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Katze kastrieren: Ablauf, Kosten und Vorteile

Die Kastration gehört zu den häufigsten Operationen bei Katzen. Wann der richtige Zeitpunkt ist, was sie kostet und wie die Nachsorge aussieht.

Katze nach Kastration mit Halskrause

Die Kastration ist der häufigste chirurgische Eingriff in der Kleintierpraxis. Rund 80 Prozent aller Hauskatzen in Deutschland werden im Laufe ihres Lebens kastriert. Der Eingriff verhindert unkontrollierten Nachwuchs, reduziert hormonbedingtes Verhalten und senkt das Risiko für bestimmte Tumorerkrankungen. Für Freigänger ist die Kastration in vielen deutschen Städten sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Kastration und Sterilisation: zwei verschiedene Eingriffe

Im Alltag werden die Begriffe oft gleichgesetzt, aber medizinisch ist der Unterschied relevant. Bei der Kastration werden die Keimdrüsen entfernt: beim Kater die Hoden, bei der Katze die Eierstöcke (häufig zusammen mit der Gebärmutter). Dadurch stoppt die Produktion der Sexualhormone. Rolligkeit, Markierverhalten und der Drang, sich zu paaren, fallen weg.

Bei einer Sterilisation werden lediglich die Samen- oder Eileiter durchtrennt. Das Tier kann sich zwar nicht mehr fortpflanzen, bleibt aber hormonell aktiv. Kater markieren weiter, Katzen werden weiterhin rollig. Weil das die eigentlichen Probleme nicht löst, führen Tierärzte heute praktisch keine Sterilisationen mehr durch. Wenn von "kastrieren" die Rede ist, meinen Halter und Tierärzte fast immer die Kastration.

Der richtige Zeitpunkt

Die meisten Tierärzte empfehlen die Kastration im Alter von fünf bis sechs Monaten. In diesem Fenster sind Katzen körperlich weit genug entwickelt, um die Narkose gut zu vertragen, aber noch nicht geschlechtsreif. Die erste Rolligkeit setzt bei weiblichen Katzen typischerweise zwischen dem fünften und neunten Monat ein. Kater beginnen ab etwa sechs Monaten zu markieren.

Wer vor der ersten Rolligkeit kastrieren lässt, senkt das Risiko für Mammatumore um über 90 Prozent. Dieser Vorteil nimmt mit jeder durchlaufenen Rolligkeit ab. Auch für Kater gibt es gute Gründe, nicht zu lange zu warten: Hat sich das Markierverhalten erst einmal eingeprägt, bleibt es nach der Kastration manchmal bestehen.

Frühkastrationen ab der achten Lebenswoche werden in den USA und in Tierheimen praktiziert. In Deutschland raten die meisten Tierärzte davon ab und bevorzugen das Alter ab fünf Monaten. Spätkastrationen bei älteren Katzen sind grundsätzlich möglich, erfordern aber eine gründlichere Voruntersuchung inklusive Blutbild, weil das Narkoserisiko mit dem Alter steigt.

Ablauf beim Kater

Der Eingriff beim Kater ist vergleichsweise unkompliziert. Vor der OP muss das Tier mindestens 12 Stunden nüchtern sein. In der Praxis bekommt der Kater eine Injektionsnarkose, seltener eine Inhalationsnarkose.

Der Tierarzt setzt zwei kleine Schnitte am Hodensack, legt die Hoden frei und entfernt sie mitsamt Nebenhoden und einem Teil des Samenstrangs. Die Schnitte sind so klein, dass sie oft nicht einmal genäht werden, sondern offen verheilen. Der gesamte Eingriff dauert 10 bis 20 Minuten. Die meisten Kater können noch am selben Tag nach Hause.

Ablauf bei der Katze

Die Kastration der Katze ist aufwändiger, weil die Eierstöcke in der Bauchhöhle liegen. Auch hier gilt: 12 Stunden nüchtern vor der OP. Die Narkose erfolgt in der Regel als Injektionsnarkose mit anschließender Intubation.

Der Tierarzt setzt einen zwei bis drei Zentimeter langen Schnitt in die Bauchdecke, entnimmt die Eierstöcke und in vielen Fällen auch die Gebärmutter (Ovariohysterektomie). Die Bauchdecke wird in mehreren Schichten vernäht. Die Operation dauert 30 bis 45 Minuten. Weibliche Katzen bleiben meist einige Stunden zur Beobachtung in der Praxis, bevor sie abgeholt werden.

Kosten nach GOT 2022

Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) wurde im November 2022 umfassend überarbeitet. Die Grundgebühren sind seitdem gestiegen.

LeistungKaterKatze
Kastration (OP)80 - 150 €150 - 300 €
Voruntersuchung20 - 40 €20 - 40 €
Narkoseim OP-Preis enthaltenim OP-Preis enthalten
Nachkontrolle0 - 30 €0 - 30 €
Gesamtkosten100 - 220 €170 - 370 €

Ob der ein-, zwei- oder dreifache GOT-Satz berechnet wird, entscheidet die jeweilige Praxis. In Großstädten liegen die Preise tendenziell am oberen Ende. Tierärztliche Notdienste und Tierkliniken berechnen grundsätzlich den zwei- bis vierfachen Satz. Ein Kostenvoranschlag vor der OP ist üblich und sollte immer eingeholt werden.

Tierschutzvereine bieten manchmal vergünstigte Kastrationsaktionen an. Wer finanzielle Unterstützung braucht, kann sich an den örtlichen Tierschutzverein oder die Tierärztekammer wenden.

Nachsorge und Erholung

Die ersten zwei bis drei Tage nach dem Eingriff braucht die Katze Ruhe. Ein warmer Liegeplatz in Bodennähe ist ideal, damit sie nicht springen muss.

