Happy Cat klingt sympathisch und die Verpackung sieht hochwertig aus. Dahinter steckt Interquell GmbH aus dem bayerischen Wehringen, ein Familienunternehmen mit über 250 Jahren Geschichte in der Lebensmittelproduktion. Klingt beeindruckend. Beim Blick auf die Zutatenliste relativiert sich der Eindruck allerdings schnell: geschlossene Deklaration, niedriger deklarierter Fleischanteil und pflanzliche Nebenerzeugnisse auch im Nassfutter. Ich habe mir die drei Nassfutter-Linien genauer angeschaut.
Auf einen Blick
- Hersteller: Interquell GmbH, Wehringen (Bayern)
- Produktlinien Nassfutter: Culinary Meat in Sauce, All Meat, Minkas Duo
- Fleischanteil: 14-62% (je nach Linie und Sorte)
- Getreide: Ja (Reis in All Meat, pflanzliche Nebenerzeugnisse in Meat in Sauce)
- Zucker: Nein
- Verpackung: Pouches 85g, Schalen 100g
- Preis: ca. 9-12 EUR/kg
- Bezugsquellen: Fressnapf, zooplus, ZooRoyal, Amazon
Die Produktlinien im Überblick
Happy Cat bietet drei Nassfutter-Linien an, die sich deutlich voneinander unterscheiden.
Culinary Meat in Sauce (85g Pouches)
Die am stärksten beworbene Linie. Sechs Sorten: Land-Geflügel, Voralpen-Rind, Weide-Lamm, Land-Ente, Atlantik-Lachs und Quellwasser-Forelle. Die Sortennamen klingen nach Weidehaltung und Bergpanorama, die Zusammensetzung erzählt eine andere Geschichte.
All Meat (85g Pouches)
Die Premium-Linie mit dem höchsten Fleischanteil. Vier Sorten mit Kombinationen aus Huhn, Ente, Lamm, Truthahn und Seelachs. Enthält 4% Reis.
Minkas Duo (100g Schalen)
Die Einstiegslinie mit zwei Schichten: Häppchen unten, Paté oben. Vier Sorten, niedrigster Fleischanteil im Sortiment.
Deklaration und Zusammensetzung
Hier liegt das Hauptproblem von Happy Cat Nassfutter. Die Deklaration ist bei allen Linien geschlossen bis teiloffen. Das bedeutet: Man weiß nicht genau, was in der Dose steckt.
Meat in Sauce: Sorte "Voralpen-Rind"
| Bestandteil | Angabe |
|---|---|
| Fleisch und Innereien | davon 20% Geflügel |
| Fleisch und Innereien vom Rind | 10% |
| Pflanzliche Nebenerzeugnisse | 0,3% Apfelfaser |
| Mineralstoffe | nicht beziffert |
| Saaten | 0,03% Leinsamen |
30% deklarierter Fleischanteil. Das ist für ein Nassfutter, das "Meat in Sauce" heißt, enttäuschend. Was die restlichen 70% ausmachen, bleibt unklar. Die Bezeichnung "Fleisch und Innereien" ist eine geschlossene Gruppendeklaration. Welche Innereien genau enthalten sind und in welchem Verhältnis, erfährt man nicht.
Irritierend: Ein Futter namens "Voralpen-Rind" enthält nur 10% Rind, aber 20% Geflügel. Die namensgebende Zutat ist also die Minderheit.
All Meat: Sorte "Huhn & Ente"
| Bestandteil | Angabe |
|---|---|
| Fleisch und Innereien von Huhn und Truthahn | 42% |
| Ente | 10% |
| Reis | 4% |
| Mineralstoffe | nicht beziffert |
| Distelöl | 0,2% |
52% deklarierter Fleischanteil bei der All Meat Linie. Deutlich besser als Meat in Sauce, aber immer noch hinter vielen Wettbewerbern. Der Reis macht die Linie nicht getreidefrei, was für ein als "All Meat" beworbenes Produkt widersprüchlich wirkt. 4% Reis in einem "All Meat" Futter ist schlicht irreführend.
Minkas Duo: Sorte "Geflügel & Rind"
| Bestandteil | Angabe |
|---|---|
| Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse | 20% Geflügel, 14% Rind |
| Mineralstoffe | nicht beziffert |
| Inulin | 0,1% |
34% deklarierter Fleischanteil. Bei der Minkas-Linie fallen sogar die Bezeichnungen zurück auf "tierische Nebenerzeugnisse" statt "Innereien". Das lässt mehr Spielraum für minderwertige Bestandteile.
Analytische Bestandteile im Vergleich
| Wert | Meat in Sauce | All Meat | Minkas Duo |
|---|---|---|---|
| Rohprotein | 8,0% | 10,5% | 8,5% |
| Rohfett | 4,5% | 5,0% | 4,5% |
| Rohfaser | 0,3% | 0,8% | 0,3% |
| Rohasche | 2,0% | 2,2% | 2,0% |
| Feuchtigkeit | 82,0% | 80,5% | 82,0% |
Der niedrige Rohproteingehalt von 8,0% bei Meat in Sauce bestätigt den geringen Fleischanteil. Umgerechnet auf die Trockenmasse ergibt das ca. 44% Protein. Bei All Meat sind es immerhin 54%. Zum Vergleich: Hochwertige Nassfutter mit 90%+ Fleischanteil liegen bei 55-60% Protein in der Trockenmasse.
