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Havana Brown: Die schokoladenfarbene Seltenheit

Die Havana Brown ist eine der seltensten Katzenrassen weltweit. Alles über die schokoladenfarbene Schönheit mit den grünen Augen.

Havana Brown Katze mit schokoladenbraunem Fell und grünen Augen

Die Havana Brown gehört zu den seltensten Katzenrassen der Welt. Geschätzte 1.000 Exemplare gibt es weltweit, manche Quellen sprechen von noch weniger. Wer eine besitzt, hat etwas Besonderes. Das Fell schimmert in einem tiefen, warmen Schokoladenbraun, die Augen leuchten in klarem Grün, und der Charakter vereint Anhänglichkeit mit einer eigenständigen Neugier, die man bei wenigen anderen Rassen findet. Die Havana Brown ist keine Katze, die man zufällig bekommt. Man muss sie suchen, manchmal jahrelang warten und dann feststellen: Es hat sich gelohnt.

Steckbrief

MerkmalDetails
Gewicht2,5–4 kg (Katze), 3,5–5 kg (Kater)
GrößeMittelgroß, muskulös
FellKurzhaar, eng anliegend, seidig glänzend
FarbenSchokoladenbraun (Mahagoni bis Kastanie)
AugenOval, leuchtend grün
Lebenserwartung12–15 Jahre
HerkunftEngland (1950er-Jahre)
AnerkennungCFA, TICA, GCCF
CharakterAnhänglich, neugierig, verspielt, menschenbezogen
HaltungWohnungskatze, braucht engen Kontakt zum Menschen

Herkunft und Geschichte

Die Geschichte der Havana Brown beginnt im England der 1950er-Jahre, und sie beginnt mit einer Idee: eine Katze zu züchten, deren Fell durchgehend in sattem Braun gefärbt ist. Braune Katzen gab es vorher nur als zufälliges Ergebnis, nie als Zuchtziel. Eine Gruppe britischer Züchterinnen wollte das ändern.

Im Zentrum der frühen Zucht stand Baroness Miranda von Kirchberg, die gemeinsam mit anderen Züchterinnen wie Elsie Quinn und Anne Hargreaves an dem Projekt arbeitete. Die Grundlage bildeten gezielte Kreuzungen zwischen Chocolate-Point-Siamkatzen und schwarzen Hauskatzen. In einigen Linien soll auch die Schweizer Bergkatze (Swiss Mountain Cat) eingeflossen sein, eine seltene braune Katze aus der Schweiz, deren genaue Rolle in der Zuchtgeschichte unter Historikern allerdings umstritten ist.

Das Ergebnis war eine Katze mit einem gleichmäßigen, warmen Schokoladenbraun, das sich von der Haarspitze bis zur Wurzel erstreckte. Selbst Schnurrhaare und Fußballen zeigen diesen Braunton. Den Namen verdankt die Rasse nicht der kubanischen Hauptstadt, sondern der Farbe: Das Fell erinnert an eine Havanna-Zigarre, jenes tiefe, rötlich-braune Tabakbraun.

In den 1960er-Jahren gelangten die ersten Havana Brown nach Nordamerika, wo die Zucht einen etwas anderen Weg einschlug als in England. Die britische Variante wurde in die Orientalisch Kurzhaar integriert, während die amerikanischen Züchter die Havana Brown als eigenständige Rasse weiterentwickelten. Heute bezieht sich der Name "Havana Brown" fast ausschließlich auf den amerikanischen Typ.

Die Rasse war nie weit verbreitet, doch in den letzten Jahrzehnten ist die Lage kritisch geworden. Die Zuchtbasis ist extrem schmal. Weltweit gibt es nur wenige aktive Züchter, und der kleine Genpool macht jedes einzelne Zuchttier wertvoll. Die Havana Brown gilt als eine der am stärksten gefährdeten Katzenrassen überhaupt.

Aussehen: Braun von Kopf bis Pfote

Das Fell der Havana Brown ist ihr offensichtlichstes Merkmal, und es ist tatsächlich einzigartig in der Katzenwelt. Kein anderer Rassestandard verlangt ein so gleichmäßiges, durchgehendes Braun. Die Farbe liegt zwischen Mahagoni und warmem Kastanienbraun, mit einem rötlichen Schimmer, der bei Sonnenlicht besonders auffällt. Das Fell ist kurz, liegt glatt am Körper an und fühlt sich seidig an, fast wie poliertes Holz.

