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Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen: Symptome und Therapie

Deine Katze nimmt ab, obwohl sie viel frisst? Eine Schilddrüsenüberfunktion ist bei älteren Katzen häufig. Erfahre alles zu Symptomen und Therapie.

Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen: Symptome und Therapie

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei älteren Katzen. Sie entsteht fast immer durch einen gutartigen Tumor in der Schilddrüse und lässt sich gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Dieser Artikel erklärt dir, worauf du achten solltest und welche Therapieoptionen es gibt.

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüse sitzt am Hals deiner Katze und produziert Hormone, die den gesamten Stoffwechsel steuern: Herzfrequenz, Körpertemperatur, Verdauung, Energieverbrauch. Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse zu viel von diesen Hormonen (vor allem T4, Thyroxin). Der Stoffwechsel läuft dann dauerhaft auf Hochtouren.

In über 95 % der Fälle ist die Ursache ein gutartiger Tumor (Adenom) der Schilddrüse. Bösartige Schilddrüsentumore sind bei Katzen selten, kommen aber vor. Die Erkrankung tritt typischerweise ab einem Alter von 8 Jahren auf, am häufigsten zwischen 10 und 15 Jahren. Jüngere Katzen sind nur in Ausnahmefällen betroffen.

Warum manche Katzen eine Hyperthyreose entwickeln und andere nicht, ist nicht vollständig geklärt. Als mögliche Faktoren gelten Umwelteinflüsse, bestimmte chemische Verbindungen in Futter oder Haushaltsprodukten und genetische Veranlagung.

Symptome erkennen

Die Symptome entwickeln sich oft schleichend über Wochen oder Monate. Viele Halter deuten die ersten Anzeichen als normales Altern und gehen erst spät zum Tierarzt. Je früher du die Symptome erkennst, desto besser die Behandlungschancen.

Gewichtsverlust trotz gutem Appetit

Das Leitsymptom: Deine Katze frisst normal oder sogar deutlich mehr als sonst, nimmt aber stetig ab. Der beschleunigte Stoffwechsel verbrennt mehr Kalorien, als die Katze über das Futter aufnehmen kann. Der Körper greift auf Fett- und Muskelreserven zurück. Wenn dir auffällt, dass deine Katze zunehmend knochiger wird, obwohl der Futternapf regelmäßig leer gefressen wird, solltest du hellhörig werden.

Unruhe und Verhaltensänderungen

Viele hyperthyreote Katzen wirken rastlos, nervös oder überdreht. Sie miauen nachts häufiger, laufen unruhig durch die Wohnung oder reagieren gereizter als gewohnt. Manche Halter beschreiben ihre eigentlich ruhige Seniorenkatze plötzlich als hyperaktiv. Das liegt an der Überstimulation des Nervensystems durch die überschüssigen Schilddrüsenhormone.

Verdauungsprobleme

Erbrechen und Durchfall treten bei vielen betroffenen Katzen auf. Die gesteigerte Darmmotilität beschleunigt die Verdauung, was zu weichem Stuhl oder Durchfall führen kann. Auch vermehrtes Fressen mit anschließendem Erbrechen ist typisch.

Struppiges, ungepflegtes Fell

Der beschleunigte Stoffwechsel lässt weniger Nährstoffe für Haut und Fell übrig. Das Fell wird stumpf, schuppig und struppig. Manche Katzen putzen sich weniger als gewohnt, weil ihnen die Ruhe dafür fehlt.

Schneller Herzschlag und erhöhter Blutdruck

Die Schilddrüsenhormone treiben das Herz an. Ein erhöhter Puls (Tachykardie) und Bluthochdruck sind häufige Begleiterscheinungen. Du kannst das zu Hause schlecht messen, aber der Tierarzt wird bei der Untersuchung darauf achten. Langfristig kann die Überlastung des Herzens zu einer Verdickung des Herzmuskels führen (hypertrophe Kardiomyopathie), die bei erfolgreicher Behandlung der Schilddrüse oft reversibel ist.

Vermehrtes Trinken und Urinieren

Ähnlich wie bei Diabetes oder Nierenerkrankungen trinken manche hyperthyreote Katzen auffällig viel und setzen entsprechend mehr Urin ab.

Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose ist in den meisten Fällen unkompliziert.

Blutuntersuchung: der T4-Wert

Der wichtigste Diagnoseparameter ist der Gesamt-T4-Wert im Blut. Ein erhöhter T4-Wert in Kombination mit den typischen Symptomen sichert die Diagnose. Normale T4-Werte bei Katzen liegen je nach Labor zwischen 1,0 und 4,0 µg/dl. Werte über 4,0 µg/dl sind verdächtig, Werte über 5,0 µg/dl gelten als eindeutig erhöht.

