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Katze impfen: Welche Impfungen wirklich nötig sind

Nicht jede Katze braucht jede Impfung. Welche Impfungen für Wohnungskatzen und Freigänger empfohlen werden und was sie kosten.

Katze wird beim Tierarzt geimpft

Katzen impfen lassen ist keine Frage des Ob, sondern des Was und Wie oft. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) unterscheidet zwischen Core-Impfungen, die jede Katze braucht, und Non-Core-Impfungen, die nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sind. Wer das Impfschema versteht, schützt seine Katze vor lebensbedrohlichen Krankheiten, ohne sie unnötig zu belasten.

Core-Impfungen: Katzenseuche und Katzenschnupfen

Zwei Krankheiten bilden die Basis des Impfschutzes für jede Katze, unabhängig von der Haltungsform.

Katzenseuche (Panleukopenie)

Das Feline Panleukopenievirus (FPV) gehört zu den widerstandsfähigsten Erregern in der Tiermedizin. Es überlebt auf Oberflächen monatelang, teilweise über ein Jahr. Herkömmliche Reinigungsmittel können es nicht zerstören. Bei ungeimpften Katzen verläuft die Infektion mit schwerem Erbrechen, blutigem Durchfall und hohem Fieber. Bei Kitten liegt die Sterblichkeit bei bis zu 90 Prozent.

Die Impfung schützt zuverlässig. Nach abgeschlossener Grundimmunisierung hält der Schutz gegen Panleukopenie laut aktuellen Studien mindestens drei Jahre. Die StIKo Vet empfiehlt daher eine Auffrischung alle drei Jahre.

Katzenschnupfen (Herpes- und Calicivirus)

Katzenschnupfen ist ein Sammelbegriff für Infektionen mit dem Felinen Herpesvirus (FHV-1) und dem Felinen Calicivirus (FCV). Die Symptome reichen von Niesen und Nasenausfluss über Augengeschwüre bis zu schweren Lungenentzündungen. Chronische Verläufe sind häufig: Einmal infizierte Katzen tragen das Herpesvirus lebenslang in sich und können bei Stress erneut erkranken.

Die Impfung verhindert keine Infektion, aber sie reduziert die Schwere der Erkrankung erheblich. Der Impfschutz gegen Katzenschnupfen lässt schneller nach als bei Panleukopenie. Die StIKo Vet empfiehlt deshalb eine jährliche Auffrischung.

Non-Core-Impfungen: Nur bei Bedarf

Nicht jede Katze braucht jede verfügbare Impfung. Bei den Non-Core-Impfungen entscheidet die individuelle Lebenssituation.

FeLV (Feline Leukämie)

Das Feline Leukämievirus schwächt das Immunsystem und kann Lymphome und andere Tumore auslösen. Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt: gegenseitiges Putzen, gemeinsame Näpfe, Bisswunden. Die StIKo Vet empfiehlt die FeLV-Impfung für alle Katzen unter einem Jahr und für Freigänger, die Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Status haben.

Vor der Impfung muss ein FeLV-Antigentest durchgeführt werden. Bereits infizierte Katzen zu impfen bringt keinen Nutzen. Für reine Wohnungskatzen ohne Kontakt zu fremden Katzen ist die Impfung in der Regel nicht nötig.

Tollwut

Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut. Für Wohnungskatzen besteht kein Grund zur Tollwutimpfung. Relevant wird sie für Freigänger in ländlichen Gebieten mit Fledmauskontakt und bei Reisen ins EU-Ausland. Für die Einreise in andere EU-Länder ist eine gültige Tollwutimpfung im EU-Heimtierausweis gesetzlich vorgeschrieben. Ohne diese Dokumentation keine Grenzüberschreitung.

FIP (Feline Infektiöse Peritonitis)

Es existiert ein intranasaler Impfstoff gegen FIP. Die StIKo Vet spricht dafür keine Empfehlung aus, weil die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist. Die meisten Tierärzte in Deutschland raten von dieser Impfung ab.

Impfplan: Grundimmunisierung und Auffrischung

Die Grundimmunisierung beginnt im Kittenalter und folgt einem festen Schema. Drei Impftermine sind nötig, um einen belastbaren Schutz aufzubauen.

AlterImpfungHinweis
8 WochenKatzenseuche, KatzenschnupfenErste Impfung
12 WochenKatzenseuche, KatzenschnupfenZweite Impfung, ggf. FeLV und Tollwut
16 WochenKatzenseuche, KatzenschnupfenDritte Impfung, notwendig für vollständigen Schutz
15 MonateKatzenseuche, KatzenschnupfenErste Auffrischung
DanachKatzenseuche alle 3 Jahre, Katzenschnupfen jährlichIntervalle laut StIKo Vet

Die dritte Impfung in der 16. Woche ist entscheidend. Maternale Antikörper aus der Muttermilch können die ersten beiden Impfungen teilweise blockieren. Erst die dritte Impfung stellt sicher, dass das Immunsystem des Kittens eigenständig reagiert hat.

Erwachsene Katzen, die als Kitten nicht geimpft wurden, benötigen zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen, gefolgt von einer Auffrischung nach einem Jahr.

Wohnungskatze vs. Freigänger

Auch reine Wohnungskatzen brauchen die Core-Impfungen. Das Panleukopenievirus gelangt über Schuhsohlen, Kleidung oder Insekten in die Wohnung. Das Risiko ist geringer als bei Freigängern, aber es ist nicht null. Die Katzenschnupfen-Erreger verbreiten sich über Tröpfchen und Aerosole. Ein Tierarztbesuch reicht als Ansteckungsweg.