Der Körperbau ist mittelgroß und muskulös, dabei überraschend kräftig. Wie bei der Burmakatze wiegt die Havana Brown oft mehr, als man anhand ihrer Größe erwarten würde. Die Beine sind proportional zum Körper, die Hinterbeine geringfügig länger als die Vorderbeine.

Ein Merkmal unterscheidet die Havana Brown von allen anderen Katzenrassen: die Schnauzenform. Von vorne betrachtet wirkt die Schnauze fast quadratisch, wie ein Maiskolben. Dieses sogenannte "Corn Cob Muzzle" ist im Rassestandard verankert und gibt dem Gesicht einen ganz eigenen Ausdruck. Der Kinnansatz ist kräftig, die Wangen moderat ausgeprägt.

Die Augen sind groß, oval und in einem klaren, leuchtenden Grün. Je intensiver das Grün, desto besser entspricht die Katze dem Standard. Kitten kommen häufig mit helleren Augen zur Welt, die sich in den ersten Monaten zu ihrem endgültigen Grünton entwickeln. Die Ohren sind groß, leicht nach vorne geneigt und an den Spitzen abgerundet. Im Zusammenspiel mit den grünen Augen und dem braunen Fell entsteht ein Erscheinungsbild, das man einmal gesehen nicht mehr vergisst.

Charakter und Wesen

Die Havana Brown ist eine Katze, die Kontakt will. Nicht gelegentlich, nicht auf Anfrage, sondern immer. Sie folgt ihrem Menschen durch die Wohnung, sitzt neben ihm auf dem Sofa, schläft auf seinem Kissen und kommentiert den Tag mit leisen, melodischen Lauten. Der Vergleich mit einem Hund fällt bei dieser Rasse regelmäßig, und er trifft den Kern: Die Havana Brown orientiert sich stark an ihrer Bezugsperson und will wissen, was gerade passiert.

Die Pfoten-Katze

Eine Besonderheit, die fast jeder Havana-Brown-Besitzer beschreibt: Diese Katze benutzt ihre Pfoten anders als andere Rassen. Sie streckt die Pfote aus, um Gegenstände zu untersuchen, berührt damit das Gesicht ihres Menschen und greift nach Spielzeug, statt nur danach zu schlagen. Manche Besitzer berichten, dass ihre Havana Brown sie sanft an der Hand oder am Arm berührt, um Aufmerksamkeit einzufordern. Dieses taktile Verhalten ist ungewöhnlich ausgeprägt und gilt als rassetypisch.

Energie und Spieltrieb

Das Aktivitätsniveau der Havana Brown liegt im moderaten Bereich. Sie ist kein Wirbelwind wie eine Abessinier oder Bengalkatze, braucht aber tägliche Spielsessions und geistige Anregung. Fummelbretter, Clickertraining und interaktives Spielzeug halten sie zufrieden. Ohne Beschäftigung kann sie erfinderisch werden und sich eigene Unterhaltung suchen, was gelegentlich auf Kosten der Wohnungseinrichtung geht.

Die Havana Brown lernt schnell. Tricks beibringen, an der Leine spazieren, auf Ruf kommen: Vieles, was man sonst eher Hunden zuschreibt, funktioniert mit dieser Rasse erstaunlich gut.

Kommunikation

Im Vergleich zur Siamkatze, die zu ihren Vorfahren zählt, ist die Havana Brown leiser. Sie kommuniziert zwar regelmäßig mit ihrem Menschen, aber in einer sanften, melodischen Tonlage. Das typische Miauen einer Havana Brown ist eher ein Trillern oder Gurren als ein lauter Ruf. Wer empfindliche Nachbarn hat, muss sich keine Sorgen machen.

Haltung und Pflege

Die Havana Brown eignet sich gut für die Wohnungshaltung. Freigang ist kein Muss, solange die Wohnung genug Klettermöglichkeiten, Aussichtspunkte und Beschäftigungsangebote bietet. Ein gesicherter Balkon ist ein willkommenes Extra.

