Katzen sind Fleischfresser. Ihr Verdauungssystem ist kurz, ihr Stoffwechsel auf tierisches Protein ausgelegt. Getreide wie Weizen oder Mais kann eine Katze kaum verwerten. Trotzdem steckt es in vielen handelsüblichen Futtersorten als billiger Füllstoff.
Ich beschäftige mich seit Jahren mit Katzenfutter-Deklarationen und habe bei meinen eigenen Katzen erlebt, wie sich die Umstellung auf getreidefreies Futter auf Verdauung und Fellqualität auswirkt. In diesem Ratgeber erkläre ich, warum Getreide für Katzen problematisch ist, welche Marken wirklich getreidefrei sind und wo versteckte Fallstricke lauern.
Auf einen Blick
- Katzen fehlen die Enzyme, um Getreidestärke effizient zu verdauen
- Weizen und Mais sind besonders problematisch, Reis wird etwas besser vertragen
- Getreide dient im Futter als günstiger Füllstoff, nicht als Nährstoffquelle für die Katze
- Die meisten hochwertigen Nassfutter-Marken sind bereits getreidefrei
- Bei Trockenfutter wird Getreide oft durch Kartoffel oder Erbse ersetzt, was nicht automatisch besser ist
- Empfehlenswerte getreidefreie Marken: Anifit, MjAMjAM, Catz Finefood, Leonardo, MAC's
Warum getreidefreies Katzenfutter?
Der Darm einer Katze misst nur 1-2 Meter. Zum Vergleich: Ein Hund hat 2-7 Meter, ein Mensch etwa 6-8 Meter. Der kurze Verdauungstrakt ist auf schnell verdauliches tierisches Protein optimiert. Pflanzliche Kohlenhydrate wie Getreidestärke brauchen länger und werden nur teilweise aufgespalten.
Katzen fehlt das Enzym Glucokinase, das bei Hunden und Menschen den Kohlenhydrat-Stoffwechsel reguliert. Ihre Leber ist dauerhaft auf die Verarbeitung von Protein eingestellt, nicht auf Stärke. Wenn eine Katze große Mengen Getreide frisst, steigt der Blutzucker schneller und stärker an als bei einem Tier, dessen Stoffwechsel dafür ausgelegt ist.
Was das praktisch bedeutet: Getreide liefert der Katze kaum verwertbare Energie, belastet aber die Verdauung. Typische Symptome bei getreidehaltiger Ernährung sind weicher Stuhl, Blähungen und bei empfindlichen Katzen auch Hautprobleme oder stumpfes Fell.
Milo, mein 10-jähriger Kater, hatte jahrelang wiederkehrende Durchfall-Episoden. Erst als ich konsequent auf getreidefreies Futter mit hohem Fleischanteil umgestellt habe, wurde sein Stuhl dauerhaft fest. Das allein ist natürlich kein wissenschaftlicher Beweis, aber die Erfahrung deckt sich mit dem, was Tierärzte und Ernährungsberater bei vielen Katzen beobachten.
Welche Getreidesorten sind problematisch?
Nicht alle Getreidesorten belasten Katzen gleich stark. Die Unterschiede sind relevant, weil manche Marken mit "wenig Getreide" werben, aber die problematischsten Sorten verwenden.
Weizen ist die schwierigste Getreidesorte für Katzen. Er enthält viel Gluten und wird am schlechtesten vertragen. Weizenmehl und Weizenkleber tauchen in vielen Supermarkt-Futtersorten als Bindemittel auf. Manche Katzen reagieren darauf mit Erbrechen oder Juckreiz.
Mais (oft als "Maismehl", "Maisgrieß" oder "Maisstärke" deklariert) ist der häufigste Getreide-Füllstoff in günstigem Katzenfutter. Er liefert billige Kalorien, aber kaum Nährstoffe, die eine Katze braucht. Ein Trick der Hersteller: Mais wird in mehrere Bestandteile aufgeteilt (Maismehl, Maisgrieß, Maisstärke), damit jede Einzelposition weiter hinten in der Zutatenliste steht. Addiert man sie, wäre Mais oft die Hauptzutat.
