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Tumor bei Katzen: Arten, Symptome und Behandlung

Krebs ist bei Katzen keine Seltenheit. Welche Tumorarten vorkommen, wie du Warnsignale erkennst und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Katze bei der tierärztlichen Untersuchung

Katzen erkranken ähnlich häufig an Krebs wie Menschen. Etwa jede fünfte Katze entwickelt im Laufe ihres Lebens einen Tumor. Betroffen sind vor allem ältere Tiere ab zehn Jahren, doch auch jüngere Katzen können Tumore entwickeln. Die Prognose hängt stark von der Tumorart, dem Stadium bei der Diagnose und der gewählten Therapie ab.

Gutartig oder bösartig: Was bedeutet „Tumor"?

Tumor heißt zunächst nur Gewebewucherung. Nicht jeder Knoten ist Krebs. Gutartige (benigne) Tumore wachsen langsam, verdrängen umliegendes Gewebe, streuen aber nicht in andere Organe. Bösartige (maligne) Tumore wachsen aggressiv, zerstören umliegendes Gewebe und bilden Metastasen in Lymphknoten, Lunge oder anderen Organen. Bei Katzen ist das Verhältnis ungünstig: Rund 80 % aller Tumore sind bösartig.

Häufige Tumorarten bei Katzen

Lymphom (Lymphosarkom)

Das Lymphom ist der häufigste Tumor bei Katzen und macht etwa ein Drittel aller Krebsdiagnosen aus. Betroffen sind die Lymphozyten, eine Gruppe weißer Blutkörperchen, die zum Immunsystem gehören. Lymphome können praktisch überall im Körper auftreten.

Die häufigste Form ist das intestinale Lymphom im Magen-Darm-Trakt. Die Katze nimmt ab, frisst weniger, erbricht und hat chronischen Durchfall. Diese Symptome ähneln einer entzündlichen Darmerkrankung (IBD), was die Diagnose erschwert. Mediastinale Lymphome in der Brusthöhle verursachen Atemnot und kommen besonders bei jungen, FeLV-positiven Katzen vor. Auch Nieren, Nase und Nervensystem können betroffen sein.

Die Prognose hängt vom Typ ab. Niedrigmaligne intestinale Lymphome sprechen oft gut auf Chemotherapie an, und betroffene Katzen leben mit Behandlung durchschnittlich noch zwei bis drei Jahre. Hochmaligne Formen haben eine deutlich schlechtere Prognose.

Mammatumor (Gesäugetumor)

Mammatumore sind der dritthäufigste Tumor bei Katzen. Anders als bei Hündinnen, wo etwa die Hälfte gutartig ist, sind bei Katzen 85 bis 90 % der Mammatumore bösartig. Sie metastasieren früh und aggressiv, bevorzugt in die Lunge und regionären Lymphknoten.

Betroffen sind überwiegend unkastrierte oder spät kastrierte Kätzinnen. Eine Kastration vor dem ersten Lebensjahr senkt das Risiko um bis zu 90 %. Nach dem zweiten Lebensjahr nimmt der Schutzeffekt deutlich ab. Mammatumore treten als derbe, meist schmerzlose Knoten an der Milchleiste auf. Du kannst sie beim Streicheln ertasten. Jeder Knoten an der Milchleiste sollte sofort tierärztlich untersucht werden.

Plattenepithelkarzinom (Squamous Cell Carcinoma)

Plattenepithelkarzinome entstehen aus den oberflächlichen Hautzellen und betreffen bei Katzen besonders häufig den Kopfbereich: Nase, Ohren und Augenlider. Weiße und helle Katzen sind stark überrepräsentiert, weil ihre unpigmentierte Haut keinen UV-Schutz bietet. Sonneneinstrahlung ist ein nachgewiesener Risikofaktor.

Die Tumore beginnen oft als kleine, krustige Stellen, die nicht abheilen. Was zunächst wie eine harmlose Hautwunde aussieht, entpuppt sich bei genauerer Untersuchung als Karzinom. Plattenepithelkarzinome metastasieren selten, wachsen aber lokal aggressiv und zerstören Gewebe. Im Maulbereich kommen sie ebenfalls vor und verursachen dort Schluckbeschwerden, Speicheln und Fressunlust.