Keine Katze für Vielreisende

Der wichtigste Punkt bei der Haltung: Die Havana Brown verträgt Einsamkeit schlecht. Wenn du regelmäßig acht oder mehr Stunden außer Haus bist, brauchst du eine Zweitkatze. Auch bei kürzerer Abwesenheit profitiert die Havana Brown von einem Artgenossen, idealerweise einer ähnlich geselligen Rasse wie der Burmakatze oder einer Russisch Blau. Langfristiges Alleinsein führt bei dieser Rasse zu Stress, der sich in übermäßigem Miauen, Unsauberkeit oder Überputzen äußern kann.

Mit Kindern versteht sich die Havana Brown gut, solange diese alt genug sind, respektvoll mit der Katze umzugehen. Ihre Geduld und ihre Neugier machen sie zu einer guten Familienkatze. Auch mit Hunden kommt sie bei behutsamer Gewöhnung zurecht.

Fellpflege

Das kurze Fell ist pflegeleicht. Einmal pro Woche mit einer weichen Bürste oder einem Tuch über das Fell streichen genügt, um den seidigen Glanz zu erhalten. Die Havana Brown hat wenig Unterwolle und haart vergleichsweise wenig. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst kann man auf zweimal wöchentliches Bürsten erhöhen, aber auch dann bleibt der Aufwand gering.

Ohren und Augen einmal pro Woche kontrollieren. Bei den Ohren kann sich gelegentlich etwas Cerumen ansammeln, das mit einem weichen Tuch vorsichtig entfernt werden kann.

Gesundheit

Die Havana Brown ist grundsätzlich eine gesunde Rasse ohne gehäufte schwere Erbkrankheiten. Die größte Sorge der Züchtergemeinschaft ist nicht eine bestimmte Krankheit, sondern der kleine Genpool.

Genpool und Inzuchtproblematik

Bei einer weltweiten Population von geschätzt nur 1.000 Tieren ist die genetische Vielfalt naturgemäß eingeschränkt. Ein enger Genpool kann langfristig zu reduzierten Fruchtbarkeit, kleinen Wurfgrößen und einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten führen. Seriöse Züchter arbeiten aktiv daran, die genetische Basis zu erweitern, unter anderem durch genehmigte Outcross-Programme mit verwandten Rassen. Wer eine Havana Brown kauft, sollte beim Züchter nach dem Inzuchtkoeffizienten der Elterntiere fragen.

Allgemeine Gesundheitsrisiken

Wie bei vielen Katzenrassen können Zahnprobleme, Harnwegserkrankungen und im Alter Niereninsuffizienz auftreten. Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) kommt vereinzelt vor, ist aber bei der Havana Brown nicht häufiger als bei anderen Rassen. Jährliche Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt sind Standard. Ab dem achten Lebensjahr empfiehlt sich ein Blutbild, um Nieren- und Schilddrüsenwerte zu überwachen.

Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 15 Jahren, wobei bei guter Haltung und Pflege auch höhere Alter möglich sind.

Ernährung

Die Havana Brown stellt keine besonderen Ansprüche an ihr Futter, profitiert aber wie alle Katzen von einer hochwertigen Ernährung. Nassfutter mit einem Fleischanteil von mindestens 60 % bildet die Grundlage. Getreide, Zucker und pflanzliche Nebenerzeugnisse sollten nicht enthalten sein. Trockenfutter kann ergänzend gegeben werden, ersetzt aber nicht die Nassmahlzeiten, weil Katzen über Nassfutter einen Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs decken.

Eine erwachsene Havana Brown mit einem Gewicht von 3,5 bis 4,5 kg benötigt bei normaler Aktivität etwa 200 bis 280 kcal pro Tag. Feste Fütterungszeiten mit zwei bis drei Mahlzeiten eignen sich besser als Futter zur freien Verfügung, damit sich kein Übergewicht einschleicht. Das Gewicht regelmäßig kontrollieren, denn der muskulöse Körperbau kann leichtes Übergewicht optisch kaschieren.

Frisches Wasser muss jederzeit zugänglich sein. Manche Havana Brown trinken lieber aus einem Trinkbrunnen als aus einem stehenden Napf.

