Die Kastration gehört zu den häufigsten tierärztlichen Eingriffen bei Katzen. Für Kater liegen die Kosten zwischen 80 und 150 Euro, für weibliche Katzen zwischen 120 und 250 Euro. Die meisten Tierärzte empfehlen den Eingriff ab einem Alter von sechs bis acht Monaten. Sowohl bei Milo als auch bei Polly habe ich mich für die Kastration entschieden, und ich würde es jederzeit wieder tun.
Kastration oder Sterilisation: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet, meinen aber zwei verschiedene Dinge. Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen vollständig entfernt: beim Kater die Hoden, bei der Katze die Eierstöcke (oft zusammen mit der Gebärmutter). Das Tier kann sich nicht mehr fortpflanzen, und die Produktion von Sexualhormonen wird gestoppt.
Bei einer Sterilisation werden nur die Samen- oder Eileiter durchtrennt. Die Katze oder der Kater bleibt unfruchtbar, die Hormonproduktion läuft aber weiter. Das bedeutet: Rolligkeit, Markierverhalten und Revierstreitigkeiten bleiben bestehen. Genau deshalb empfehlen Tierärzte heute fast ausschließlich die Kastration. Eine Sterilisation löst nur das Fortpflanzungsproblem, nicht die hormonbedingten Verhaltensweisen.
Wenn im Alltag von "Katze kastrieren" die Rede ist, meinen die meisten die Kastration im medizinischen Sinne. Auch in diesem Artikel verwende ich den Begriff so.
Ab wann kastrieren?
Der ideale Zeitpunkt für die Kastration liegt bei sechs bis acht Monaten. In diesem Alter sind die meisten Katzen körperlich weit genug entwickelt, aber noch nicht geschlechtsreif. Bei Katzen setzt die erste Rolligkeit oft zwischen dem fünften und neunten Lebensmonat ein, bei Katern beginnt das Markierverhalten in einem ähnlichen Zeitfenster.
Mein Tierarzt hat mir bei Polly empfohlen, nicht zu lange zu warten. Eine Kastration vor der ersten Rolligkeit senkt das Risiko für Gebärmutterentzündungen und Mammatumore deutlich. Bei Milo ging es weniger um gesundheitliche Gründe, eher um die Vermeidung von Markierverhalten in der Wohnung. Der strenge Geruch von Katerurin ist nur schwer aus Polstern und Teppichen zu entfernen.
Frühkastrationen ab der achten Lebenswoche werden in manchen Ländern praktiziert, in Deutschland aber von den meisten Tierärzten nicht empfohlen. Spätkastrationen bei älteren Katzen sind grundsätzlich möglich, bergen aber ein leicht erhöhtes Narkoserisiko. Wenn du einen Kater adoptiert hast, der bereits markiert, kann eine spätere Kastration das Verhalten reduzieren, muss es aber nicht komplett abstellen.
Ablauf der Kastration
Vor der OP muss deine Katze nüchtern sein. Die meisten Tierärzte empfehlen 12 Stunden ohne Futter und 2 bis 3 Stunden ohne Wasser. Am Tag des Eingriffs bekommt die Katze eine Vollnarkose, häufig als Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose.
Beim Kater ist der Eingriff vergleichsweise einfach. Der Tierarzt macht zwei kleine Schnitte am Hodensack, entfernt die Hoden und vernäht die Wunde (manche Tierärzte lassen die kleinen Schnitte auch offen verheilen). Die OP dauert etwa 10 bis 20 Minuten. Milo war am selben Tag wieder zu Hause.
Bei der Katze ist die Operation aufwändiger, weil die Eierstöcke in der Bauchhöhle liegen. Der Tierarzt setzt einen Schnitt in die Bauchdecke (ca. 2 bis 3 cm), entnimmt die Eierstöcke und in vielen Fällen auch die Gebärmutter. Die OP dauert 30 bis 45 Minuten. Polly musste einen halben Tag in der Praxis bleiben, bevor ich sie abholen konnte.
Nach dem Aufwachen sind die meisten Katzen noch benommen und unsicher auf den Beinen. Das ist normal und legt sich innerhalb weniger Stunden.
Kosten der Kastration
Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Seit der GOT-Novellierung 2022 sind die Preise gestiegen.
| Kater | Katze | |
|---|---|---|
| OP-Kosten | 80 - 150 € | 120 - 250 € |
| Voruntersuchung | 20 - 40 € | 20 - 40 € |
| Narkose | im OP-Preis enthalten | im OP-Preis enthalten |
| Nachkontrolle | 0 - 30 € | 0 - 30 € |
Der Unterschied erklärt sich durch den größeren Aufwand bei weiblichen Katzen: Bauchschnitt statt Hodensackschnitt, längere Narkose, mehr Material. Ob dein Tierarzt den einfachen, doppelten oder dreifachen GOT-Satz berechnet, hängt von der Praxis und der Region ab. In Großstädten zahlst du tendenziell mehr als auf dem Land. Notfallkastrationen (zum Beispiel bei einer Gebärmutterentzündung) können deutlich teurer werden und 400 Euro oder mehr kosten.
Frag vorher nach einem Kostenvoranschlag. Die meisten Praxen geben dir gern eine Einschätzung.
Nachsorge nach der OP
Die ersten zwei bis drei Tage nach der Kastration braucht deine Katze Ruhe. Richte ihr einen warmen, ruhigen Platz ein, am besten in Bodennähe, damit sie nicht springen muss.
