Zucker hat in Katzenfutter nichts verloren. Katzen können ihn nicht schmecken, brauchen ihn nicht und profitieren in keiner Weise davon. Trotzdem steht er auf der Zutatenliste vieler bekannter Marken. Der Grund ist rein kosmetisch: Er färbt das Futter dunkler und macht es für Menschen ansprechender.
Ich berate seit 2018 Katzenhalter zur Ernährung und sehe regelmäßig Zutatenlisten, in denen Zucker unter verschiedenen Namen versteckt wird. Hier erkläre ich, warum Zucker im Futter landet, welche Risiken bestehen und welche Marken komplett darauf verzichten.
Auf einen Blick
- Zucker wird Katzenfutter zur Karamellisierung zugesetzt (braune Farbe), nicht für den Geschmack
- Katzen fehlen die Rezeptoren für süß, sie schmecken Zucker nicht
- Langfristige Risiken: Übergewicht, Diabetes mellitus, Zahnprobleme
- "Zucker", "Karamellsirup" und "Saccharose" auf der Zutatenliste sind klare Warnsignale
- Inulin und FOS (Fructooligosaccharide) sind Präbiotika, kein zugesetzter Zucker
- Marken ohne Zucker: Anifit, MjAMjAM, Leonardo, Catz Finefood, MAC's, Animonda Carny
Warum ist Zucker im Katzenfutter?
Die kurze Antwort: Marketing. Katzenfutter mit hohem Fleischanteil hat eine natürliche, eher blasse Farbe. Das sieht für den Menschen wenig appetitlich aus. Zucker, genauer gesagt Karamell oder Karamellsirup, wird beim Erhitzen braun und gibt dem Futter eine gleichmäßige, dunkle Färbung. Es sieht dann aus wie "richtiges" Fleisch, wie eine kräftige Brühe.
Katzen ist die Farbe ihres Futters egal. Sie orientieren sich an Geruch und Textur. Ein blasses Futter ohne Zucker und ein karamellbraunes mit Zucker werden von der Katze identisch bewertet, solange Geruch und Konsistenz stimmen. Polly, meine vierjährige BKH, frisst graubeiges Anifit-Futter mit exakt der gleichen Begeisterung wie braunes Supermarkt-Futter.
Der Zucker im Katzenfutter richtet sich an den Käufer, nicht an die Katze.
Können Katzen Zucker schmecken?
Nein. Katzen fehlen funktionierende Süßrezeptoren (Tas1r2). Diese genetische Besonderheit wurde 2005 von Forschern des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia nachgewiesen. Anders als Hunde, die durchaus süß schmecken, haben Katzen im Laufe der Evolution die Fähigkeit verloren. Als reine Fleischfresser hatten sie schlicht keinen Bedarf dafür.
Das bedeutet: Zucker im Katzenfutter verbessert weder den Geschmack noch die Akzeptanz. Milo, mein wählerischer EKH-Kater, verweigert regelmäßig teure Nassfutter-Sorten und frisst dafür billiges Hühnchen pur vom Teller. Zucker spielt bei seiner Entscheidung keine Rolle, Geruch und Textur schon.
Gesundheitsrisiken durch Zucker im Katzenfutter
Die Menge Zucker in einer einzelnen Dose Katzenfutter ist gering, meist unter 2%. Die Risiken entstehen durch die tägliche Aufnahme über Monate und Jahre.
Übergewicht
Zucker liefert Kalorien ohne Nährstoffwert. Katzen fehlt das Enzym Glucokinase, das den Kohlenhydrat-Stoffwechsel reguliert. Ihr Körper ist auf die Energiegewinnung aus Protein und Fett optimiert. Kohlenhydrate, die nicht verwertet werden können, lagert der Körper als Fett ein. Polly neigt zur Gewichtszunahme. Seit ich auf zuckerfreies Futter mit hohem Fleischanteil umgestellt habe, hält sie ihr Gewicht deutlich besser, ohne dass ich die Futtermenge reduzieren musste.
Diabetes mellitus
Katzen sind anfällig für Typ-2-Diabetes. Übergewicht ist der Hauptrisikofaktor, und dauerhaft erhöhte Kohlenhydratzufuhr belastet die Insulinproduktion. Die Forschungslage zu Zucker als direktem Auslöser ist nicht abschließend geklärt, aber der Zusammenhang zwischen kohlenhydratreichem Futter und Diabetes bei Katzen ist gut dokumentiert. Ein Futter ohne Zucker und mit wenig Getreide reduziert dieses Risiko.
Zahnprobleme
Zucker fördert die Bildung von Zahnbelag und Zahnstein. Katzen putzen sich nicht die Zähne. Zahnerkrankungen (FORL) gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Katzen über 5 Jahren. Zucker im Futter verschlechtert die Situation. Milo musste mit 8 Jahren zwei Backenzähne ziehen lassen. Ob das mit dem Zucker im früheren Futter zusammenhing, kann ich nicht beweisen, aber es war einer der Gründe, warum ich konsequent auf zuckerfreies Futter umgestiegen bin.
Versteckter Zucker: So erkennst du ihn
Nicht jeder Zucker auf der Zutatenliste heißt "Zucker". Hersteller verwenden verschiedene Bezeichnungen, und nicht alle sind problematisch.