Für Freigänger kommen zusätzlich FeLV und Tollwut in Frage. Katzen, die regelmäßig Kontakt zu fremden Artgenossen haben, profitieren von der FeLV-Impfung. Tollwut ist für Katzen relevant, die in Gebieten mit Fledermauspopulationen unterwegs sind oder ins Ausland reisen.

Was kosten Impfungen in Deutschland?

Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die 2022 novelliert wurde. Seitdem liegen die Preise höher als zuvor.

Eine einzelne Impfung kostet zwischen 30 und 70 Euro, abhängig vom Impfstoff und dem GOT-Satz der Praxis. Kombinationsimpfstoffe (Katzenseuche plus Katzenschnupfen in einer Spritze) sind günstiger als getrennte Einzelimpfungen. Ein jährlicher Vorsorgecheck mit Impfung liegt bei 50 bis 90 Euro inklusive Allgemeinuntersuchung.

Für die komplette Grundimmunisierung eines Kittens (drei Termine mit Untersuchung) solltest du 150 bis 250 Euro einplanen. Das klingt nach viel, relativiert sich aber im Vergleich: Eine stationäre Behandlung bei Panleukopenie kostet schnell 500 Euro und mehr, mit ungewissem Ausgang.

LeistungKosten (ca.)
Einzelimpfung (Core)30 bis 70 Euro
Jährlicher Check mit Impfung50 bis 90 Euro
Tollwutimpfung (zusätzlich)25 bis 40 Euro
Grundimmunisierung Kitten (3 Termine)150 bis 250 Euro
Titerbestimmung (Bluttest)30 bis 80 Euro

Titerbestimmung: Alternative zur starren Auffrischung

Ein Antikörper-Titer misst, ob die Katze noch ausreichend Impfschutz hat. Dafür wird eine Blutprobe ins Labor geschickt. Das Ergebnis zeigt, ob eine Auffrischung nötig ist oder ob der vorhandene Schutz noch ausreicht.

Für Panleukopenie ist die Titerbestimmung gut validiert. Studien zeigen, dass viele Katzen auch nach drei Jahren noch hohe Antikörperspiegel haben und eine Auffrischung dann tatsächlich nicht nötig ist. Für Katzenschnupfen ist die Aussagekraft eingeschränkt, weil der Schutz hier stärker von der zellulären Immunantwort abhängt, die der Titertest nicht erfasst.

Ein Titertest kostet je nach Labor zwischen 30 und 80 Euro. Das ist vergleichbar mit den Kosten einer Impfung. Er eignet sich besonders für Katzen mit Impfreaktionen in der Vergangenheit, ältere Katzen mit chronischen Erkrankungen oder Halter, die Impfintervalle individuell anpassen wollen.

Überimpfung: Berechtigte Sorge oder übertrieben?

Die Debatte um Überimpfung bei Katzen hat in den letzten Jahren zugenommen. Kritiker bemängeln, dass manche Praxen jährlich alle Impfungen auffrischen, obwohl die Evidenz längere Intervalle für bestimmte Impfstoffe stützt.

Die StIKo Vet hat dem Rechnung getragen. Ihre aktuelle Leitlinie differenziert klar: Panleukopenie alle drei Jahre, Katzenschnupfen jährlich. Wer sich an diese Empfehlung hält, impft weder zu viel noch zu wenig.

Das Risiko schwerer Impfnebenwirkungen bei Katzen existiert, ist aber gering. Leichte Reaktionen wie Müdigkeit oder eine kleine Schwellung an der Einstichstelle klingen innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Feline Injektionsstellensarkome (FISS), bösartige Tumore an der Einstichstelle, treten mit einer Häufigkeit von etwa 1 zu 10.000 bis 1 zu 30.000 Impfungen auf. Um das Risiko zu minimieren, empfehlen Experten, Impfungen in die Hintergliedmaßen statt in den Nackenbereich zu setzen.

Impfungen grundsätzlich abzulehnen ist keine verantwortungsvolle Alternative. Die Krankheiten, gegen die geimpft wird, sind real und teils tödlich. Die Lösung liegt nicht im Weglassen, sondern im individualisierten Impfplan: Core-Impfungen nach Leitlinie, Non-Core-Impfungen nach Risikoprofil, Titerbestimmung wo sinnvoll.

FAQ

Muss ich meine Wohnungskatze impfen lassen?

Ja, zumindest die Core-Impfungen gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen. Die Erreger gelangen über Schuhe, Kleidung und Insekten in die Wohnung. Auf Non-Core-Impfungen wie Tollwut und FeLV kannst du bei reinen Wohnungskatzen ohne Kontakt zu fremden Katzen verzichten.

Wie oft muss ich meine Katze nachimpfen?

Katzenseuche alle drei Jahre, Katzenschnupfen jährlich, Tollwut (falls nötig) alle drei Jahre. Dein Tierarzt dokumentiert die Termine im Impfpass. Eine Titerbestimmung kann helfen, die Intervalle individuell anzupassen.

Was tun, wenn der Impfpass verloren geht?

Kontaktiere den Tierarzt, der die letzte Impfung durchgeführt hat. Die meisten Praxen speichern die Daten digital. Falls das nicht möglich ist, kann eine Titerbestimmung klären, ob noch Impfschutz besteht. Im Zweifelsfall lässt sich die Grundimmunisierung problemlos neu starten.

Nächster Schritt

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