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Trockenfutter für Katzen im Test: Unsere ehrliche Einschätzung

Trockenfutter für Katzen im Test 2026: 7 Marken ehrlich verglichen nach Protein, Getreide und Preis. Mit Kaufempfehlung.

Verschiedene Katzen-Trockenfutter Marken im Vergleich auf herzförmigen Tellern

Ich empfehle Nassfutter als Hauptfutter für jede Katze. Trotzdem bekommt fast jede Katze in Deutschland zumindest gelegentlich Trockenfutter. Wenn du dich dafür entscheidest, solltest du wissen, worauf es ankommt. Ich habe sieben Marken verglichen und erkläre, warum Trockenfutter problematisch ist, wann es trotzdem Sinn ergibt und welche Produkte die wenigsten Kompromisse verlangen.

Milo und Polly bekommen beide Trockenfutter. Aber in kleinen Mengen, als Snack oder für Fummelbretter. Nicht als Mahlzeit. Der Grund dafür ist einfach: Trockenfutter hat zwei grundlegende Probleme, die sich nicht wegreden lassen.

Das Problem mit Trockenfutter

Zu wenig Wasser

Trockenfutter enthält nur 8-10% Feuchtigkeit. Nassfutter liegt bei 75-80%. Katzen stammen von Wüstentieren ab und haben einen schwachen Dursttrieb. Sie sind darauf ausgelegt, Flüssigkeit über die Nahrung aufzunehmen. Eine Katze, die ausschließlich Trockenfutter frisst, trinkt selten genug, um den Unterschied auszugleichen.

Die Folge: chronische leichte Dehydration. Über Monate und Jahre belastet das die Nieren. Chronische Nierenerkrankung (CNE) ist die häufigste Todesursache bei älteren Katzen. Ein Trinkbrunnen hilft etwas, ersetzt aber nicht das Wasser aus Nassfutter. Mehr dazu in meinem Vergleich Nassfutter vs. Trockenfutter.

Zu viele Kohlenhydrate

Trockenfutter braucht Stärke, damit sich die Kroketten formen lassen. Ohne Getreide, Kartoffeln oder Erbsen funktioniert das Pressverfahren nicht. Der Kohlenhydratanteil liegt bei den meisten Trockenfuttern zwischen 30% und 50%. Bei Nassfutter sind es 1-5%.

Katzen sind obligate Karnivoren. Ihr Stoffwechsel verarbeitet Protein und Fett effizient, Kohlenhydrate dagegen schlecht. Ihnen fehlt das Enzym Glucokinase. Ein dauerhaft hoher Stärkeanteil begünstigt Übergewicht und Diabetes.

Konzentrierte Kalorien

100 g Trockenfutter liefern 350-400 kcal. 100 g Nassfutter nur 80-100 kcal. Wer die Portionen nicht exakt abwiegt, überfüttert schnell. Polly hat in einer Phase, in der sie freien Zugang zu Trockenfutter hatte, innerhalb von zwei Monaten 300 g zugenommen. Das klingt wenig, bei einer 4-kg-Katze sind das aber fast 8% Körpergewicht.

Wenn schon Trockenfutter, dann richtig

Nicht jedes Trockenfutter ist gleich schlecht. Die Qualitätsunterschiede sind enorm. Auf diese Punkte achte ich bei der Auswahl:

Hoher Proteingehalt: Mindestens 35% Rohprotein, besser 40%+. Protein sollte überwiegend aus tierischen Quellen stammen, nicht aus Erbsenprotein oder Maisgluten.

Getreidefrei: Getreidefreies Trockenfutter hat in der Regel weniger Kohlenhydrate. Statt Weizen, Mais und Reis werden Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Linsen als Stärkequelle verwendet. Das ist nicht perfekt, aber besser.

Kein Zucker: Zucker hat in Katzenfutter nichts verloren. Er wird zugesetzt, damit die Kroketten eine appetitliche braune Farbe bekommen. Für die Katze bringt er keinen Nutzen.

Offene Deklaration: "Geflügelprotein, getrocknet" an erster Stelle klingt gut, bis man sieht, dass danach drei verschiedene Getreidesorten folgen. Addiert man die pflanzlichen Zutaten, überwiegen sie oft. Dieses "Splitting" ist bei günstigen Marken Standard. Eine offene Deklaration mit Prozentangaben für jede Zutat zeigt, was wirklich drin ist.

Trockenfutter im Vergleich

Ich habe sieben verbreitete Trockenfutter-Marken nach den wichtigsten Kriterien verglichen. Die Preise sind Richtwerte und können je nach Packungsgröße und Händler variieren.

MarkeProteinGetreideFleischanteilca. Preis/kgBewertung
Orijen Original Cat40%nein85%11-17 EUR★★★★☆
Applaws Adult Huhn37%nein80%6-8 EUR★★★★☆
Josera NatureCat33%neink.A. (Geflügel + Lachs)4-5 EUR★★★☆☆
Sanabelle Adult31%ja (Reis, Sorghum)25% frisch + getrocknet3-5 EUR★★★☆☆
Happy Cat Culinary33%ja (Reis, Mais)86% tierisches Protein4-6 EUR★★★☆☆
Royal Canin Indoor 2727%ja (Reis, Weizen, Mais)nicht deklariert6-9 EUR★★☆☆☆
Whiskas 1+30%ja (Hauptzutat)4% deklariert1-3 EUR★☆☆☆☆

Orijen liegt vorne: 40% Protein, 85% Fleischanteil, getreidefrei. Der Preis ist allerdings hoch. Für ein Futter, das nur als Ergänzung dient, ist das viel Geld pro Kilogramm.

