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Katzenfutter bei Schilddrüsenüberfunktion: Ernährungstipps

Eine Schilddrüsenüberfunktion erfordert angepasstes Futter. Welche Ernährung sich eignet, ob jodreduziertes Futter hilft und worauf du achten solltest.

Ältere Katze mit speziellem Futter

Hyperthyreose ist die häufigste hormonelle Erkrankung bei Katzen über 10 Jahren. Die Schilddrüse produziert zu viele Hormone, der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Die Katze frisst wie verrückt, nimmt aber trotzdem ab. Dazu kommen Unruhe, struppiges Fell und oft ein spürbar schneller Herzschlag. Was viele Katzenbesitzer nach der Diagnose als Erstes fragen: Muss ich jetzt spezielles Futter kaufen?

Die Antwort hängt davon ab, wie die Erkrankung behandelt wird. Denn bei Hyperthyreose gibt es zwei grundlegend verschiedene Ernährungsstrategien. Entweder die Ernährung ist selbst die Therapie (jodreduzierte Diät) oder die Erkrankung wird medikamentös behandelt und das Futter muss vor allem den Körper auffangen, der durch die Überfunktion ausgelaugt ist.

Was Hyperthyreose mit der Ernährung macht

Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion hat massive Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt. Der erhöhte Stoffwechsel verbrennt Kalorien in einem Tempo, das über normale Fütterungsmengen kaum auszugleichen ist. Die Katze baut Muskelmasse und Fettreserven ab, obwohl sie gut oder sogar übermäßig frisst.

Drei Dinge passieren gleichzeitig:

  • Erhöhter Energiebedarf. Der Grundumsatz kann um 30 bis 50 Prozent über dem Normalwert liegen. Eine Katze, die vorher 250 kcal am Tag brauchte, braucht plötzlich 350 oder mehr.
  • Proteinabbau. Der Körper greift bei Energiemangel auf Muskelprotein zurück. Die Katze verliert Muskelmasse, besonders an den Hinterbeinen und am Rücken.
  • Verdauungsprobleme. Viele hyperthyreote Katzen haben Durchfall oder breiigen Kot, weil die beschleunigte Darmpassage die Nährstoffaufnahme verschlechtert.

Das erklärt, warum die Ernährung bei Hyperthyreose so wichtig ist. Es reicht nicht, einfach mehr vom gleichen Futter zu geben. Die Zusammensetzung muss stimmen.

Jodreduzierte Diät: Hill's y/d als Alleinbehandlung

Hill's Prescription Diet y/d ist das einzige kommerziell verfügbare Futter, das Hyperthyreose allein über die Ernährung kontrollieren soll. Das Prinzip: Die Schilddrüse braucht Jod, um Hormone zu produzieren. Ohne Jod, keine Überproduktion. Hill's y/d enthält extrem wenig Jod (unter 0,2 mg/kg), sodass die Hormonproduktion quasi gedrosselt wird.

Das klingt elegant, hat aber in der Praxis erhebliche Einschränkungen.

Voraussetzungen

Die Katze darf ausschließlich Hill's y/d fressen. Kein anderes Futter, keine Leckerlis, kein Tischfutter, kein Gras vom Balkon. Schon kleine Mengen Jod aus einer anderen Quelle können die Wirkung aufheben. Für Freigänger ist die Diät damit praktisch ausgeschlossen, weil sich nicht kontrollieren lässt, ob die Katze draußen etwas frisst oder jagt.

Wirksamkeit

Studien zeigen, dass Hill's y/d bei strikter Einhaltung die T4-Werte (Schilddrüsenhormone) innerhalb von 4 bis 8 Wochen normalisieren kann. Allerdings liegen die T4-Werte bei vielen Katzen am oberen Rand des Normalbereichs, nicht so tief wie unter medikamentöser Behandlung. Ob das langfristig gleichwertig ist, bleibt umstritten.