Klare Warnsignale (zugesetzter Zucker)
- Zucker oder Saccharose: Haushaltszucker, eindeutig zugesetzt
- Karamellsirup oder Karamell: Erhitzter Zucker zur Färbung
- Glukosesirup oder Dextrose: Einfachzucker, rein als Zusatz
- Melasse oder Rübenschnitzel mit Melasse: Zuckerhaltig als Nebenprodukt
Unbedenklich (Präbiotika, kein zugesetzter Zucker)
- Inulin: Ein Ballaststoff aus Chicorée-Wurzel. Wird im Darm von nützlichen Bakterien fermentiert. Kein Zucker im klassischen Sinn, sondern ein Präbiotikum.
- FOS (Fructooligosaccharide): Ebenfalls ein Präbiotikum. Der Name enthält "Saccharide", aber der Körper kann FOS nicht als Zucker verwerten. Fördert die Darmgesundheit.
- Mannan-Oligosaccharide (MOS): Prebiotischer Ballaststoff aus Hefezellwänden.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil einige gute Futterhersteller Inulin oder FOS bewusst zusetzen, um die Verdauung zu unterstützen. Das mit zugesetztem Karamellsirup gleichzusetzen wäre falsch.
Faustregel: Steht "Zucker", "Karamell", "Sirup", "Saccharose" oder "Dextrose" auf der Liste, ist es zugesetzter Zucker. Steht "Inulin" oder "FOS" dort, ist es ein Ballaststoff.
6 Marken ohne Zucker im Vergleich
Alle sechs Marken verzichten konsequent auf zugesetzten Zucker. Die Daten stammen aus den offiziellen Herstellerangaben, Stand März 2026.
| Marke | Fleischanteil | Deklaration | Preis/kg ca. | Bezugsquelle |
|---|---|---|---|---|
| Anifit | 93-99% | Offen | 17-20 EUR | Online (anifit.de) |
| MjAMjAM | 93-96% | Offen | 8-12 EUR | Handel + Online |
| Leonardo | 70-90% | Offen | 7-10 EUR | Fachhandel + Online |
| Catz Finefood | 65-70% | Offen | 8-11 EUR | Fachhandel + Online |
| MAC's | 70-80% | Offen | 6-9 EUR | Fachhandel + Online |
| Animonda Carny | 60-70% | Halboffen | 5-7 EUR | Überall (auch Fressnapf) |
Zum Vergleich: Felix, Whiskas und einige Sheba-Sorten enthalten Zucker oder Karamellsirup. Bei Sheba variiert es je nach Produktlinie. Die "Classics"-Serie enthält Zucker, einzelne andere Linien nicht. Hier lohnt ein Blick auf die konkrete Zutatenliste.
Meine Einschätzung
Zuckerfreies Katzenfutter ist kein Premium-Feature, sondern ein Mindeststandard. Dass ein Futter keinen Zucker enthält, macht es noch nicht automatisch gut. Es kann trotzdem wenig Fleisch, viel Getreide und eine geschlossene Deklaration haben. Zucker ist nur eines von mehreren Kriterien.
Trotzdem: Wer von einer Marke mit Zucker auf eine ohne umsteigt, macht einen richtigen Schritt. Animonda Carny ist für 5-7 EUR/kg ein guter Einstieg. Wer das Budget hat, bekommt bei MjAMjAM das beste Verhältnis aus Fleischanteil und Preis. Anifit mit 99% Fleisch ist die Wahl für Katzen mit empfindlichem Magen oder Unverträglichkeiten, bei Anifit gibt es mit dem Code JETZT10 10% auf die Erstbestellung.
Für alle, die unsicher sind, welches Futter zu ihrer Katze passt: Der Futter-Finder hilft bei der Auswahl.
Häufige Fragen
Ist Zucker im Katzenfutter gefährlich?
In den üblichen Mengen (unter 2% pro Dose) nicht akut gefährlich. Das Risiko liegt in der dauerhaften täglichen Aufnahme über Jahre. Übergewicht, Diabetes und Zahnprobleme entwickeln sich schleichend. Ein einzelner Zutatenwechsel wird deine Katze nicht sofort gesünder machen, aber die langfristige Belastung fällt weg.
Warum steht Zucker in so vielen bekannten Katzenfuttern?
Zucker dient als Färbemittel (Karamellisierung) und als kostengünstiger Zusatzstoff. Da er billig ist und die Optik für den Käufer verbessert, haben viele Hersteller keinen wirtschaftlichen Anreiz, darauf zu verzichten. Katzen schmecken den Unterschied nicht, also gibt es auch keine Akzeptanzprobleme.
Ist Katzenfutter mit Inulin zuckerfrei?
Ja. Inulin ist ein präbiotischer Ballaststoff, kein zugesetzter Zucker. Der Körper kann Inulin nicht als Zucker verwerten. Es wird im Dickdarm von nützlichen Bakterien fermentiert und unterstützt die Darmgesundheit. Wenn auf der Zutatenliste nur "Inulin" oder "FOS" steht und kein "Zucker", "Karamell" oder "Saccharose", ist das Futter zuckerfrei.
Lohnt sich der Umstieg auf zuckerfreies Futter?
Ja, in jedem Fall. Es gibt keinen einzigen Vorteil von Zucker im Katzenfutter. Der Umstieg ist einfach, weil Katzen den Unterschied geschmacklich nicht bemerken. Die Akzeptanz hängt von Geruch und Konsistenz ab, nicht vom Zuckergehalt. Bei der Umstellung über 7-10 Tage schrittweise das neue Futter einmischen, dann gibt es in der Regel keine Probleme.


