Stiftung Warentest ist die bekannteste und vertrauenswürdigste Verbraucherorganisation in Deutschland. Wenn dort ein Katzenfutter mit "gut" oder "sehr gut" bewertet wird, greifen viele Katzenhalter bedenkenlos zu. Die Ergebnisse überraschen allerdings regelmäßig: Günstiges Futter vom Discounter schneidet oft besser ab als teure Premium-Marken.
Das liegt nicht an der Qualität der Tests. Es liegt an der Fragestellung. Stiftung Warentest beantwortet eine andere Frage als wir. Wer versteht, welche Frage das ist, kann die Ergebnisse richtig einordnen.
Was Stiftung Warentest bei Katzenfutter prüft
Die Tests der Stiftung Warentest orientieren sich an den Vorgaben der Fediaf (European Pet Food Industry Federation) und den NRC-Richtlinien (National Research Council). Geprüft wird vor allem:
Nährstoffprofil: Enthält das Futter alle Nährstoffe, die eine Katze laut wissenschaftlichen Empfehlungen braucht? Protein, Fett, Taurin, Vitamine, Mineralstoffe in den richtigen Mengen und Verhältnissen.
Schadstoffe: Werden Grenzwerte für Blei, Cadmium, Quecksilber und andere Schadstoffe eingehalten? Die Schadstoffanalyse ist ein echter Mehrwert der Stiftung Warentest, weil sie auf Laboruntersuchungen basiert, die für unabhängige Tester nicht finanzierbar sind.
Verpackung und Kennzeichnung: Stimmen die Angaben auf der Verpackung mit dem Inhalt überein? Ist die Fütterungsempfehlung korrekt? Lässt sich die Dose gut öffnen und wieder verschließen?
Deklarationskonformität: Weicht der tatsächliche Nährstoffgehalt von den deklarierten analytischen Bestandteilen ab?
Im Kern prüft Stiftung Warentest also, ob ein Futter die Mindestanforderungen an die Nährstoffversorgung einer Katze erfüllt. Und ob die Angaben auf der Verpackung stimmen.
Warum günstige Marken bei Stiftung Warentest gut abschneiden
Hier liegt der Punkt, den viele übersehen: Ein Futter kann 4% Fleisch enthalten und trotzdem alle Nährstoffanforderungen erfüllen. Der Hersteller muss lediglich die fehlenden Nährstoffe synthetisch zusetzen. Ein Futter mit 4% "Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen", ergänzt um Vitamine, Taurin und Mineralstoffe, erreicht das gleiche Nährstoffprofil wie ein Futter mit 95% Muskelfleisch.
Aus Sicht der Stiftung Warentest ist beides gleichwertig, weil die messbare Nährstoffzusammensetzung stimmt.
Felix, Whiskas und Gourmet kosten 3 bis 5 EUR pro Kilo. Die Hersteller (Mars und Purina) formulieren ihre Rezepturen exakt so, dass alle Laborwerte den Anforderungen entsprechen. Das können sie zuverlässig, weil sie mit standardisierten Zutaten und präziser Supplementierung arbeiten. Es wäre geschäftlich fahrlässig, wenn ein Futter für Millionen Kunden die Grundversorgung nicht sicherstellen würde.
Ein Premium-Futter mit 90% Fleisch erfüllt diese Anforderungen ebenfalls. Aber es bekommt bei Stiftung Warentest dadurch keine bessere Note, weil das Nährstoffprofil eben nicht besser ist. Es ist gleich.
Was Stiftung Warentest nicht bewertet
Die folgenden Aspekte fließen in die Bewertung der Stiftung Warentest nicht ein:
Qualität der Proteinquelle. Ob das Protein aus Muskelfleisch, Schlachtabfällen, Federn oder pflanzlichen Quellen stammt, spielt für die Bewertung keine Rolle, solange der Gesamtproteingehalt stimmt. Ein Rohproteinwert von 10% kann aus hochwertigem Hühnerfleisch stammen oder aus hydrolysiertem Federmehl. Laborchemisch lässt sich der Rohproteingehalt in beiden Fällen messen. Die biologische Verwertbarkeit für die Katze unterscheidet sich allerdings erheblich.
Fleischanteil. Stiftung Warentest unterscheidet nicht zwischen einem Futter mit 4% und einem mit 90% Fleisch, solange das Nährstoffprofil passt. Die Angabe "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" wird als ausreichende Deklaration akzeptiert.
Transparenz der Deklaration. Offene Deklaration (jede Zutat einzeln mit Prozentangabe) und geschlossene Deklaration ("Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse") werden gleich behandelt. Aus Verbraucherschutz-Perspektive ein erstaunlicher blinder Fleck: Der Kunde erfährt bei geschlossener Deklaration nicht, was er kauft.
Bioverfügbarkeit. Ob ein Nährstoff für die Katze tatsächlich verwertbar ist, wird nicht geprüft. Synthetisches Taurin und Taurin aus Fleisch haben die gleiche chemische Struktur. Aber bei anderen Nährstoffen, etwa bei Mineralstoffen, kann die Aufnahme je nach Bindungsform variieren. Organisch gebundenes Zink wird besser resorbiert als anorganisches Zinkoxid.