Gerste und Hafer liegen im Mittelfeld. Sie enthalten weniger Gluten als Weizen und werden etwas besser vertragen. In geringen Mengen (unter 5%) sind sie für die meisten Katzen unproblematisch, aber nötig sind sie nicht.
Reis ist die am besten verträgliche Getreidesorte für Katzen. Er ist glutenfrei und leicht verdaulich. Viele Tierärzte empfehlen Reis sogar als Schonkost bei Durchfall. Kleine Mengen Reis (2-5%) in einem Futter mit hohem Fleischanteil sind kein Grund zur Sorge. Trotzdem gilt: nötig ist auch Reis nicht. Eine Katze, die 95% Fleisch frisst, braucht keinen Reis als Ergänzung.
Getreidefreies Nassfutter: Unsere Empfehlungen
Die gute Nachricht: Die meisten hochwertigen Nassfutter-Marken sind bereits getreidefrei. Getreide findest du vor allem im Supermarkt-Segment (Whiskas, Felix, Kitekat) und bei einigen Mittelklasse-Marken.
| Marke | Fleischanteil | Getreidefrei | Deklaration | Preis/kg ca. | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Anifit | 93-99% | Ja | Offen | 17-20 EUR | 9,5/10 |
| MjAMjAM | 93-96% | Ja | Offen | 8-12 EUR | 9/10 |
| Thrive | ca. 90% | Ja | Offen | 18-25 EUR | 8,5/10 |
| Applaws | ca. 80%* | Ja | Offen | 18-25 EUR | 8/10 |
| Catz Finefood | 65-70% | Ja | Offen | 8-11 EUR | 8/10 |
| Leonardo | 70-90% | Ja | Offen | 7-10 EUR | 8/10 |
| MAC's | 70-80% | Ja | Offen | 6-9 EUR | 7,5/10 |
| GranataPet | ca. 70% | Ja | Halboffen | 7-10 EUR | 7,5/10 |
| Wildes Land | 64-70% | Ja | Offen | 7-10 EUR | 7/10 |
*Applaws ist als Ergänzungsfutter deklariert und nicht als alleinige Futterquelle geeignet.
MjAMjAM bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter den getreidefreien Marken. 93-96% Fleisch für 8-12 EUR/kg, komplett offene Deklaration und im Handel erhältlich. Wer das Budget hat, greift zu Anifit mit 99% Fleischanteil. Für den Einstieg ist MAC's mit 6-9 EUR/kg eine solide Wahl.
Einen detaillierten Vergleich aller Fleischanteile findest du im Artikel Katzenfutter mit hohem Fleischanteil.
Worauf bei der Zutatenliste achten?
"Getreidefrei" auf der Verpackung reicht nicht. Es gibt ein paar Stellen, an denen du genauer hinschauen solltest.
Verstecktes Getreide: Manche Hersteller verwenden Begriffe wie "pflanzliche Nebenerzeugnisse" oder "pflanzliche Eiweißextrakte". Dahinter können sich Getreideprodukte verbergen, ohne dass sie explizit als Getreide deklariert werden. Nur eine offene Deklaration mit Einzelzutaten und Prozentangaben gibt dir Sicherheit.
Zutatenliste lesen, nicht die Werbung: "Natürlich", "artgerecht" und "premium" sind keine geschützten Begriffe. Ein Futter kann sich "premium" nennen und trotzdem 30% Getreide enthalten. Die Zutatenliste auf der Rückseite ist das einzige, was zählt.
Reihenfolge beachten: Zutaten werden in absteigender Reihenfolge ihres Anteils aufgelistet. Wenn Reis oder eine andere Getreidesorte unter den ersten drei Zutaten steht, macht sie einen erheblichen Anteil des Futters aus.
Stärke-Alternativen prüfen: Getreidefreies Futter ersetzt das Getreide manchmal durch Kartoffelstärke, Tapioka oder Erbsenmehl. In kleinen Mengen (unter 5%) ist das akzeptabel, es dient als Bindemittel für die Konsistenz. Problematisch wird es, wenn diese Ersatzstoffe in großen Mengen verwendet werden, denn dann ist die Katze nicht besser dran als mit Getreide.