Applaws bietet ein ähnlich gutes Nährstoffprofil zu einem deutlich niedrigeren Preis. 37% Protein, 80% Fleisch, getreidefrei. Wenn ich ein Trockenfutter als Ergänzung empfehlen müsste, wäre es Applaws.

Josera NatureCat und Happy Cat liegen im Mittelfeld. Getreidefrei (Josera) bzw. mit Reis und Mais (Happy Cat), akzeptabler Proteingehalt, moderate Preise. Für gelegentliches Füttern in Ordnung.

Royal Canin Indoor 27 überrascht negativ. Trotz hohem Preis nur 27% Protein, drei verschiedene Getreidesorten und keine offene Fleischdeklaration. Der Name "Indoor" suggeriert ein Spezialfutter, das Produkt rechtfertigt den Aufpreis nicht.

Whiskas ist mit 4% deklariertem Hühnerfleisch, Getreide als Hauptzutat und Zuckerzusatz das Schlusslicht. Günstig ja, aber kein Futter, das ich meinen Katzen geben würde.

Trockenfutter als Ergänzung

Trockenfutter kann sinnvoll sein, wenn es nicht die Hauptmahlzeit ersetzt. Mein Modell: 80% Nassfutter, 20% Trockenfutter. Das bedeutet konkret 10-15 g Trockenfutter pro Tag für eine durchschnittliche Katze.

Wofür sich Trockenfutter eignet:

Fummelbretter und Intelligenzspielzeug: Polly beschäftigt sich damit 20 Minuten am Stück. Das ist artgerechte Beschäftigung, nicht Fütterung.

Clickertraining: Milo bekommt einzelne Kroketten als Belohnung. Effektiv und praktisch, weil Trockenfutter nicht schmiert.

Kleine Zwischenmahlzeit: Für Katzen, die zwischen den Hauptmahlzeiten betteln, reichen ein paar Kroketten. Aber wirklich nur ein paar.

Wichtig: Trockenfutter nicht ins Nassfutter mischen. Die beiden Futterarten werden unterschiedlich schnell verdaut. Getrenntes Anbieten ist besser verträglich.

Trockenfutter und Zahngesundheit

"Trockenfutter reinigt die Zähne" ist einer der hartnäckigsten Mythen in der Katzenernährung. Katzen kauen Kroketten nicht. Sie brechen sie einmal durch oder schlucken sie ganz. Ein mechanischer Reinigungseffekt findet nicht statt.

Studien der Veterinary Oral Health Council bestätigen: Es gibt keinen messbaren Unterschied bei der Zahnsteinbildung zwischen Katzen, die Nass- oder Trockenfutter bekommen. Die einzige Ausnahme sind spezielle Dental-Kroketten mit einer Fasertextur, die gezielt am Zahn entlanggleitet. Normales Trockenfutter hat diesen Effekt nicht.

Was tatsächlich gegen Zahnstein hilft: regelmäßiges Zähneputzen, jährliche Zahnkontrollen beim Tierarzt und rohes Fleisch in kleinen Stücken, das die Katze wirklich kauen muss.

Häufige Fragen

Welches Trockenfutter ist das beste für Katzen?

Kein Trockenfutter ist als alleiniges Futter optimal. Als Ergänzung zu hochwertigem Nassfutter eignen sich Produkte mit hohem Fleischanteil und ohne Getreide am besten: Orijen (40% Protein, 85% Fleisch) oder Applaws (37% Protein, 80% Fleisch) liegen vorne. Applaws bietet das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ist getreidefreies Trockenfutter besser?

Ja, in der Regel schon. Getreidefreies Trockenfutter enthält weniger Kohlenhydrate und mehr tierisches Protein. Katzen haben keinen Bedarf an Getreide. Aber auch getreidefreies Trockenfutter enthält pflanzliche Stärke (Kartoffeln, Erbsen), weil sich ohne Stärke keine Kroketten pressen lassen. Der Kohlenhydratanteil ist niedriger, aber nicht null.

Kann ich meine Katze nur mit Trockenfutter füttern?

Ich rate davon ab. Reine Trockenfutter-Fütterung erhöht das Risiko für Dehydration, Harnwegserkrankungen und Nierenprobleme. Wenn es aus praktischen Gründen nicht anders geht, wähle ein hochwertiges getreidefreies Produkt und stelle mehrere Wasserstellen und idealerweise einen Trinkbrunnen auf. Besser ist eine Mischfütterung mit mindestens 80% Nassfutter.

Wie viel Trockenfutter braucht eine Katze pro Tag?

Als Ergänzung reichen 10-15 g pro Tag für eine durchschnittliche Katze (4 kg). Als Alleinfutter empfehlen die meisten Hersteller 50-65 g pro Tag, je nach Aktivität und Gewicht. Ich empfehle die Ergänzungsvariante. Die Kalorien aus dem Trockenfutter müssen von der Nassfutter-Portion abgezogen werden, sonst droht Übergewicht.

Wie lagere ich Trockenfutter richtig?

Kühl, trocken und luftdicht verschlossen. Trockenfutter wird nach dem Öffnen mit der Zeit ranzig, weil die enthaltenen Fette oxidieren. Eine verschließbare Dose oder ein Clip für die Tüte reicht. Große Packungen (10 kg) lohnen sich nur bei mehreren Katzen, weil das Futter idealerweise innerhalb von vier bis sechs Wochen aufgebraucht sein sollte.

Nächster Schritt

Welches Futter passt zu deiner Katze?

5 Fragen, 1 Minute. Wir empfehlen dir das passende Futter basierend auf Alter, Gewicht und Lebensweise.