Die Schwächen

Die Zutatenliste von Hill's y/d ist nicht das, was man sich für einen obligaten Fleischfresser wünscht. Maismehl, Reisprotein und pflanzliche Nebenerzeugnisse stehen weit oben. Der Fleischanteil ist gering. Für eine Katze, die ohnehin schon unter Muskelschwund leidet, ist die Proteinqualität fragwürdig. Viele Katzenbesitzer und auch einige Tierärzte sehen die jodreduzierte Diät daher als Kompromisslösung: funktional ja, optimal für die Gesamtgesundheit eher nein.

Meine Einschätzung: Hill's y/d kann eine Option sein, wenn Medikamente nicht vertragen werden oder eine Radiojodtherapie nicht in Frage kommt. Als bevorzugte Erstbehandlung würde ich es nicht empfehlen, weil die Einschränkungen im Alltag groß sind und die Futterqualität für kranke Katzen höher sein sollte.

Medikamentöse Behandlung und normales Futter

Der gängigste Therapieweg bei Hyperthyreose ist Thiamazol (Felimazole) als Tablette oder transdermales Gel. Das Medikament hemmt die Hormonproduktion direkt und wirkt zuverlässig, solange es täglich gegeben wird. Die Alternative ist die Radiojodtherapie, die in vielen Fällen eine dauerhafte Heilung ermöglicht, aber nur in spezialisierten Kliniken durchgeführt wird.

Wenn die Katze medikamentös eingestellt ist oder eine Radiojodtherapie hinter sich hat, gibt es bei der Futterwahl keine besonderen Jod-Beschränkungen. Die Schilddrüse wird ja durch das Medikament oder die Therapie kontrolliert, nicht durch die Ernährung. Stattdessen rückt ein anderes Ziel in den Vordergrund: den Körper wieder aufbauen.

Gewicht und Muskelmasse wiederherstellen

Die meisten Katzen sind zum Zeitpunkt der Diagnose untergewichtig. Manche haben 20 bis 30 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Nach Therapiebeginn normalisiert sich der Stoffwechsel, und die Katze kann wieder zunehmen. Aber das passiert nicht von allein.

Kalorienbedarf in der Aufbauphase

In den ersten Wochen nach Therapiebeginn liegt der Kalorienbedarf häufig noch über dem Normalwert, weil der Körper Reserven wieder auffüllt. Als Faustregel: 10 bis 15 Prozent mehr Kalorien als die normale Erhaltungsration, bis das Zielgewicht erreicht ist. Für eine 4-kg-Katze bedeutet das etwa 280 bis 300 kcal pro Tag statt der üblichen 250 kcal.

Mehrere kleine Mahlzeiten (4 bis 5 am Tag) sind sinnvoller als zwei große, weil der Magen nach längerer Erkrankung oft empfindlich reagiert.

Proteinqualität vor Proteinmenge

Hochwertiges tierisches Protein ist der Schlüssel zum Muskelaufbau. Futter mit hohem Fleischanteil (70 Prozent oder mehr) und klar deklariertem Muskelfleisch liefert die Aminosäuren, die für die Regeneration nötig sind. Pflanzliche Proteine wie Sojaprotein oder Maisgluten sind für Katzen biologisch weniger wertvoll und helfen beim Muskelaufbau kaum.

Fett als Energielieferant

Fett hat die doppelte Energiedichte von Protein oder Kohlenhydraten. Ein Futter mit moderatem bis höherem Fettgehalt (12 bis 18 Prozent in der Feuchtmasse) hilft, die Kalorienzufuhr zu steigern, ohne riesige Futtermengen füttern zu müssen. Gute Fettquellen sind Geflügelfett, Lachsöl oder Schmalz.

