"Getreidefrei" steht inzwischen auf fast jeder zweiten Katzenfutter-Verpackung. Der Begriff verkauft sich gut, weil viele Halter instinktiv fühlen: Katzen und Getreide passen nicht zusammen. Aber stimmt das? Und wenn ja, reicht es, nur das Getreide wegzulassen?
Warum die Debatte überhaupt existiert
Katzen sind obligate Karnivoren. Das bedeutet: Ihr Körper ist komplett auf tierische Nahrung ausgelegt. Der Darm misst nur 1 bis 2 Meter (beim Hund sind es 2 bis 7 Meter), die Enzyme sind auf die Spaltung von tierischem Protein spezialisiert. Das Enzym Glucokinase, das bei Menschen und Hunden den Kohlenhydrat-Stoffwechsel steuert, fehlt Katzen weitgehend.
In der Natur fressen Katzen Mäuse, Vögel, kleine Reptilien. Der pflanzliche Anteil beschränkt sich auf den Mageninhalt der Beute, also auf winzige Mengen vorverdauter Pflanzen. Getreide in Form von Weizen, Mais oder Gerste kommt in der natürlichen Ernährung einer Katze schlicht nicht vor.
Trotzdem steckt Getreide in vielen Futtersorten. Der Grund ist kein ernährungsphysiologischer, sondern ein wirtschaftlicher.
Was Getreide im Katzenfutter zu suchen hat
Die ehrliche Antwort: nicht viel. Getreide dient in den meisten Fällen als günstiger Füllstoff. Mais, Weizen und Gerste kosten einen Bruchteil von Fleisch und machen das Futter billiger in der Herstellung. Bei vielen Supermarkt-Marken wie Whiskas oder Felix steht Getreide weit vorne in der Zutatenliste, manchmal sogar vor dem Fleisch.
Hersteller argumentieren gerne, dass kleine Mengen Getreide als Ballaststoffquelle dienen. Das ist nicht völlig falsch. Geringe Anteile (unter 5%) von Reis oder Hafer können die Kotkonsistenz positiv beeinflussen. Manche Katzen vertragen das problemlos.
Aber "vertragen" und "brauchen" sind zwei verschiedene Dinge. Eine Katze braucht kein Getreide. Ballaststoffe lassen sich genauso über Gemüse, Flohsamenschalen oder Cellulose zuführen, ohne die Verdauung mit Stärke zu belasten.
Problematisch wird es bei großen Mengen. Wenn Mais, Weizenmehl und Maisgrieß zusammen 30% oder mehr des Futters ausmachen, verdrängen sie den Fleischanteil. Die Katze bekommt Kalorien, die sie kaum verwerten kann, und zu wenig tierisches Protein, das sie dringend braucht.
Wann getreidefreies Futter wirklich wichtig ist
Für manche Katzen ist getreidefrei keine Lifestyle-Entscheidung, sondern medizinisch relevant.
Futtermittelallergien und Unverträglichkeiten
Echte Getreideallergien bei Katzen sind seltener als oft behauptet. Die häufigsten Allergene sind Rind, Milchprodukte und Fisch. Weizen und Mais kommen erst danach. Trotzdem gibt es Katzen, die auf Gluten oder bestimmte Getreidesorten mit Durchfall, Erbrechen, Hautproblemen oder Juckreiz reagieren.
Wer eine Getreideallergie vermutet, sollte das mit einer tierärztlich begleiteten Ausschlussdiät abklären. Einfach das Futter wechseln und schauen, ob es besser wird, reicht nicht. Die Symptome können auch andere Ursachen haben.
Katzen mit empfindlicher Verdauung
Katzen mit chronisch weichem Stuhl, Blähungen oder wiederkehrendem Durchfall profitieren oft von getreidefrei. Weniger Stärke bedeutet weniger Arbeit für den ohnehin kurzen Verdauungstrakt. Gerade bei älteren Katzen, deren Verdauungsleistung nachlässt, kann der Verzicht auf Getreide einen spürbaren Unterschied machen.
