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Arthrose bei Katzen: Anzeichen erkennen und Schmerzen lindern

Arthrose kommt bei Katzen häufiger vor als gedacht, besonders im Alter. Woran du Gelenkprobleme erkennst und was wirklich hilft.

Ältere Katze mit Gelenkproblemen

Katzen humpeln fast nie. Genau das macht Arthrose bei ihnen so tückisch. Während ein Hund mit Gelenkproblemen deutlich lahmt, kompensieren Katzen den Schmerz, indem sie ihr Verhalten ändern. Sie springen weniger, schlafen mehr, bewegen sich vorsichtiger. Was viele Halter für normales Älterwerden halten, ist in Wirklichkeit oft chronischer Gelenkschmerz.

Häufiger als gedacht

Arthrose (degenerative Gelenkerkrankung) ist bei Katzen extrem verbreitet. Röntgenstudien zeigen ein klares Bild: Über 60 % der Katzen ab sechs Jahren haben bereits sichtbare Gelenkveränderungen. Bei Katzen über zwölf Jahren steigt die Zahl auf über 90 %. Das bedeutet: Fast jede ältere Katze lebt mit einem gewissen Grad an Gelenkverschleiß.

Trotzdem wird Arthrose bei Katzen selten diagnostiziert. Eine Studie der North Carolina State University ergab, dass Tierärzte Arthrose nur bei etwa 13 % der betroffenen Katzen erkennen. Der Grund: Katzen zeigen Schmerzen anders als Hunde oder Menschen. Sie schreien nicht, sie humpeln nicht offensichtlich. Stattdessen passen sie ihren Alltag still an die Einschränkungen an.

Betroffen sind am häufigsten Ellbogen, Hüften, Knie und die Wirbelsäule (besonders der Bereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule). Viele Katzen haben Veränderungen in mehreren Gelenken gleichzeitig.

Die subtilen Anzeichen

Weil Katzen Schmerzen instinktiv verbergen, musst du auf Verhaltensänderungen achten statt auf offensichtliches Hinken.

Verändertes Sprungverhalten

Das zuverlässigste Frühzeichen. Die Katze springt nicht mehr auf den Kratzbaum, die Fensterbank oder das Regal, das sie früher mühelos erreicht hat. Oder sie springt noch, aber zögerlicher, mit deutlichem Abwägen vorher. Manche Katzen nehmen Umwege: Statt direkt auf die Arbeitsplatte zu springen, gehen sie über einen Stuhl.

Steifheit nach dem Aufstehen

Wie bei Menschen mit Arthrose sind die ersten Schritte nach längerem Liegen besonders unangenehm. Deine Katze steht langsamer auf, streckt sich auffällig lange oder bewegt sich die ersten Minuten vorsichtig und steif. Nach ein paar Minuten Bewegung wird es besser. Bei kaltem oder feuchtem Wetter können die Symptome stärker ausfallen.

Weniger Körperpflege

Katzen mit Gelenkschmerzen putzen sich weniger gründlich. Besonders der Rücken, die Hinterbeine und die Region um den Schwanzansatz werden vernachlässigt, weil das Verdrehen des Körpers schmerzt. Das Fell wirkt dort stumpf, struppig oder verfilzt. Manche Katzen lecken dagegen an schmerzenden Gelenken vermehrt, was zu kahlen Stellen führen kann.

Weitere Warnsignale

Reizbarkeit beim Hochheben oder Streicheln bestimmter Körperstellen, plötzliche Unsauberkeit (weil der Einstieg ins Katzenklo schmerzt), Rückzug und weniger Interesse an Interaktion, Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Manche Katzen miauen nachts, weil sie sich im Liegen nicht schmerzfrei umdrehen können.

Diagnose beim Tierarzt

Wenn du den Verdacht hast, dass deine Katze unter Gelenkproblemen leidet, ist der Tierarzt der nächste Schritt. Die Diagnose basiert auf drei Säulen.

Klinische Untersuchung. Der Tierarzt bewegt die Gelenke vorsichtig durch und prüft, ob Schwellungen, Verdickungen oder eingeschränkte Beweglichkeit vorliegen. Manche Katzen reagieren mit Abwehr, wenn ein schmerzhaftes Gelenk betastet wird.

Röntgenbilder. Auf Röntgenaufnahmen lassen sich Veränderungen wie Knochenzubildungen (Osteophyten), Gelenkspaltverschmälerung und Knochenumbau erkennen. Allerdings korreliert der Schweregrad auf dem Röntgenbild nicht immer mit dem tatsächlichen Schmerzlevel. Manche Katzen haben ausgeprägte Röntgenbefunde und zeigen kaum Symptome, bei anderen ist es umgekehrt.

Verhaltensbeobachtung. Deine Schilderung des Verhaltens zu Hause ist oft wertvoller als jeder Röntgenbefund. Filmaufnahmen von deiner Katze beim Aufstehen, Springen oder Treppensteigen helfen dem Tierarzt bei der Einschätzung. Denn in der Praxis zeigen viele Katzen stressbedingt ein anderes Verhalten als zu Hause.

Behandlung: Was wirklich hilft

Arthrose ist nicht heilbar. Der Knorpel, der einmal abgebaut ist, bildet sich nicht neu. Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und das Fortschreiten zu verlangsamen.

Schmerzmedikamente

Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) sind die Grundlage der Schmerztherapie. Seit 2021 gibt es mit Solensia (Frunevetmab) einen monoklonalen Antikörper, der speziell für Katzen mit Arthroseschmerzen zugelassen ist. Er wird einmal monatlich als Injektion beim Tierarzt verabreicht und hat im Vergleich zu klassischen Schmerzmitteln weniger Nebenwirkungen auf Nieren und Leber. Das ist ein echter Fortschritt, weil viele ältere Katzen gleichzeitig Nierenprobleme haben, die den Einsatz klassischer NSAIDs einschränken.