Worauf du bei der Futterauswahl achten solltest

Katzen mit behandelter Hyperthyreose brauchen kein spezielles Diätfutter, aber hochwertiges Futter, das den erhöhten Anforderungen gerecht wird. Hier die wichtigsten Kriterien:

  • Hoher Fleischanteil (mindestens 60 bis 70 Prozent), bevorzugt Muskelfleisch
  • Offene Deklaration, bei der du erkennen kannst, welche Zutaten in welchem Anteil enthalten sind
  • Kein Getreide, kein Zucker, keine unnötigen Füllstoffe
  • Nassfutter bevorzugen, weil ältere hyperthyreote Katzen häufig gleichzeitig beginnende Nierenprobleme haben und der Wassergehalt die Nieren entlastet

Empfehlenswerte Marken

MarkeFleischanteilBesonderheitPreis/kg ca.
Anifit93-99%Einzelprotein-Sorten, sehr hohe Fleischqualität17-20 EUR
MjAMjAM93-96%Große Sortenvielfalt, gute Portionsgrößen8-12 EUR
Catz Finefood60-70%Guter Kompromiss aus Qualität und Preis9-13 EUR
MAC's70-80%Solide Qualität, moderate Kosten6-9 EUR
Animonda Carny60-70%Breit verfügbar, günstiger Einstieg5-7 EUR

Diese Marken eignen sich als tägliche Fütterung parallel zur Medikation. Einen ausführlichen Vergleich findest du im Katzenfutter Test. Wenn deine Katze neben der Schilddrüsenüberfunktion auch Nierenprobleme hat, lies den Artikel Diätfutter bei Niereninsuffizienz für die passende Kombination.

Schilddrüse und Nieren: Die versteckte Wechselwirkung

Ein Punkt, den viele Katzenbesitzer nicht kennen: Hyperthyreose maskiert häufig eine bestehende Nierenerkrankung. Der erhöhte Stoffwechsel steigert die Nierendurchblutung und verbessert die Filterfunktion künstlich. Im Blutbild sehen die Nierenwerte dadurch besser aus, als sie tatsächlich sind. Sobald die Schilddrüse behandelt wird und der Stoffwechsel sich normalisiert, steigen die Nierenwerte oft sprunghaft an.

Deshalb empfehlen Tierärzte, zwei bis vier Wochen nach Therapiebeginn eine Nierenkontrolle (Kreatinin, SDMA, Phosphor) durchzuführen. Falls sich eine Niereninsuffizienz zeigt, muss die Ernährung erneut angepasst werden: phosphorreduziert, aber trotzdem proteinreich genug, um die geschädigte Muskulatur nicht weiter abzubauen. Das ist ein Balanceakt, der am besten mit dem Tierarzt abgestimmt wird.

Häufige Fragen

Darf meine Katze mit Schilddrüsenüberfunktion normale Leckerlis bekommen?

Wenn sie medikamentös behandelt wird: ja, in Maßen. Die Leckerlis sollten zum restlichen Futter passen, also ohne Zucker und mit hohem Fleischanteil. Wenn sie ausschließlich Hill's y/d bekommt: nein, keine anderen Lebensmittel, da selbst kleine Jodmengen die Wirkung der Diät stören.

Wie lange dauert es, bis meine Katze wieder zunimmt?

Bei guter Therapieeinstellung und angepasster Fütterung sehen die meisten Besitzer innerhalb von 4 bis 8 Wochen eine Gewichtszunahme. Bis das volle Gewicht wiederhergestellt ist, können 3 bis 6 Monate vergehen. Wenn nach 8 Wochen gar keine Gewichtszunahme eintritt, sollte der Tierarzt die Dosierung prüfen.

Braucht meine Katze nach einer Radiojodtherapie spezielles Futter?

Nein. Nach erfolgreicher Radiojodtherapie sind keine diätetischen Einschränkungen nötig. Ein hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil ist die beste Wahl, um die Erholung zu unterstützen. Die Nierenwerte sollten nach der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.

Nächster Schritt

Welches Futter passt zu deiner Katze?

5 Fragen, 1 Minute. Wir empfehlen dir das passende Futter basierend auf Alter, Gewicht und Lebensweise.