Übergewichtige Katzen
Getreide liefert Kohlenhydrate, die eine Katze kaum in Energie umwandeln kann. Der Körper lagert sie stattdessen als Fett ein. Für Katzen mit Gewichtsproblemen ist getreidefreies Futter mit hohem Fleischanteil oft der bessere Weg als kalorienreduziertes Diätfutter, das die Kohlenhydrate durch andere pflanzliche Füllstoffe ersetzt.
Das eigentliche Problem: Kohlenhydrate, nicht nur Getreide
Hier liegt der Punkt, den viele übersehen. "Getreidefrei" auf der Verpackung heißt nicht automatisch "kohlenhydratarm". Manche Hersteller ersetzen Weizen und Mais einfach durch Kartoffelstärke, Erbsenmehl, Tapioka oder Süßkartoffel. Der Kohlenhydratanteil bleibt ähnlich hoch, nur die Quelle ändert sich.
Ein getreidefreies Trockenfutter mit 35% Kartoffelstärke ist für die Katze nicht besser als eines mit 35% Maismehl. Beides liefert Kohlenhydrate, die ihr Stoffwechsel nicht effizient verarbeiten kann.
Entscheidend ist der Gesamtgehalt an Kohlenhydraten und pflanzlichen Füllstoffen, nicht die Frage, ob sie aus Getreide oder aus Kartoffeln stammen. Ein Futter mit 70% Fleisch, 5% Reis und 25% Innereien ist für die Katze deutlich besser als eines mit 40% Fleisch, 0% Getreide und 30% Kartoffelstärke.
Die Rechnung ist einfach: Je höher der Fleischanteil, desto weniger Platz bleibt für pflanzliche Füllstoffe jeder Art.
Worauf du stattdessen achten solltest
"Getreidefrei" allein sagt wenig über die Futterqualität. Diese Punkte sind wichtiger:
Hoher Fleischanteil
Gutes Katzenfutter enthält mindestens 60% Fleisch, besser 70% oder mehr. Bei 90%+ bleibt kaum Raum für Füllstoffe, egal ob Getreide oder Kartoffel. Ein detaillierter Vergleich der Fleischanteile steht im Artikel Katzenfutter mit hohem Fleischanteil.
Offene Deklaration
Nur eine offene Deklaration mit Einzelzutaten und Prozentangaben verrät, was wirklich drin ist. "Pflanzliche Nebenerzeugnisse" können Getreide enthalten, ohne dass es explizit so genannt wird. Wenn der Hersteller die Zusammensetzung nicht aufschlüsselt, hat er in der Regel etwas zu verbergen.
Benannte Fleischquellen
"Hühnerfleisch 60%" ist eine klare Ansage. "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% Huhn)" ist es nicht. Je genauer die Fleischquelle benannt ist, desto besser kannst du die Qualität einschätzen.
Kein Zucker, keine unnötigen Zusätze
Getreide ist nicht der einzige problematische Inhaltsstoff. Zucker im Katzenfutter dient nur der Färbung und hat keinerlei Nutzen für die Katze. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Konservierungsstoffe gehören ebenfalls nicht in gutes Futter.
Empfehlenswerte getreidefreie Marken
Die gute Nachricht: Die meisten hochwertigen Nassfutter-Marken sind von Haus aus getreidefrei. Getreide findest du vor allem im Supermarkt-Segment und bei Discount-Marken. Wer auf Qualität achtet, muss gar nicht gezielt nach "getreidefrei" suchen, sondern bekommt es bei den besseren Marken automatisch.
| Marke | Fleischanteil | Getreidefrei | Preis/kg ca. |
|---|---|---|---|
| Anifit | 93-99% | Ja | 17-20 EUR |
| MjAMjAM | 93-96% | Ja | 8-12 EUR |
| Catz Finefood | 65-70% | Ja | 8-11 EUR |
| Leonardo | 70-90% | Ja | 7-10 EUR |
| MAC's | 70-80% | Ja | 6-9 EUR |
Anifit setzt mit 93-99% Fleischanteil den Maßstab. Schwedische Produktion, komplett offene Deklaration, kein Getreide, kein Zucker, keine pflanzlichen Füllstoffe. Für Katzen mit Unverträglichkeiten oder empfindlicher Verdauung die sicherste Wahl. Mit dem Code JETZT10 gibt es 10% auf die Erstbestellung.