Es gibt eine Einschränkung: Bei manchen Katzen schwankt der T4-Wert und liegt bei einer einzelnen Messung noch im oberen Normbereich, obwohl eine Überfunktion vorliegt. Wenn die Symptome auf eine Hyperthyreose hindeuten, der T4-Wert aber grenzwertig ist, kann der Tierarzt ein freies T4 (fT4) bestimmen lassen, das empfindlicher ist. Alternativ wird die Messung nach zwei bis vier Wochen wiederholt.

Abtasten der Schilddrüse

Ein erfahrener Tierarzt kann eine vergrößerte Schilddrüse am Hals der Katze ertasten. Normalerweise ist die Schilddrüse bei Katzen so klein, dass sie nicht fühlbar ist. Wenn sie tastbar vergrößert ist, spricht das für ein Adenom. Nicht jede vergrößerte Schilddrüse ist jedoch ertastbar, besonders bei leicht vergrößerten Drüsen oder unkooperativen Patienten.

Weitere Untersuchungen

Der Tierarzt wird in der Regel auch die Nierenwerte, ein Blutbild und den Blutdruck überprüfen. Das ist wichtig, weil eine Hyperthyreose Nierenprobleme maskieren kann. Der beschleunigte Stoffwechsel erhöht die Durchblutung der Nieren, was die Nierenwerte besser aussehen lässt, als sie tatsächlich sind. Nach Beginn der Schilddrüsenbehandlung können die Nierenwerte deshalb ansteigen. Das bedeutet nicht, dass die Behandlung schadet, sondern dass der tatsächliche Zustand der Nieren jetzt sichtbar wird.

Therapieoptionen

Es gibt vier etablierte Behandlungswege. Welcher der richtige ist, hängt vom Alter, dem Gesundheitszustand der Katze und deinen Möglichkeiten ab.

Tabletten (Methimazol / Thiamazol)

Die häufigste Therapie. Methimazol (Handelsname z. B. Felimazole) hemmt die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die Tabletten werden ein- bis zweimal täglich gegeben, lebenslang. Die Dosierung wird anfangs alle zwei bis vier Wochen per Blutkontrolle angepasst, bis der T4-Wert im Zielbereich liegt. Danach reichen Kontrollen alle drei bis sechs Monate.

Vorteile: Kostengünstig, keine Narkose nötig, schnell wirksam. Die Therapie ist reversibel, was die Überwachung der Nierenwerte erleichtert.

Nachteile: Lebenslange tägliche Medikamentengabe. Manche Katzen sind schwierig zu tablettieren. Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Erbrechen oder Hautjucken treten bei einem Teil der Katzen auf, sind aber meist vorübergehend. In seltenen Fällen kommt es zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen. Es gibt Methimazol auch als Gel, das auf die Ohrinnenseite aufgetragen wird, falls die Tablettengabe unmöglich ist.

Radiojodtherapie

Gilt als Goldstandard, wenn die Katze ansonsten gesund ist. Eine einmalige Injektion mit radioaktivem Jod (I-131) zerstört gezielt das überaktive Schilddrüsengewebe, ohne gesundes Gewebe zu schädigen. Die Heilungsrate liegt bei über 95 % nach einer einzigen Behandlung.

Der Haken: Die Katze muss nach der Behandlung für ein bis drei Wochen in einer spezialisierten Klinik in Quarantäne bleiben, weil sie radioaktive Strahlung abgibt. Das ist für die Katze und den Halter belastend, und die Behandlung kostet je nach Klinik zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Dafür ist die Katze danach in den allermeisten Fällen dauerhaft geheilt und braucht keine Medikamente mehr.

Operation (Thyreoidektomie)

Die chirurgische Entfernung der betroffenen Schilddrüse ist eine weitere Option mit guten Heilungsraten. Der Eingriff erfordert eine Vollnarkose, was bei älteren Katzen mit möglichen Herzproblemen ein Risiko darstellt. Wenn beide Schilddrüsenlappen betroffen sind, ist die OP technisch anspruchsvoller, weil die Nebenschilddrüsen geschont werden müssen. Eine Beschädigung der Nebenschilddrüsen kann zu einem gefährlichen Kalziumabfall führen.

Die OP wird meistens dann gewählt, wenn Tabletten nicht vertragen werden und eine Radiojodtherapie nicht verfügbar oder nicht finanzierbar ist.

Diätfutter (jodreduziert)

Hill's Prescription Diet y/d ist ein spezielles Futter mit extrem niedrigem Jodgehalt. Ohne ausreichend Jod kann die Schilddrüse keine überschüssigen Hormone produzieren. Klingt einfach, hat aber strenge Voraussetzungen: Die Katze darf ausschließlich dieses Futter fressen. Kein anderes Futter, keine Leckerlis, kein Zugang zu Futter anderer Katzen oder Jagdbeute. In einem Mehrkatzenhaushalt oder bei Freigängern ist das kaum umsetzbar.