Bei weiblichen Katzen ist der Bauchschnitt durch eine Naht verschlossen. Ein Body oder ein medizinischer Halskragen verhindert, dass die Katze an der Wunde leckt. Polly hat den Body erstaunlich schnell akzeptiert, bei vielen Katzen dauert die Eingewöhnung aber ein paar Stunden. Die Fäden werden nach 10 bis 14 Tagen gezogen, sofern kein selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet wurde.
Bei Katern heilt die Wunde schneller. Trotzdem solltest du die Einstichstellen täglich kontrollieren. Rötungen, Schwellungen oder Eiterbildung sind Warnzeichen, die einen erneuten Tierarztbesuch erfordern.
In den ersten 24 Stunden nach der Narkose kann es zu Übelkeit kommen. Biete kleine Portionen leicht verdauliches Futter an, kein Trockenfutter direkt nach der OP. Wasser sollte immer verfügbar sein.
Verhaltensänderungen nach der Kastration
Die meisten Halter bemerken deutliche Veränderungen im Verhalten, besonders bei Katern.
Kater hören in der Regel auf zu markieren (sofern sich das Verhalten noch nicht verfestigt hat). Die Aggressivität gegenüber anderen Katzen nimmt ab. Revierstreitigkeiten werden seltener, und der typische strenge Katergeruch verschwindet. Milo war nach der Kastration deutlich verschmuster und weniger rastlos.
Bei weiblichen Katzen fällt die Rolligkeit weg. Kein nächtliches Schreien mehr, kein ständiges Rollen auf dem Boden, keine Versuche, aus der Wohnung zu entkommen. Polly war schon vorher eher ausgeglichen, aber die Rolligkeit hatte sie sichtbar gestresst.
Ein Punkt, den ich ehrlich ansprechen möchte: Kastrierte Katzen haben einen langsameren Stoffwechsel und gleichzeitig oft mehr Appetit. Das Risiko für Übergewicht steigt dadurch.
Ernährung nach der Kastration
Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf um etwa 20 bis 30 Prozent. Gleichzeitig steigt der Appetit, weil der hormonelle Sättigungsmechanismus sich verändert. Diese Kombination führt ohne Gegenmaßnahmen fast zwangsläufig zu einer Gewichtszunahme.
Mein Tierarzt hat mir bei Polly direkt nach der OP geraten, die Futtermenge um etwa ein Viertel zu reduzieren. Bei Milo habe ich auf ein Futter mit weniger Fett umgestellt und die Portionen angepasst. Beide haben ihr Gewicht gehalten.
Einige Hersteller bieten spezielles "Sterilised"-Futter an, das kalorienreduziert ist. Ob das nötig ist, hängt von der Aktivität deiner Katze ab. Wichtiger als das Spezialfutter: die Menge kontrollieren und regelmäßig wiegen. Alle zwei Wochen auf die Waage reicht, um Trends frühzeitig zu erkennen. Mehr zum Thema findest du im Artikel über Übergewicht bei Katzen.
FAQ
Ist eine Kastration für Wohnungskatzen nötig?
Ja, auch für Wohnungskatzen ist die Kastration sinnvoll. Ohne den Eingriff erleben weibliche Katzen regelmäßige Rolligkeiten, die für das Tier mit erheblichem Stress verbunden sind. Bei Katern kommt das Markierverhalten dazu, das die Wohnung geruchlich stark belastet. Die gesundheitlichen Vorteile (reduziertes Risiko für Tumore und Entzündungen) gelten unabhängig davon, ob die Katze Freigang hat oder nicht.
Wie lange dauert die Heilung nach der Kastration?
Bei Katern ist die Wunde in der Regel nach fünf bis sieben Tagen verheilt. Bei weiblichen Katzen dauert es 10 bis 14 Tage, weil der Bauchschnitt größer ist. In beiden Fällen solltest du in den ersten Tagen auf wildes Toben, Springen und Klettern achten. Die meisten Katzen sind nach zwei bis drei Tagen wieder aktiv, auch wenn die Wunde noch nicht vollständig verheilt ist.
Wird meine Katze nach der Kastration dick?
Nicht zwangsläufig. Das Risiko für eine Gewichtszunahme steigt zwar, weil der Energiebedarf sinkt. Aber mit einer angepassten Futtermenge und ausreichend Bewegung lässt sich das Gewicht gut kontrollieren. Regelmäßiges Wiegen hilft, eine schleichende Zunahme frühzeitig zu bemerken. Konkrete Tipps findest du in unserem Übergewicht-Ratgeber.
Kann ich meine Katze auch später kastrieren lassen?
Ja, eine Kastration ist auch im Erwachsenenalter möglich. Das Narkoserisiko ist bei gesunden Katzen gering, steigt aber mit dem Alter leicht an. Dein Tierarzt wird vorher Blut abnehmen, um die Narkosefähigkeit zu prüfen. Bei Katern, die bereits lange markieren, kann das Verhalten nach der Kastration bestehen bleiben, weil es zur Gewohnheit geworden ist.
Gibt es Alternativen zur chirurgischen Kastration?
Für Kater gibt es den Suprelorin-Chip, ein Hormonimplantat, das die Hodenfunktion vorübergehend unterdrückt. Die Wirkung hält je nach Chip 6 bis 12 Monate an. Das kann sinnvoll sein, wenn du dir unsicher bist oder die Kastration verschieben möchtest. Für weibliche Katzen gibt es die "Pille" (Hormonpräparate), die aber bei Dauereinnahme das Risiko für Gebärmuttererkrankungen und Tumore erhöht. Die chirurgische Kastration bleibt die zuverlässigste und auf lange Sicht sicherste Methode.


