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Übergewicht bei Katzen: Erkennen, Risiken und Abnehmen

Fast jede zweite Katze in Deutschland ist zu dick. Wie du Übergewicht erkennst, welche Risiken es birgt und wie deine Katze gesund abnimmt.

Übergewichtige Katze auf der Waage

Zwischen 40 und 50 Prozent aller Hauskatzen in Deutschland sind übergewichtig. Die Zahl ist in den letzten zwanzig Jahren stetig gestiegen. Viele Halter unterschätzen das Problem, weil sie an den Anblick ihrer rundlichen Katze gewöhnt sind. Dabei verkürzt Übergewicht die Lebenserwartung um durchschnittlich zwei Jahre und löst Krankheiten aus, die sich durch rechtzeitiges Abnehmen vermeiden lassen.

So erkennst du Übergewicht: Der Body Condition Score

Das reine Gewicht sagt wenig, weil Katzen je nach Rasse und Körperbau sehr unterschiedlich gebaut sind. Eine Maine Coon mit 7 kg ist normalgewichtig, eine Europäisch Kurzhaar mit demselben Gewicht deutlich zu schwer. Tierärzte nutzen deshalb den Body Condition Score (BCS), eine Skala von 1 bis 9.

Bei BCS 4 bis 5 (Idealgewicht) sind die Rippen bei leichtem Druck tastbar. Von oben betrachtet hat die Katze eine sichtbare Taille hinter den Rippen. Der Bauch zieht sich von der Seite betrachtet leicht nach oben.

Ab BCS 6 bis 7 beginnt Übergewicht. Die Rippen lassen sich nur noch mit Druck ertasten. Die Taille ist verschwunden, der Bauch hängt auf Rippenhöhe oder tiefer.

BCS 8 bis 9 bedeutet Adipositas. Die Rippen verschwinden unter einer dicken Fettschicht. Der Körper wirkt von oben oval, der Bauch hängt deutlich.

Drei Tests kannst du zu Hause selbst machen: Streiche mit flachen Händen über den Brustkorb deiner Katze. Spürst du die Rippen sofort, ist alles in Ordnung. Musst du drücken, ist zu viel Fett da. Betrachte deine Katze von oben: Hinter den Rippen sollte eine Einbuchtung sichtbar sein. Und von der Seite: Der Bauch darf nicht durchhängen, sondern sollte sich nach hinten leicht anheben.

Warum Übergewicht gefährlich ist

Diabetes mellitus

Übergewichtige Katzen haben ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Das Fettgewebe stört die Insulinwirkung direkt. Je mehr Körperfett eine Katze ansetzt, desto schlechter reagieren ihre Zellen auf Insulin. Viele übergewichtige Katzen befinden sich bereits in einem Vorstadium mit gestörter Glukosetoleranz, ohne dass Halter es bemerken.

Gelenkprobleme und Arthrose

Jedes zusätzliche Kilo belastet Gelenke, Bänder und Wirbelsäule. Arthrose ist bei übergewichtigen Katzen ab dem mittleren Alter weit verbreitet. Die Katze springt nicht mehr auf den Kratzbaum, meidet Treppen und bewegt sich insgesamt weniger. Das verstärkt das Übergewicht weiter, ein Kreislauf, der sich ohne Eingreifen nicht durchbricht.

Hepatische Lipidose (Fettleber)

Das klingt paradox: Gerade übergewichtige Katzen sind anfällig für eine lebensbedrohliche Fettleber. Wenn eine dicke Katze plötzlich aufhört zu fressen (durch Stress, Krankheit oder eine zu aggressive Diät), mobilisiert der Körper in kurzer Zeit große Fettmengen. Die Leber kann diese Flut nicht verarbeiten und verfettet. Ohne intensive tierärztliche Behandlung verläuft eine hepatische Lipidose häufig tödlich.

Weitere Risiken

Übergewicht begünstigt Harnwegserkrankungen, Blasenentzündungen und Hautprobleme, weil sich dicke Katzen schlechter putzen können. Die Narkosefähigkeit ist eingeschränkt, Wundheilung verlangsamt. Auch die Lebensqualität leidet: Dicke Katzen spielen weniger, sind weniger aktiv und schlafen mehr.

