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Ocicat: Die Wildkatze, die keine ist

Die Ocicat sieht aus wie eine Wildkatze, ist aber eine reine Hauskatze: verspielt, sozial und anhänglich. Alles zu Charakter, Haltung und Gesundheit.

Ocicat mit getupftem Fell

Getupftes Fell, muskulöser Körper, ein Blick wie aus der Wildnis: Die Ocicat wirkt wie ein kleiner Ozelot. Doch in ihren Adern fließt kein Tropfen Wildkatzenblut. Diese Rasse entstand durch einen Zufall in einem amerikanischen Wohnzimmer und ist eine der wenigen Katzen, die wie ein Wildtier aussehen, sich aber wie ein Hund benehmen.

Steckbrief

MerkmalDetails
Gewicht4,5 bis 7 kg (Kater), 3,5 bis 5 kg (Katze)
FellKurzhaar mit getupfter Zeichnung
Lebenserwartung12 bis 18 Jahre
HerkunftUSA (zufällige Kreuzung aus Siamkatze und Abessinier)
Farben12 anerkannte Farbvarianten
Charakteranhänglich, verspielt, sozial, trainierbar

Herkunft: Ein glücklicher Zufall

Die Ocicat verdankt ihre Existenz einem Experiment, das eigentlich etwas ganz anderes zum Ziel hatte. 1964 kreuzte die amerikanische Züchterin Virginia Daly in Michigan eine Siamkatze mit einem Abessinier-Siam-Mix. Sie wollte eine Siamkatze mit Abessinier-Ticking züchten. In einem der Würfe tauchte ein Kitten mit goldgetupftem Fell auf, das an einen Ozelot erinnerte. Dalys Tochter nannte es "Ocicat", eine Mischung aus Ozelot und Cat.

Das erste Tier wurde kastriert und als Haustier vermittelt. Erst später erkannte Daly das Potenzial und wiederholte die Verpaarung gezielt. Weitere Züchter stiegen ein, und um den Genpool zu erweitern, kreuzten sie American Shorthairs ein. Das brachte der Rasse zusätzliche Fellfarben und einen kräftigeren Körperbau.

1987 erkannte TICA die Ocicat als eigenständige Rasse an, die CFA folgte im selben Jahr. Ein Punkt, der diese Rasse von Bengalen oder Savannahs unterscheidet: Die Ocicat trägt keinerlei Wildkatzen-Gene. Ihr wilder Look ist reines Ergebnis der Kombination von Hauskatzenrassen. Keine Genehmigungen, keine Generationsfragen, keine Hybridproblematik.

Aussehen: Ozelot aus dem Baukasten

Die Ocicat ist eine mittelgroße bis große Katze mit athletischem Körperbau. Kater erreichen 4,5 bis 7 kg, Katzen bleiben etwas leichter. Der Körper ist lang gestreckt und muskulös, die Brust breit, die Beine mittellang und kräftig. Nichts an dieser Katze wirkt zierlich.

Das Fell ist das Markenzeichen. Kurz, dicht und glänzend, mit deutlich abgegrenzten Tupfen, die über den gesamten Körper verteilt sind. Die Tupfen folgen einem bestimmten Muster: An den Flanken sind sie groß und rund, entlang der Wirbelsäule reihen sie sich in Linien, am Bauch verteilen sie sich lockerer. Auf der Stirn zeichnet sich ein "M" ab, typisch für Tabby-Katzen.

12 Farbvarianten

Die Ocicat kommt in zwölf anerkannten Farben. Die sechs Grundfarben sind Tawny (braun), Chocolate, Cinnamon, Blue, Lavender und Fawn. Jede dieser Farben existiert in einer Silber-Variante, bei der der Grundton durch eine helle, silbrige Unterwolle ersetzt wird. Tawny ist die häufigste und bekannteste Farbe, Fawn Silver die seltenste.

Die Augen sind mandelförmig, leicht schräg gestellt und in allen Farben außer Blau erlaubt. Das Kinn ist kräftig, die Schnauze breit. Der Gesamteindruck: eine Katze, die Kraft ausstrahlt, ohne plump zu wirken.