Praxistest mit Milo und Polly
Milo (10, EKH, wählerisch, empfindlicher Magen)
Milo hat die Meat in Sauce Sorten überraschend gut akzeptiert. Die Sauce scheint ihm zu gefallen. Von den sechs getesteten Sorten hat er fünf gefressen, nur Quellwasser-Forelle blieb stehen. All Meat ging ebenfalls, Minkas Duo hat er nach zwei Tagen verweigert.
Verdauungsprobleme gab es keine. Der niedrige Proteingehalt und die eher milde Zusammensetzung scheinen magenfreundlich zu sein, was allerdings kein Qualitätszeichen ist, sondern eher am geringen Fleischanteil liegt.
Polly (4, BKH, frisst alles, auf Diät bei 5,2 kg)
Polly hat alles gefressen, ohne zu zögern. Für ihre Diät ist der moderate Fettgehalt von 4,5-5,0% akzeptabel. Allerdings: Der niedrige Proteingehalt von 8% bei Meat in Sauce bedeutet, dass Polly größere Portionen braucht, um ihren Proteinbedarf zu decken. Das konterkariert den Diät-Gedanken.
Preis-Leistung
Happy Cat Nassfutter liegt preislich im Mittelfeld, bietet für den Preis aber vergleichsweise wenig Fleisch.
| Linie | Kilopreis (ca.) | Deklarierter Fleischanteil |
|---|---|---|
| Meat in Sauce | 9-11 EUR | 30% |
| All Meat | 9-12 EUR | 42-62% |
| Minkas Duo | 8-10 EUR | 14-34% |
Für eine 4 kg schwere Katze (ca. 200-250g Nassfutter pro Tag):
| Zeitraum | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Pro Tag | 1,80-2,50 EUR |
| Pro Monat | 55-75 EUR |
Im Vergleich: Animonda Carny bietet 60-70% Fleischanteil für 6-9 EUR/kg. MjAMjAM liefert bis zu 96% Fleisch für 8-12 EUR/kg. Beide Marken haben eine bessere Deklaration und kosten gleich viel oder weniger.
Vorteile
- Gute Akzeptanz bei den meisten Katzen
- Kein Zucker, keine künstlichen Farb- oder Konservierungsstoffe
- Breites Sortiment mit Speziallinien (Sensitive, Kitten, Sterilised)
- Produktion in Deutschland
- Überall erhältlich (Fressnapf, zooplus, stationärer Handel)
Nachteile
- Geschlossene Deklaration bei allen Nassfutter-Linien
- Niedriger deklarierter Fleischanteil (30% bei Meat in Sauce)
- Pflanzliche Nebenerzeugnisse im Nassfutter
- "All Meat" enthält Reis (irreführende Produktbezeichnung)
- Rohproteinwerte unter dem Niveau vergleichbar bepreister Marken
- Namensgebende Zutat oft in der Minderheit (10% Rind bei "Voralpen-Rind")
Fazit
Happy Cat investiert viel in Marketing und Verpackung, weniger in die Rezeptur. Die geschlossene Deklaration und der geringe Fleischanteil passen nicht zum Premium-Anspruch der Marke. Wer ein solides Nassfutter in der gleichen Preisklasse sucht, findet bei Animonda Carny oder MjAMjAM mehr Fleisch und mehr Transparenz. Happy Cat ist kein schlechtes Futter, aber es gibt bessere Optionen für das gleiche Geld.
Häufige Fragen
Ist Happy Cat gutes Katzenfutter?
Happy Cat Nassfutter ist akzeptabel, aber kein Premium-Futter. Der deklarierte Fleischanteil liegt bei der meistverkauften Linie (Meat in Sauce) bei nur 30%. Die geschlossene Deklaration macht eine genaue Bewertung der Inhaltsstoffe schwierig. Für den aufgerufenen Preis von 9-12 EUR/kg gibt es bessere Alternativen mit mehr Fleisch und offenerer Deklaration.
Wie hoch ist der Fleischanteil bei Happy Cat Nassfutter?
Das variiert stark zwischen den Linien: Meat in Sauce deklariert ca. 30% Fleisch und Innereien, All Meat kommt auf 42-62%, Minkas Duo auf 14-34%. Happy Cat bewirbt zwar bis zu 88% tierischen Proteinanteil am Gesamtprotein, das ist aber nicht gleichbedeutend mit 88% Fleischanteil.
Enthält Happy Cat Getreide?
Die Meat in Sauce Linie enthält pflanzliche Nebenerzeugnisse (Apfelfaser). Die All Meat Linie enthält 4% Reis. Minkas Duo ist frei von explizit deklariertem Getreide, enthält aber tierische Nebenerzeugnisse ohne nähere Aufschlüsselung. Wer ein komplett getreidefreies Nassfutter sucht, muss genau auf die jeweilige Linie achten.
Was kostet Happy Cat Nassfutter pro Monat?
Für eine durchschnittliche Katze (4 kg) ca. 55-75 EUR pro Monat. Damit liegt Happy Cat über dem Preis von Animonda Carny (40-50 EUR) bei gleichzeitig niedrigerem Fleischanteil. Marken wie MjAMjAM oder Leonardo bieten für einen ähnlichen oder leicht höheren Preis deutlich mehr Fleisch.
Wo wird Happy Cat hergestellt?
Happy Cat wird von der Interquell GmbH in Wehringen bei Augsburg (Bayern) produziert. Das Unternehmen ist seit 1765 in der Lebensmittelproduktion tätig und stellt seit 1965 Tiernahrung her. Laut Hersteller stammen bis zu 80% der Rohstoffe aus der Region um Augsburg.