Ursachen: Warum Katzen zunehmen

Zu viel Futter ist der häufigste Grund. Viele Halter füllen den Napf morgens auf und lassen die Katze den ganzen Tag fressen. Bei manchen Katzen funktioniert diese Ad-libitum-Fütterung. Viele regulieren ihren Appetit aber nicht gut genug, besonders bei energiedichtem Trockenfutter.

Falsches Futter verstärkt das Problem. Trockenfutter enthält 350 bis 400 kcal pro 100 g, Nassfutter dagegen nur 80 bis 100 kcal. Eine Katze, die 80 g Trockenfutter frisst, nimmt mehr Kalorien auf als eine, die 200 g Nassfutter bekommt. Leckerlis addieren sich ebenfalls schnell: Zehn kleine Trockenfutter-Stückchen liefern 30 bis 50 kcal, das sind bereits 10 Prozent des Tagesbedarfs.

Kastration senkt den Energiebedarf um 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig steigt bei vielen Katzen der Appetit. Wer nach der Kastration die Futtermenge nicht anpasst, sieht innerhalb weniger Monate eine spürbare Gewichtszunahme.

Zu wenig Bewegung betrifft vor allem Wohnungskatzen. Freigänger legen täglich mehrere Kilometer zurück. Eine Wohnungskatze ohne Spielanreize bewegt sich oft nur zwischen Napf, Klo und Schlafplatz. Der Energieverbrauch sinkt, die Kalorienzufuhr bleibt gleich.

Sicher abnehmen: Das richtige Tempo

Der wichtigste Grundsatz bei der Katzendiät: Maximal 1 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche. Bei einer 6-kg-Katze sind das 60 bis 120 g wöchentlich. Eine schnellere Abnahme ist gefährlich, weil sie eine hepatische Lipidose auslösen kann. Crash-Diäten und plötzliches Fasten sind bei Katzen absolut tabu.

Ein realistischer Zeitrahmen: Eine Katze, die ein Kilo abnehmen muss, braucht dafür drei bis sechs Monate. Das mag langsam klingen, ist aber der einzig sichere Weg.

Kalorien reduzieren, Volumen beibehalten

Das Prinzip klingt einfach und funktioniert tatsächlich gut. Statt die Futtermenge drastisch zu kürzen, wechselst du auf kalorienärmeres Futter. Hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil und wenig Fett sättigt bei deutlich weniger Kalorien als Trockenfutter. Deine Katze bekommt eine volle Schale, nimmt aber weniger Energie auf.

Berechne die Futtermenge anhand des Zielgewichts, nicht des aktuellen Gewichts. Reduziere die Portionen über zwei bis drei Wochen schrittweise, damit Verdauung und Stoffwechsel sich anpassen können.

Mehr Protein, weniger Kohlenhydrate

Protein sättigt besser als Fett oder Kohlenhydrate und schützt die Muskelmasse während der Abnahme. Ein gutes Diätfutter für Katzen hat mindestens 45 Prozent Protein in der Trockensubstanz. Kohlenhydrate sollten unter 10 Prozent liegen. Getreidefreies Nassfutter mit hohem Fleischanteil erfüllt diese Anforderungen meistens von selbst.

Feste Fütterungszeiten statt freier Zugang

Zwei bis drei Mahlzeiten pro Tag zu festen Zeiten ersetzen den dauerhaft gefüllten Napf. So weißt du genau, wie viel deine Katze frisst. Das ist die wichtigste Stellschraube bei der Gewichtskontrolle. Mehr dazu findest du im Artikel Wie oft Katze füttern.

Interaktive Fütterung

Futterpuzzles, Fummelbretter und Snackbälle verlangsamen die Nahrungsaufnahme und beschäftigen deine Katze gleichzeitig. Sie muss für ihr Futter arbeiten, was dem natürlichen Jagdverhalten entspricht. Nebeneffekt: Die verlängerte Fresszeit steigert das Sättigungsgefühl.

Bewegung steigern

Zwei bis drei Spielsessions von jeweils 10 bis 15 Minuten pro Tag machen einen echten Unterschied. Angelspielzeug simuliert Beute und aktiviert den Jagdinstinkt am zuverlässigsten. Bälle, raschelnde Tunnel und Laserpointer (immer mit einer echten Belohnung am Ende) bringen ebenfalls Bewegung rein.