Charakter: Mehr Hund als Katze

Wer die Ocicat zum ersten Mal erlebt, ist oft überrascht. Diese Katze verhält sich in vielen Situationen eher wie ein kleiner Hund als wie eine typische Katze.

Apportieren und Tricks

Ocicats apportieren. Nicht zufällig, nicht manchmal, sondern regelmäßig und mit Begeisterung. Sie bringen Spielzeugmäuse, Bälle und zusammengeknülltes Papier zurück und legen es dir vor die Füße. Viele lernen auf Zuruf ihren Namen, reagieren auf einfache Kommandos und lassen sich mit Clickertraining zu komplexeren Tricks bringen. Sitz, Pfötchen, Hochspringen auf Kommando: Für eine Ocicat kein Problem.

Schatten auf vier Pfoten

Ocicats folgen ihren Menschen. Vom Schreibtisch ins Bad, vom Bad in die Küche, von der Küche zurück auf die Couch. Sie wollen wissen, was du tust, und am liebsten dabei sein. Wenn du die Tür schließt, wird sie davor sitzen und warten. Oder miauen. Wahrscheinlich beides.

Diese Anhänglichkeit macht die Ocicat zu einer Katze, die schlecht allein bleibt. Acht Stunden allein in der Wohnung sind für diese Rasse zu viel. Sie braucht entweder einen menschlichen oder tierischen Partner, der tagsüber da ist.

Gesellig bis zum Extrem

Gegenüber Fremden zeigt die Ocicat wenig Scheu. Besuch wird begrüßt, beschnüffelt und ins Spiel einbezogen. Diese Offenheit erstreckt sich auf andere Tiere: Ocicats verstehen sich in der Regel gut mit Hunden, besonders wenn sie gemeinsam aufwachsen. Mit anderen Katzen funktioniert das Zusammenleben ebenfalls, solange der Artgenosse nicht zu dominant ist.

Die Kehrseite dieser Sozialverträglichkeit: Ocicats sind keine Einzelgänger. Einzelhaltung ohne ausreichende menschliche Gesellschaft führt zu Verhaltensauffälligkeiten. Übermäßiges Miauen, Unsauberkeit oder destruktives Verhalten sind häufige Folgen von Einsamkeit.

Gesundheit: Robust mit Einschränkungen

Die Ocicat ist eine grundsätzlich gesunde Rasse mit einer Lebenserwartung von 12 bis 18 Jahren. Der breite Genpool durch die Einkreuzung mehrerer Rassen hat dazu beigetragen, dass typische Inzuchtprobleme seltener auftreten als bei einigen anderen Rassekatzen.

Trotzdem gibt es erbliche Erkrankungen, die in bestimmten Linien vorkommen.

HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie)

Wie bei vielen Katzenrassen ist HCM auch bei der Ocicat ein Thema. Die Verdickung der Herzwand verläuft schleichend und wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt. Regelmäßige Herzultraschall-Untersuchungen ab dem zweiten Lebensjahr sind sinnvoll, besonders wenn der Züchter keine lückenlose HCM-Untersuchungshistorie der Elterntiere vorweisen kann.

PRA (Progressive Retinaatrophie)

Diese erbliche Augenerkrankung führt zu fortschreitendem Sehverlust bis zur Erblindung. Für die Ocicat gibt es Gentests, die Träger identifizieren. Seriöse Züchter testen ihre Zuchttiere und können die Ergebnisse nachweisen.

Zahnprobleme

Einige Ocicat-Linien neigen zu Parodontose und Zahnsteinbildung. Regelmäßige Zahnkontrollen beim Tierarzt und, wenn die Katze es zulässt, gelegentliches Zähneputzen mit einer speziellen Katzenzahnpasta helfen vorzubeugen.

Beim Züchterkauf: Frag nach HCM-Screenings und PRA-Gentests beider Elterntiere. Ein Züchter, der diese Untersuchungen nicht durchführt oder die Ergebnisse nicht zeigen will, ist kein guter Züchter.