MjAMjAM liefert 93-96% Fleisch für den halben Preis und ist im stationären Handel erhältlich. Die große Sortenvielfalt (auch exotische Proteinquellen wie Känguru) macht MjAMjAM besonders interessant für Katzen, die auf gängige Fleischsorten reagieren.
Catz Finefood bietet solide 65-70% Fleisch zu fairen Preisen und eignet sich gut als Einstieg in die getreidefreie Fütterung.
Einen umfassenden Vergleich aller getesteten Marken findest du im Katzenfutter Test 2026.
Fazit: Getreidefrei ja, aber nicht um jeden Preis
Getreidefreies Katzenfutter ist für die meisten Katzen die bessere Wahl. Katzen brauchen kein Getreide, und der Verzicht darauf schadet garantiert nicht. Für Katzen mit Allergien, empfindlicher Verdauung oder Gewichtsproblemen kann getreidefrei einen echten Unterschied machen.
Aber "getreidefrei" allein macht noch kein gutes Futter. Wer Weizen durch Kartoffelstärke ersetzt und weiterhin nur 30% Fleisch verwendet, hat nichts gewonnen. Der Fleischanteil und die Transparenz der Deklaration sind die besseren Qualitätsindikatoren als das Label "getreidefrei" auf der Verpackung.
Wer bei der Futterauswahl unsicher ist: Der Futter-Finder hilft bei der Auswahl passender Marken.
Häufige Fragen
Ist getreidefreies Katzenfutter wirklich besser?
Für die meisten Katzen ja. Katzen können Getreidestärke nur eingeschränkt verdauen und ziehen daraus keinen relevanten Nährstoffnutzen. Getreide dient im Futter als kostengünstiger Füllstoff. Hochwertiges Nassfutter ohne Getreide und mit hohem Fleischanteil entspricht dem natürlichen Nährstoffbedarf deutlich besser.
Ist Reis im Katzenfutter ein Problem?
In kleinen Mengen (2-5%) nicht. Reis ist glutenfrei, leicht verdaulich und wird von den meisten Katzen gut vertragen. Problematisch wird es, wenn Reis einen großen Anteil ausmacht und den Fleischanteil verdrängt. Ein Futter mit 70% Fleisch und 3% Reis ist besser als eines mit 50% Fleisch und 0% Getreide.
Was kostet getreidefreies Katzenfutter im Monat?
Für eine durchschnittliche Katze (4 kg, ca. 200-250 g Nassfutter pro Tag) liegt der Monatspreis bei 40 bis 90 EUR. MAC's und Animonda Carny starten bei ca. 40-60 EUR, MjAMjAM bei 60-80 EUR, Anifit bei 105-150 EUR. Im Vergleich zu Supermarkt-Futter (30-50 EUR) ist der Aufpreis überschaubar.
Wie erkenne ich, ob meine Katze Getreide nicht verträgt?
Typische Symptome einer Getreideunverträglichkeit: chronisch weicher Stuhl, Blähungen, wiederkehrender Durchfall, stumpfes Fell, Juckreiz oder Hautprobleme. Eine sichere Diagnose liefert nur eine Ausschlussdiät unter tierärztlicher Begleitung. Dabei wird die Katze über mehrere Wochen mit einer einzigen Proteinquelle gefüttert, die sie vorher noch nie hatte.