Den Zusammenhang zwischen Deklarationstypen und Futterqualität erkläre ich ausführlich im Katzenfutter Test 2026.
Getreidefreies Trockenfutter: Kein Automatismus
Getreidefreies Trockenfutter klingt nach einer guten Sache. In der Praxis ist die Situation komplizierter.
Trockenfutter braucht eine Stärkequelle, um die Kroketten zu formen. Bei herkömmlichem Trockenfutter ist das Weizen- oder Maismehl. Getreidefreies Trockenfutter ersetzt das durch Kartoffel, Süßkartoffel, Erbsen oder Linsen. Der Kohlenhydratanteil bleibt oft ähnlich hoch, nur die Quelle ändert sich.
Das bedeutet: Ein getreidefreies Trockenfutter mit 40% Kartoffelstärke ist für eine Katze nicht wesentlich besser als eines mit 40% Maismehl. Beides liefert Kohlenhydrate, die eine Katze kaum braucht. Der Fleischanteil bei Trockenfutter liegt selbst bei Premium-Marken selten über 35-40% (auf die Trockenmasse gerechnet).
Meine Empfehlung bleibt: Nassfutter als Hauptfutter, Trockenfutter höchstens als gelegentliche Ergänzung. Katzen decken ihren Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung. Trockenfutter mit nur 8-10% Feuchtigkeit erhöht langfristig das Risiko für Nieren- und Harnwegsprobleme. Mehr dazu im Artikel Nassfutter vs. Trockenfutter.
Häufige Fragen
Ist getreidefreies Katzenfutter besser?
Für die meisten Katzen ja. Katzen können Getreidestärke nur eingeschränkt verdauen und ziehen keinen nennenswerten Nährstoff-Nutzen daraus. Getreide dient im Futter als kostengünstiger Füllstoff. Hochwertiges Nassfutter ohne Getreide und mit hohem Fleischanteil (70%+) entspricht deutlich besser dem natürlichen Nährstoffbedarf einer Katze.
Können Katzen eine Getreideallergie haben?
Ja, aber echte Getreideallergien sind seltener als oft angenommen. Häufiger sind Unverträglichkeiten, die sich durch Verdauungsprobleme äußern statt durch klassische allergische Reaktionen. Die häufigsten Futtermittelallergene bei Katzen sind Rind, Milchprodukte und Fisch. Weizen kommt erst danach. Wenn du eine Allergie vermutest, hilft eine Ausschlussdiät unter tierärztlicher Begleitung.
Ist Reis im Katzenfutter okay?
In kleinen Mengen (2-5%) ist Reis unbedenklich. Er ist glutenfrei, leicht verdaulich und wird von den meisten Katzen gut vertragen. Reis wird sogar als Schonkost bei Durchfall empfohlen. Problematisch wird es erst, wenn Reis einen großen Anteil des Futters ausmacht und damit den Fleischanteil verdrängt.
Was kostet getreidefreies Katzenfutter im Monat?
Für eine durchschnittliche Katze (4 kg, ca. 200-250 g Nassfutter pro Tag) liegen die Kosten bei getreidefreiem Premium-Nassfutter zwischen 40 und 90 EUR im Monat. MAC's und Animonda Carny starten bei ca. 40-60 EUR, MjAMjAM und Catz Finefood bei 60-80 EUR, Anifit bei 105-150 EUR. Im Vergleich zu Supermarkt-Futter (30-50 EUR) ist der Aufpreis überschaubar.
Woran erkenne ich getreidefreies Katzenfutter?
Lies die Zutatenliste auf der Rückseite der Verpackung. Begriffe wie Weizen, Weizenmehl, Mais, Maismehl, Maisgrieß, Gerste, Hafer oder "Getreide" weisen auf Getreide hin. Bei geschlossener Deklaration ("pflanzliche Nebenerzeugnisse") ist nicht erkennbar, ob Getreide enthalten ist. Wähle Marken mit offener Deklaration, bei denen jede Zutat einzeln mit Prozentangabe aufgeführt ist. Im Zweifel hilft ein Blick in unseren Katzenfutter Test, in dem wir die Deklarationen aller getesteten Marken aufschlüsseln.