Wenn die Bedingungen stimmen, kann y/d den T4-Wert kontrollieren. Es ist eine Option für Katzen, die weder Medikamente noch eine OP oder Radiojodtherapie bekommen können. Als alleinige Therapie wird es aber von vielen Tierärzten kritisch gesehen, weil die Einhaltung schwer zu garantieren ist.

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion

Neben der spezifischen Therapie spielt die allgemeine Ernährung eine Rolle. Hyperthyreote Katzen haben einen erhöhten Energiebedarf und verlieren Muskelmasse. Ein hochwertiges, proteinreiches Nassfutter hilft, den Gewichtsverlust zu bremsen. Viele Katzen nehmen nach Therapiebeginn wieder zu, wenn die Schilddrüsenwerte normalisiert sind.

Wenn du dich nicht für die Joddiät (y/d) entscheidest, gibt es beim Futter keine strikten Einschränkungen. Achte auf eine gute Fleischqualität und ausreichend Kalorien. Futterumstellungen sollten langsam erfolgen, besonders bei Katzen mit empfindlichem Magen.

Sprich mit deinem Tierarzt über die Futterwahl, besonders wenn neben der Schilddrüse auch die Nieren betroffen sind. Nierendiät und Schilddrüsendiät können unterschiedliche Anforderungen haben, die abgewogen werden müssen.

Prognose und Lebensqualität

Die Prognose bei einer frühzeitig erkannten Schilddrüsenüberfunktion ist gut. Viele Katzen leben nach der Diagnose noch mehrere Jahre mit guter Lebensqualität. Die Radiojodtherapie bietet in den meisten Fällen eine dauerhafte Heilung. Unter Tablettentherapie bleiben die Werte bei regelmäßiger Kontrolle ebenfalls stabil.

Entscheidend ist die konsequente Therapie. Eine unbehandelte Hyperthyreose schädigt langfristig das Herz, die Nieren und andere Organe. Je länger die Katze unbehandelt bleibt, desto größer das Risiko für irreversible Schäden.

Regelmäßige Tierarztbesuche (alle drei bis sechs Monate) mit Blutbild und Blutdruckkontrolle gehören dazu. Nach Therapiebeginn solltest du auf die Nierenwerte achten, da eine bisher maskierte Nierenerkrankung sichtbar werden kann.

FAQ

Ab welchem Alter sollte ich die Schilddrüse meiner Katze testen lassen?

Ab einem Alter von 8 Jahren empfiehlt es sich, den T4-Wert im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung mitzubestimmen. Das ist ein einfacher Bluttest, der wenig kostet und eine Hyperthyreose frühzeitig aufdeckt, bevor schwere Symptome auftreten. Viele Tierärzte bieten Seniorenprofile an, die neben der Schilddrüse auch die Nieren- und Leberwerte umfassen.

Wie hoch sind die Kosten für die Behandlung?

Tabletten (Methimazol) kosten monatlich etwa 20 bis 40 Euro plus regelmäßige Blutkontrollen (30 bis 80 Euro pro Termin). Die Radiojodtherapie liegt als Einmalbehandlung bei 1.000 bis 2.000 Euro inklusive Quarantäne. Eine OP kostet je nach Klinik 500 bis 1.200 Euro. Die Joddiät (y/d) schlägt mit 60 bis 90 Euro pro Monat zu Buche. Langfristig ist die Radiojodtherapie oft die günstigste Option, weil danach keine laufenden Medikamentenkosten anfallen.

Kann eine Schilddrüsenüberfunktion geheilt werden?

Ja, durch die Radiojodtherapie oder eine OP kann die Hyperthyreose dauerhaft geheilt werden. Die Heilungsrate bei der Radiojodtherapie liegt über 95 %. Tabletten heilen die Erkrankung nicht, sondern kontrollieren sie. Sobald die Tabletten abgesetzt werden, steigt der T4-Wert wieder an. Die Tablettentherapie ist also eine Dauertherapie.

Meine Katze hat eine Schilddrüsenüberfunktion und Nierenprobleme. Was tun?

Das kommt bei älteren Katzen häufig vor und erfordert eine sorgfältige Abwägung. Eine Hyperthyreose kann Nierenprobleme verschleiern, weil der erhöhte Stoffwechsel die Nieren stärker durchblutet und die Werte besser erscheinen lässt. Dein Tierarzt wird die Schilddrüsentherapie vorsichtig beginnen (niedrige Dosis Methimazol) und nach zwei bis vier Wochen die Nierenwerte kontrollieren. So lässt sich beurteilen, wie stark die Nieren tatsächlich betroffen sind, und die Therapie entsprechend anpassen.

Nächster Schritt

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