Für wen ist die Havana Brown geeignet?

Die Havana Brown passt zu Menschen, die viel Zeit zu Hause verbringen und sich eine enge, fast partnerschaftliche Beziehung zu ihrer Katze wünschen.

Singles und Paare im Homeoffice finden in der Havana Brown eine treue Begleiterin, die neben dem Laptop liegt, den Arbeitstag kommentiert und abends auf dem Sofa die Nähe sucht. Wer Vollzeit außer Haus arbeitet, sollte eine Zweitkatze einplanen.

Familien mit älteren Kindern profitieren von der Geduld und Spielfreude der Rasse. Die Havana Brown genießt die Aufmerksamkeit mehrerer Familienmitglieder und langweilt sich in einem lebhaften Haushalt weniger schnell.

Senioren, die einen ruhigen Alltag führen und täglich Gesellschaft möchten, sind mit der Havana Brown gut beraten. Der geringe Pflegeaufwand macht sie unkompliziert im Alltag.

Nicht geeignet ist die Rasse für Menschen, die eine unabhängige, zurückhaltende Katze suchen. Die Havana Brown ist das Gegenteil: Sie will bei dir sein, will berührt werden und lässt dich das auch wissen.

Anschaffung: Geduld mitbringen

Eine Havana Brown zu finden, ist das Schwierigste an der ganzen Sache. In Europa gibt es nur eine Handvoll Züchter, in den USA einige mehr, aber auch dort ist die Rasse selten. Wartelisten von ein bis zwei Jahren sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Manche Interessenten suchen noch länger.

Der Preis für ein Kitten mit Stammbaum, vollständigen Impfungen und Gesundheitstests liegt bei seriösen Züchtern zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Die hohen Preise spiegeln die Seltenheit der Rasse und den Aufwand wider, den Züchter betreiben, um die genetische Vielfalt zu erhalten. Von Angeboten ohne Papiere und Gesundheitsnachweise solltest du Abstand nehmen.

Wer sich für die Havana Brown interessiert, nimmt am besten frühzeitig Kontakt zu Züchtern auf und lässt sich auf eine Warteliste setzen. Die TICA und die CFA führen Züchterverzeichnisse, die ein guter Startpunkt sind. Sei darauf vorbereitet, dass der Züchter auch dich als zukünftigen Halter prüfen wird. Bei einer so seltenen Rasse wollen verantwortungsvolle Züchter sicherstellen, dass ihre Kitten in gute Hände kommen.

Häufige Fragen zur Havana Brown

Ist die Havana Brown eine gefährdete Rasse?

Ja. Mit geschätzt 1.000 Tieren weltweit gehört sie zu den seltensten Katzenrassen überhaupt. Züchter arbeiten aktiv daran, die Population zu stabilisieren, aber die Zuchtbasis bleibt fragil.

Kann man eine Havana Brown allein halten?

Nur wenn du den Großteil des Tages zu Hause bist und dich intensiv mit der Katze beschäftigst. Bei regelmäßiger ganztägiger Abwesenheit ist eine Zweitkatze dringend empfohlen. Die Havana Brown ist eine extrem soziale Rasse.

Was unterscheidet die Havana Brown von der Orientalisch Kurzhaar in Chocolate?

Die Orientalisch Kurzhaar kann zwar ebenfalls in Schokoladenbraun auftreten, unterscheidet sich aber im Körperbau (schlanker, zierlicher), in der Kopfform (stärker keilförmig) und im Rassestandard. Die Havana Brown ist kräftiger gebaut und hat die charakteristische quadratische Schnauzenform, die der Orientalisch Kurzhaar fehlt.

Sind Havana-Brown-Katzen für Anfänger geeignet?

Ja, was die Pflege betrifft. Der Charakter ist unkompliziert, das Fell pflegeleicht. Die Herausforderung liegt eher darin, überhaupt ein Kitten zu finden. Die hohe Sozialbedürftigkeit sollte man aber ernst nehmen und genug Zeit für die Katze einplanen.

Nächster Schritt

Rassengerechte Ernährung für deine Katze

Manche Rassen haben besondere Ernährungsbedürfnisse. Unser Futter-Finder berücksichtigt das.