Langzeitwirkung. Ein Futter wird in der Laborsituation analysiert. Wie sich die Fütterung über Monate und Jahre auf die Gesundheit der Katze auswirkt (Fellqualität, Verdauung, Nierenbelastung), kann ein Labortest nicht abbilden.
Unsere Methodik im Vergleich
Die Testkriterien auf katzii.de setzen andere Schwerpunkte. Wir bewerten fünf Kriterien mit gleicher Gewichtung:
- Fleischanteil: Wie hoch ist der Anteil an Muskelfleisch und hochwertigen tierischen Zutaten? Nebenerzeugnisse werden abgewertet, unklare Sammelbezeichnungen führen zu Punktabzug.
- Deklaration: Offene Deklaration mit Prozentangaben gibt die volle Punktzahl. Geschlossene Deklaration ist ein Ausschlusskriterium für gute Bewertungen.
- Zusammensetzung: Kein Zucker, kein Getreide, keine künstlichen Zusatzstoffe. Taurin und Mineralstoffe als notwendige Ergänzung.
- Akzeptanz: Praxistest mit zwei Katzen über mindestens drei Wochen pro Marke. Wie der Testprozess genau abläuft, beschreibe ich unter So testen wir.
- Preis-Leistung: Was bekommt man für sein Geld?
Das Ergebnis: Unsere Katzenfutter-Bestenliste unterscheidet sich erheblich von den Stiftung-Warentest-Ergebnissen. Marken wie Anifit (4,6/5) und MjAMjAM (4,5/5), die bei uns zu den Topsiegern gehören, werden bei Stiftung Warentest gar nicht getestet (zu kleine Marke, kein Massenmarkt). Marken wie Felix und Whiskas, die bei Stiftung Warentest "gut" abschneiden, landen bei uns bei 2,0 von 5.
Beides ist kein Widerspruch. Es sind verschiedene Bewertungsmaßstäbe.
Wo die Ergebnisse übereinstimmen
Trotz unterschiedlicher Methodik gibt es Überschneidungen. Beide Tests kommen zu dem Schluss, dass ein hoher Preis allein keine Garantie für gutes Futter ist. Royal Canin und Purina Pro Plan kosten 10 bis 18 EUR pro Kilo und liefern wenig Transparenz bei der Deklaration. Das kritisiert Stiftung Warentest (wenn auch zurückhaltender), und das kritisieren wir.
Beide Tests bestätigen: Die allermeisten handelsüblichen Katzenfutter decken den Grundbedarf an Nährstoffen. Katzen verhungern auch mit günstigem Futter nicht und entwickeln keine akuten Mangelerscheinungen. Die Frage ist, ob "kein Mangel" der richtige Maßstab für gute Ernährung ist.
Stiftung Warentest richtig einordnen
Die Tests der Stiftung Warentest sind seriös und methodisch sauber. Die Laboranalysen liefern belastbare Daten zu Nährstoffen und Schadstoffen. Kein unabhängiger Katzenfutter-Tester kann diese Art von Analyse leisten, weil die Laborkosten pro Produkt bei mehreren hundert Euro liegen.
Wer sich Sorgen um Schadstoffe macht, findet bei Stiftung Warentest die besten verfügbaren Daten. Wer wissen will, ob ein Futter die Mindestanforderungen an die Nährstoffversorgung erfüllt, ebenfalls.
Wer aber wissen will, wie viel Fleisch tatsächlich in der Dose ist, wie transparent ein Hersteller deklariert und wie Katzen das Futter in der Praxis annehmen: Dafür braucht es eine andere Art von Test. Genau das machen wir.
FAQ
Warum bekommt billiges Katzenfutter bei Stiftung Warentest eine gute Note?
Weil die Bewertung auf dem Nährstoffprofil basiert. Solange ein Futter alle Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren in der richtigen Menge enthält, besteht es den Test. Die Hersteller von Discounter-Futter supplementieren gezielt, um diese Werte zu erreichen, unabhängig vom tatsächlichen Fleischanteil.
Ist Katzenfutter von Stiftung Warentest mit "gut" wirklich gut?
Es ist gut im Sinne der Testkriterien: nährstofftechnisch vollständig, keine Schadstoffprobleme, korrekte Deklaration. Ob die Zutatenqualität den eigenen Ansprüchen genügt, muss jeder Katzenhalter selbst entscheiden. Ein Futter mit 4% Fleisch und synthetischer Nährstoffergänzung kann die Note "gut" erhalten.
Taucht Premium-Katzenfutter bei Stiftung Warentest auf?
Selten. Stiftung Warentest testet vor allem Marken mit hoher Marktverbreitung. Premium-Marken wie Anifit, MjAMjAM oder Catz Finefood, die primär online oder über Fachhandel verkauft werden, sind in der Regel nicht im Testfeld vertreten.
Sollte ich mich nach Stiftung Warentest oder nach euren Tests richten?
Beides hat seinen Nutzen. Stiftung Warentest liefert Labordaten zu Schadstoffen und Nährstoffprofilen, die sonst niemand erhebt. Unsere Tests bewerten Zutatenqualität, Transparenz und Praxistauglichkeit. Am besten nutzt du beide Quellen und bildest dir auf dieser Basis ein eigenes Urteil.