Gib deiner Katze niemals Schmerzmittel aus der Humanmedizin. Ibuprofen und Paracetamol sind für Katzen giftig, schon kleine Mengen können tödlich sein.

Nahrungsergänzungsmittel

Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA aus Fischöl) wirken entzündungshemmend und können Gelenkschmerzen lindern. Die Datenlage bei Katzen ist nicht so umfangreich wie bei Hunden, aber vielversprechend. Glucosamin und Chondroitin werden häufig empfohlen, die wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit bei Katzen ist allerdings begrenzt. Schaden tun sie in der Regel nicht.

Grünlippmuschel-Extrakt enthält eine Kombination aus Omega-3-Fettsäuren, Glucosamin und Chondroitin und wird von manchen Tierärzten als Ergänzung empfohlen.

Gewichtsmanagement

Jedes zusätzliche Gramm Körpergewicht belastet die Gelenke. Bei übergewichtigen Katzen ist Gewichtsreduktion eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Arthroseschmerzen. Schon eine moderate Gewichtsabnahme von 10 bis 15 % kann die Beweglichkeit spürbar verbessern. Dein Tierarzt kann einen Diätplan erstellen und das Idealgewicht deiner Katze bestimmen.

Physiotherapie und Bewegung

Moderate Bewegung hält die Gelenke geschmeidig und verhindert Muskelschwund. Lass deine Katze aber selbst entscheiden, wie viel sie sich bewegen möchte. Sanftes Spielen mit Federangeln oder Bodenjagdspielzeug (ohne Springen) ist besser als Spielzeug, das die Katze zum Klettern oder Springen animiert.

Tierphysiotherapie gewinnt an Bedeutung. Techniken wie passive Bewegungstherapie, Massage und Lasertherapie können die Beweglichkeit verbessern. Frag deinen Tierarzt nach Empfehlungen in deiner Region.

Die Wohnung anpassen

Kleine Veränderungen in der Wohnung können die Lebensqualität einer Katze mit Arthrose erheblich verbessern.

Aufstiegshilfen. Stell Rampen, Hocker oder kleine Treppen vor Sofa, Bett und Fensterbank. Deine Katze soll ihre Lieblingsplätze weiterhin erreichen können, ohne springen zu müssen. Katzen-Treppen aus Schaumstoff oder Holz gibt es fertig zu kaufen, ein stabiler Hocker tut es aber genauso.

Katzenklo mit niedrigem Einstieg. Hohe Toilettenränder werden für Katzen mit steifen Gelenken zum Hindernis. Toiletten mit seitlichem Einstieg oder einem niedrig ausgeschnittenen Rand (maximal 5 bis 8 cm Höhe) erleichtern den Zugang. Wenn deine Katze unsauber wird, prüfe zuerst die Erreichbarkeit des Klos.

Warme, weiche Liegeplätze. Wärme lindert Gelenkschmerzen. Orthopädische Katzenbetten mit Memory-Foam entlasten die Gelenke. Eine Wärmedecke auf niedriger Stufe oder ein Platz an der Heizung wird von vielen arthritischen Katzen bevorzugt. Achte darauf, dass die Katze sich jederzeit von der Wärmequelle entfernen kann.

Futter und Wasser in Reichweite. Stelle Näpfe auf jeder Etage bereit, damit deine Katze keine Treppen steigen muss, um an Futter oder Wasser zu kommen. Erhöhte Futternäpfe (etwa 10 bis 15 cm) ersparen das schmerzhafte Bücken.

Kratzmöbel auf Bodenniveau. Wenn der Kratzbaum zu hoch ist, biete flache Kratzbretter als Alternative an. Kratzen ist für Katzen ein Grundbedürfnis und sollte auch mit Arthrose möglich sein.

FAQ

Kann Arthrose bei Katzen geheilt werden?

Nein. Arthrose ist eine degenerative Erkrankung, der abgebaute Gelenkknorpel regeneriert sich nicht. Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu kontrollieren, die Beweglichkeit zu erhalten und das Fortschreiten zu verlangsamen. Mit der richtigen Kombination aus Schmerzmanagement, Gewichtskontrolle und Anpassungen in der Umgebung können die meisten Katzen trotz Arthrose ein gutes Leben führen.

Wie teuer ist die Behandlung von Arthrose bei Katzen?

Das hängt vom Behandlungsweg ab. Solensia-Injektionen kosten etwa 50 bis 80 Euro pro Monat. Klassische Schmerzmittel sind günstiger, erfordern aber regelmäßige Blutkontrollen (Nieren- und Leberwerte), die mit 40 bis 80 Euro pro Untersuchung zu Buche schlagen. Nahrungsergänzungsmittel wie Fischöl liegen bei 10 bis 20 Euro monatlich. Die Erstdiagnose mit Röntgenbildern kostet 100 bis 250 Euro.

Ab wann sollte ich meine Katze auf Arthrose untersuchen lassen?

Wenn du Verhaltensänderungen wie weniger Springen, Steifheit oder vernachlässigte Fellpflege bemerkst, unabhängig vom Alter. Da über 60 % der Katzen ab sechs Jahren betroffen sind, ist ein gezieltes Screening ab dem sechsten Lebensjahr sinnvoll. Beim regulären jährlichen Gesundheitscheck kannst du deinen Tierarzt gezielt auf die Gelenke ansprechen.

Nächster Schritt

Das richtige Futter kann Beschwerden lindern

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