Für Wohnungskatzen lohnt sich ein hoher Kratzbaum mit mehreren Ebenen. Vertikaler Raum motiviert zum Klettern und Springen. Auch versteckte Leckerli-Portionen in der Wohnung (aus der Tagesration, nicht zusätzlich) regen zum Suchen und Bewegen an.

Wichtig: Übergewichtige Katzen sind oft aus der Übung. Starte langsam und steigere die Spieldauer über Wochen. Eine Katze, die nach zwei Minuten hechelt, braucht keine 15-Minuten-Session.

Wöchentlich wiegen

Ohne Gewichtskontrolle tappst du im Dunkeln. Wiege deine Katze einmal pro Woche, immer am selben Tag und möglichst vor der ersten Mahlzeit. Bei kleinen Katzen reicht eine Küchenwaage. Für größere Tiere funktioniert die Differenzmethode: Stell dich mit und ohne Katze auf die Personenwaage.

Notiere das Gewicht und vergleiche den Verlauf. Ein Verlust von 50 bis 100 g pro Woche bei einer mittelgroßen Katze ist ein gutes Zeichen. Stagniert das Gewicht über drei Wochen, reduziere die Futtermenge nochmals leicht oder sprich mit dem Tierarzt.

Wann zum Tierarzt?

Bevor du eine Diät startest, sollte jede Katze mit einem BCS von 7 oder höher tierärztlich untersucht werden. Der Tierarzt schließt Grunderkrankungen aus: Eine Schilddrüsenunterfunktion oder Stoffwechselstörung kann hinter der Gewichtszunahme stecken. Auch ein bereits bestehender Diabetes muss vor der Diät erkannt und behandelt werden.

Ein Tierarztbesuch ist ebenfalls nötig, wenn deine Katze trotz reduzierter Futtermenge über vier bis sechs Wochen nicht abnimmt. Oder wenn sie plötzlich aufhört zu fressen: Bei übergewichtigen Katzen ist das ein Notfall wegen der Fettlebergefahr. Zwei Tage ohne Futter bei einer dicken Katze erfordern sofortige tierärztliche Abklärung.

Der Tierarzt kann ein individuelles Zielgewicht festlegen, passende Futtermengen berechnen und den Diäterfolg bei Kontrolluntersuchungen überprüfen. Gerade bei stark übergewichtigen Katzen (BCS 8 bis 9) ist eine tierärztliche Begleitung sinnvoll.

FAQ

Wie schnell darf eine Katze abnehmen?

Maximal 1 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche. Bei einer 6-kg-Katze sind das 60 bis 120 g wöchentlich. Schnellere Abnahme riskiert eine hepatische Lipidose (Fettleber), die lebensbedrohlich sein kann. Lieber langsam und sicher über mehrere Monate abnehmen.

Ist Diät-Trockenfutter eine gute Wahl?

Bedingt. Diät-Trockenfutter hat zwar weniger Kalorien als normales Trockenfutter, enthält aber immer noch deutlich mehr als Nassfutter. Der niedrige Wassergehalt sättigt schlechter. Hochwertiges Nassfutter mit viel Protein ist für die Gewichtsreduktion besser geeignet.

Meine Katze bettelt ständig. Was tun?

Feste Fütterungszeiten helfen, weil die Katze lernt, wann es Futter gibt. Futterpuzzles verlängern die Fresszeit. Spielen statt Füttern lenkt ab und verbrennt Kalorien. Das Wichtigste: konsequent bleiben. Wer beim Betteln nachgibt, verstärkt das Verhalten dauerhaft.

Brauche ich spezielles Diätfutter vom Tierarzt?

Nicht unbedingt. Hochwertiges Nassfutter mit hohem Proteinanteil (über 45 % in der Trockensubstanz) und wenig Kohlenhydraten eignet sich für die meisten übergewichtigen Katzen. Tierärztliches Diätfutter ist vor allem bei gleichzeitigen Erkrankungen wie Diabetes oder Niereninsuffizienz sinnvoll, weil es an diese Bedürfnisse angepasst ist.

Nächster Schritt

Das richtige Futter kann Beschwerden lindern

Gerade bei Gesundheitsproblemen lohnt ein Blick auf die Ernährung. Unser Futter-Finder hilft dir, die passende Wahl zu treffen.