wie Anifit, MjAMjAM, MAC's, Thrive und die meisten Marken mit offener Deklaration und hohem Fleischanteil sind zuckerfrei. Supermarktmarken (Whiskas, Felix) enthalten dagegen oft Zucker oder Zuckerderivate.
Schadet ein bisschen Zucker im Katzenfutter wirklich?
Bei gelegentlichem Verzehr in kleinen Mengen keine akute Gefahr. Bei dauerhafter Fütterung zuckerhaltiger Nahrung steigt das Risiko für Übergewicht, Diabetes und Zahnprobleme. Katzen mit bestehender Diabeteserkrankung oder Übergewicht sollten konsequent zuckerfrei ernährt werden.