Kater erholen sich schnell. Die kleinen Wunden am Hodensack sollten täglich kontrolliert werden. Rötungen, starke Schwellungen oder eitriger Ausfluss sind Gründe für einen sofortigen Tierarztbesuch. Nach fünf bis sieben Tagen ist die Wundheilung in der Regel abgeschlossen.

Katzen tragen nach der OP einen Body oder eine Halskrause, damit sie nicht an der Bauchnaht lecken. Die Fäden werden nach 10 bis 14 Tagen gezogen, sofern kein selbstauflösendes Material verwendet wurde. In dieser Zeit sollte die Katze keinen Freigang bekommen und sich nicht übermäßig bewegen.

In den ersten 24 Stunden nach der Narkose kann Übelkeit auftreten. Kleine Portionen leicht verdauliches Nassfutter sind besser geeignet als Trockenfutter. Wasser sollte immer bereitstehen.

Verhaltensänderungen

Die Kastration beeinflusst vor allem hormongesteuertes Verhalten. Bei Katern verschwindet in der Regel das Urinmarkieren, sofern es sich noch nicht als feste Gewohnheit etabliert hat. Der typisch beißende Geruch von Katerurin lässt nach. Revieraggressionen gegenüber anderen Katzen nehmen ab, und viele Kater werden insgesamt ruhiger und anhänglicher.

Bei weiblichen Katzen fällt die Rolligkeit komplett weg. Kein nächtliches Schreien, kein rastloses Umherlaufen, keine Ausbruchsversuche. Für Wohnungskatzen bedeutet das eine spürbare Stressreduktion, weil die Rolligkeit ohne Deckung in immer kürzeren Abständen wiederkehrt (Dauerrolligkeit).

Ein kastriertes Tier hat einen um 20 bis 30 Prozent reduzierten Energiebedarf bei gleichzeitig gesteigertem Appetit. Ohne Futteranpassung führt das zu Übergewicht. Die Portionen sollten nach der Kastration um etwa ein Viertel reduziert werden. Regelmäßiges Wiegen (alle zwei Wochen) hilft, Gewichtszunahmen früh zu erkennen.

Gesundheitliche Vorteile

Die Kastration senkt das Risiko für mehrere Erkrankungen erheblich. Bei Katzen sinkt die Wahrscheinlichkeit für Mammatumore um über 90 Prozent, wenn der Eingriff vor der ersten Rolligkeit stattfindet. Gebärmutterentzündungen (Pyometra) und Eierstockzysten werden durch die Entfernung der Organe komplett ausgeschlossen.

Bei Katern fallen Hodentumore weg. Die reduzierten Revierstreitigkeiten führen zu weniger Bissverletzungen und damit zu einem geringeren Infektionsrisiko für FIV (Katzen-AIDS) und FeLV (Feline Leukämie), die über Speichel und Blut übertragen werden. Freigänger-Kater profitieren davon besonders, weil sie nach der Kastration deutlich kleinere Reviere beanspruchen und seltener in Kämpfe geraten.

Kastrationspflicht für Freigänger

In Deutschland gibt es keine bundesweite Kastrationspflicht. Viele Städte und Gemeinden haben aber eigene Verordnungen erlassen, die Halter von Freigänger-Katzen zur Kastration verpflichten. Darunter fallen unter anderem Paderborn, Bonn, Köln, Hildesheim und zahlreiche weitere Kommunen. Die genaue Regelung variiert: Manche Verordnungen betreffen nur unkastrierte Katzen mit unkontrolliertem Freigang, andere gelten generell für alle Freigänger. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden.

Hintergrund dieser Verordnungen ist die wachsende Population verwilderter Hauskatzen. In Deutschland leben schätzungsweise zwei Millionen Streunerkatzen, deren Nachkommen oft unter schlechten Bedingungen aufwachsen und Krankheiten verbreiten. Die Kastrationspflicht soll die unkontrollierte Vermehrung eindämmen.

Wer seine Katze als Freigänger halten möchte, sollte bei der zuständigen Gemeinde nachfragen, ob eine lokale Kastrationspflicht besteht. In den meisten Fällen müssen kastrierte Freigänger zusätzlich per Chip oder Tätowierung gekennzeichnet und registriert sein.

FAQ

Ist die Kastration auch für Wohnungskatzen sinnvoll?

Ja. Auch ohne Freigang erleben unkastrierte Katzen Rolligkeiten, die mit erheblichem Stress verbunden sind. Kater markieren in der Wohnung. Die gesundheitlichen Vorteile (reduziertes Tumorrisiko, keine Gebärmutterentzündungen) gelten unabhängig von der Haltungsform.

Verändert die Kastration den Charakter meiner Katze?

Die Grundpersönlichkeit bleibt erhalten. Was sich ändert, sind hormongesteuerte Verhaltensweisen: Markieren, Revieraggressionen, Rolligkeit. Die meisten Halter beschreiben ihre Katzen nach der Kastration als ausgeglichener. Spieltrieb, Neugier und die Bindung zum Menschen bleiben bestehen.

Gibt es Alternativen zur chirurgischen Kastration?

Für Kater existiert der Suprelorin-Chip (Hormonimplantat), der die Hodenfunktion für 6 bis 12 Monate unterdrückt. Das kann sinnvoll sein, um die Auswirkungen einer Kastration vorab zu testen. Für weibliche Katzen gibt es hormonelle Präparate ("Katzenpille"), die bei Daueranwendung aber das Risiko für Gebärmuttererkrankungen und Tumore steigern. Langfristig bleibt die chirurgische Kastration die sicherste Methode.

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