Pflege: Unkompliziert

Das kurze, anliegende Fell der Ocicat braucht wenig Aufmerksamkeit. Einmal pro Woche mit einer weichen Bürste oder einem Gummihandschuh durchgehen reicht. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst kann es etwas häufiger nötig sein.

Ocicats haaren weniger als viele andere Kurzhaarrassen. Das Fell hat keine Unterwolle, was die Pflege zusätzlich vereinfacht. Baden ist normalerweise nicht nötig, es sei denn, die Katze hat sich in etwas gewälzt, das nicht ins Fell gehört.

Die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden. Ein stabiler Kratzbaum gehört zur Grundausstattung.

Haltung: Für wen passt die Ocicat?

Die Ocicat eignet sich für aktive Haushalte, in denen jemand den Großteil des Tages anwesend ist. Familien mit Kindern kommen gut mit dieser Rasse zurecht, weil Ocicats geduldig und spielfreudig sind. Auch Hundebesitzer, die eine Katze suchen, die sich mit dem Hund versteht, finden in der Ocicat oft die richtige Wahl.

Was sie braucht

Klettermöglichkeiten, interaktives Spielzeug und mindestens zwei feste Spielzeiten pro Tag. Intelligenzspielzeug und Fummelbretter sind willkommen, denn die Ocicat langweilt sich schnell, wenn sie geistig nicht gefordert wird. Ein katzensicherer Balkon oder gesicherter Freigang ist ein Bonus, aber kein Muss: Ocicats kommen in einer gut ausgestatteten Wohnung zurecht, sofern sie genug Beschäftigung bekommen.

Was sie nicht verträgt

Langeweile und Einsamkeit. Wer Vollzeit arbeitet und keine zweite Katze oder keinen anderen tierischen Mitbewohner hat, sollte sich eine unabhängigere Rasse ansehen. Die Ocicat will Teil des Familienlebens sein. Wird sie davon ausgeschlossen, leidet sie.

Der ideale Halter

Du arbeitest im Homeoffice oder hast flexible Arbeitszeiten. Du findest es charmant, wenn eine Katze dich auf Schritt und Tritt verfolgt. Du hast Lust auf Clickertraining und interaktives Spiel. Du lebst vielleicht schon mit einem Hund zusammen und suchst eine Katze, die damit zurechtkommt. Dann passt die Ocicat.

Wer eine ruhige, unabhängige Katze möchte, die elegant auf dem Sofa liegt und ihre Menschen gnädig ignoriert, ist mit dieser Rasse falsch beraten. Die Ocicat ist das Gegenteil davon.

Häufige Fragen

Ist die Ocicat für Anfänger geeignet?

Ocicats sind auch für Erstbesitzer geeignet, wenn die artgerechten Bedürfnisse bekannt sind. Mit der richtigen Vorbereitung und ausreichend Zeit für die Eingewöhnung sind sie wunderbare Begleiter.

Wie viel kostet eine Ocicat?

Seriöse Züchter verlangen für Ocicats zwischen 800 und 2.000 EUR, manchmal mehr für besondere Linien. Günstigere Angebote deuten oft auf unseriöse Vermehrung oder Farms hin. Dazu kommen Erstausstattung, Tierarztkosten und laufende Futterkosten.

Wie lange lebt eine Ocicat durchschnittlich?

Die meisten Ocicats erreichen ein Alter von 12 bis 16 Jahren, einige auch 18 Jahre und mehr. Entscheidend sind Genetik, Ernährung, Haltungsbedingungen und regelmäßige tierärztliche Versorgung. Rassetypische Erkrankungen sollten beim Züchter aktiv ausgeschlossen werden.

Verträgt sich die Ocicat mit anderen Katzen?

Die meisten Ocicats kommen gut mit Artgenossen aus, wenn die Eingewöhnung schrittweise erfolgt. Einzelhaltung ist möglich, aber Gesellschaft wird in der Regel gut angenommen. Hunde werden von gut sozialisierten Individuen meist ebenfalls toleriert.

Nächster Schritt

Rassengerechte Ernährung für deine Katze

Manche Rassen haben besondere Ernährungsbedürfnisse. Unser Futter-Finder berücksichtigt das.