Fibrosarkom (Injektionsstellen-Sarkom)

Fibrosarkome entwickeln sich aus dem Bindegewebe und können an jeder Körperstelle auftreten. Eine besondere Variante ist das Injektionsstellen-Sarkom (FISS), das an Stellen entsteht, an denen die Katze geimpft oder gespritzt wurde. Die Häufigkeit liegt bei etwa 1 pro 10.000 bis 30.000 Injektionen.

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Eine chronische Entzündungsreaktion an der Injektionsstelle scheint bei genetisch veranlagten Katzen die Tumorbildung auszulösen. Fibrosarkome wachsen schnell, infiltrieren tief ins umliegende Gewebe und bilden häufig Rezidive nach der Operation. Metastasen in die Lunge treten bei etwa 20 % der Fälle auf.

Aus diesem Grund werden Impfungen heute bevorzugt an den Gliedmaßen oder am Schwanz verabreicht statt zwischen den Schulterblättern. Sollte ein Tumor entstehen, lässt sich die betroffene Gliedmaße chirurgisch entfernen.

Warnsignale: Wann zum Tierarzt?

Krebs bei Katzen zeigt sich selten durch ein einzelnes dramatisches Symptom. Oft sind es schleichende Veränderungen, die aufmerksame Halter bemerken.

Tastbare Knoten oder Schwellungen. Jeder neue Knoten unter der Haut sollte untersucht werden, besonders wenn er schnell wächst, sich hart anfühlt oder mit der Unterlage verwachsen ist.

Unerklärter Gewichtsverlust. Die Katze frisst normal oder weniger und nimmt ab. Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache ist bei älteren Katzen immer abklärungsbedürftig.

Appetitlosigkeit und Schluckbeschwerden. Tumore im Maul oder Verdauungstrakt machen das Fressen schmerzhaft oder unmöglich.

Chronisches Erbrechen oder Durchfall. Wenn Magen-Darm-Probleme über Wochen bestehen und auf die übliche Behandlung nicht ansprechen, kann ein Tumor dahinterstecken.

Wunden, die nicht heilen. Krustige Stellen an Nase, Ohren oder Lippen, die trotz Behandlung bestehen bleiben, können ein Plattenepithelkarzinom sein.

Atemnot. Tumore in der Brusthöhle oder Flüssigkeitsansammlungen (Pleuraerguss) verursachen beschleunigte oder erschwerte Atmung.

Verhaltensänderungen. Rückzug, verminderte Aktivität und Unlust zu spielen können auf Schmerzen oder allgemeines Unwohlsein hindeuten.

Diagnose: Wie wird ein Tumor festgestellt?

Die Diagnostik verläuft schrittweise und hängt von der Lokalisation des Verdachts ab.

Feinnadelaspiration und Biopsie

Bei tastbaren Knoten beginnt der Tierarzt oft mit einer Feinnadelaspiration: Eine dünne Nadel wird in den Knoten gestochen und Zellen abgesaugt, die unter dem Mikroskop beurteilt werden. Die Methode ist schnell, günstig und ohne Narkose durchführbar, liefert aber nicht immer eine eindeutige Diagnose.

Für eine sichere Beurteilung wird eine Biopsie entnommen. Dabei wird ein Gewebestück chirurgisch entnommen und histopathologisch untersucht. Die Histologie liefert den genauen Tumortyp, den Malignitätsgrad und Aussagen über die Vollständigkeit der Entfernung.

Bildgebende Verfahren

Röntgen der Brusthöhle zeigt Lungenmetastasen und Tumore im Brustraum. Vor jeder Tumoroperation gehört ein Thoraxröntgen zum Standard, um Metastasen auszuschließen.

Ultraschall des Bauches stellt Veränderungen an Leber, Milz, Nieren, Darm und Lymphknoten dar. Bei Verdacht auf ein intestinales Lymphom liefert der Ultraschall oft den ersten Hinweis.

CT oder MRT kommen bei komplexen Fällen zum Einsatz, etwa zur OP-Planung bei Fibrosarkomen oder bei Tumoren im Kopfbereich.

Blutuntersuchung

Ein großes Blutbild und ein Organprofil gehören zur Basisdiagnostik. Die Blutwerte zeigen nicht den Tumor selbst, decken aber Begleiterkrankungen und Organschäden auf, die für die Therapieplanung relevant sind.

Behandlung: Welche Optionen gibt es?

Chirurgie

Die chirurgische Entfernung ist bei soliden Tumoren die erste Wahl, wenn der Tumor operabel ist und keine Fernmetastasen vorliegen. Beim Mammatumor wird meist die gesamte Milchleiste einer Seite entfernt (radikale Mastektomie). Bei Fibrosarkomen muss der Chirurg mit großem Sicherheitsabstand schneiden, mindestens drei Zentimeter in alle Richtungen und eine Gewebeschicht in die Tiefe. Das erklärt, warum bei Injektionsstellen-Sarkomen an den Gliedmaßen manchmal eine Amputation nötig ist.

Chemotherapie

Chemotherapie ist bei Katzen weniger belastend als beim Menschen. Tierärzte dosieren so, dass die Lebensqualität erhalten bleibt. Schwere Nebenwirkungen wie starkes Erbrechen oder Haarausfall sind selten. Katzen verlieren ihr Fell nicht, nur die Tasthaare können vorübergehend ausfallen.

Lymphome sprechen in vielen Fällen gut auf Chemotherapie an. Eingesetzt werden Protokolle mit Wirkstoffen wie Chlorambucil, Cyclophosphamid, Doxorubicin oder Vincristin. Beim niedrigmalignen intestinalen Lymphom reicht oft eine Kombination aus Chlorambucil und Prednisolon in Tablettenform, die zu Hause verabreicht wird.

Strahlentherapie

Strahlentherapie wird in spezialisierten Tierkliniken angeboten und eignet sich besonders für Plattenepithelkarzinome im Kopfbereich und nicht vollständig entfernte Fibrosarkome. Die Behandlung erfordert mehrere Sitzungen unter Kurznarkose. In Deutschland bieten nur wenige Zentren Strahlentherapie für Tiere an.

Palliativbehandlung

Wenn eine Heilung nicht möglich ist, rückt die Lebensqualität in den Mittelpunkt. Schmerzmanagement mit Medikamenten wie Meloxicam, Buprenorphin oder Gabapentin hält die Katze möglichst beschwerdefrei. Prednisolon kann bei Lymphomen das Tumorwachstum vorübergehend bremsen und den Appetit anregen. Auch angepasste Ernährung, Wärme und eine ruhige Umgebung tragen dazu bei, dass die verbleibende Zeit lebenswert bleibt.

Die Entscheidung zwischen Therapie und Palliativversorgung ist individuell. Faktoren sind das Alter der Katze, der allgemeine Gesundheitszustand, die Tumorart und das Stadium. Ein offenes Gespräch mit dem Tierarzt hilft, die richtige Entscheidung zu treffen. Manchmal ist die beste Entscheidung, der Katze eine gute letzte Zeit zu ermöglichen, statt sie mit belastenden Therapien zu überfordern.

FAQ

Wie erkenne ich einen Tumor bei meiner Katze?

Taste deine Katze regelmäßig ab, besonders die Milchleiste und die Lymphknotenbereiche (Unterkiefer, Achseln, Leiste). Achte auf Gewichtsverlust, Fressunlust, chronisches Erbrechen oder Durchfall und Wunden, die nicht abheilen. Jede unerklärte Veränderung bei einer Katze über zehn Jahren rechtfertigt einen Tierarztbesuch.

Kann eine Katze nach einer Krebsdiagnose noch lange leben?

Das hängt stark von der Tumorart ab. Katzen mit niedrigmalignem intestinalen Lymphom leben unter Chemotherapie im Mittel zwei bis drei Jahre. Mammatumore haben eine schlechtere Prognose, besonders bei später Diagnose. Frühzeitig operierte kleine Mammatumore (unter 2 cm) haben bessere Überlebenszeiten als große Tumore. Plattenepithelkarzinome am Kopf lassen sich bei früher Erkennung chirurgisch oft vollständig entfernen.

Was kostet die Krebsbehandlung bei Katzen?

Die Diagnostik (Biopsie, Röntgen, Ultraschall, Blutbild) kostet 200 bis 600 Euro. Eine Tumor-OP liegt je nach Umfang bei 300 bis 1.500 Euro. Chemotherapie schlägt mit 100 bis 300 Euro pro Sitzung zu Buche, verteilt über mehrere Monate. Strahlentherapie ist die teuerste Option mit 1.500 bis 4.000 Euro für einen vollständigen Behandlungszyklus.

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