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Kratzbaum für Katzen: Worauf es wirklich ankommt

Ein guter Kratzbaum ist Pflicht für jede Wohnungskatze. Welche Größe, welches Material und worauf du beim Kauf achten solltest.

Katze auf großem Kratzbaum

Mein erster Kratzbaum war ein 50-Euro-Teil aus dem Baumarkt. Plüschüberzug, dünner Stamm, wackelige Bodenplatte. Polly hat ihn genau einmal beschnuppert und sich dann wieder dem Sofa gewidmet. Milo hat sich draufgestellt, der Baum hat geschwankt, und das war's. Beide Katzen haben den Kratzbaum ignoriert, als stünde er gar nicht im Raum.

Kurz gesagt: Ein Kratzbaum muss stabil sein, hoch genug zum Strecken und aus einem Material, das Katzen tatsächlich kratzen wollen. Wer hier spart, kauft zweimal.

Warum jede Katze einen Kratzbaum braucht

Kratzen ist kein Hobby, das deine Katze sich ausgesucht hat. Es ist ein biologisches Grundbedürfnis. Beim Kratzen pflegt deine Katze ihre Krallen, dehnt Schultern und Rückenmuskulatur und hinterlässt Duftmarken über die Drüsen zwischen den Zehen. Mehr zu den Hintergründen findest du im Artikel über Kratzen an Möbeln.

Für Wohnungskatzen kommt eine weitere Funktion dazu: Der Kratzbaum ist Klettermöglichkeit, Aussichtspunkt und Rückzugsort in einem. In der Natur klettern Katzen auf Bäume, um ihr Umfeld zu überblicken. In der Wohnung übernimmt der Kratzbaum diese Rolle. Ohne ihn fehlt deiner Katze ein zentrales Stück Lebensqualität.

Die richtige Größe: Höhe ist entscheidend

Deine Katze muss sich beim Kratzen komplett ausstrecken können. Das bedeutet: Die Kratzfläche am Stamm muss mindestens so lang sein wie deine Katze von den Vorderpfoten bis zu den Hinterpfoten bei gestrecktem Körper. Bei einer durchschnittlichen Hauskatze sind das 60 bis 70 cm Stammlänge. Ist der Stamm kürzer, wird deine Katze sich eine Fläche suchen, an der sie sich voll ausstrecken kann. Im Zweifel dein Türrahmen.

Die Gesamthöhe des Kratzbaums bestimmt, wie attraktiv er als Aussichtspunkt ist. Katzen wollen hoch sitzen. Ein Kratzbaum, der auf Augenhöhe endet, ist weniger interessant als einer, der bis knapp unter die Decke reicht. Deckenhohe Modelle mit Deckenspanner sind bei vielen Katzen die beliebteste Variante, weil sie gleichzeitig maximale Stabilität bieten.

Stabilität: Kein Wackeln, kein Kippen

Ein Kratzbaum, der beim ersten Anlauf schwankt, hat verloren. Deine Katze springt mit Anlauf auf Plattformen, lehnt sich mit vollem Gewicht gegen den Stamm und klettert mit Schwung nach oben. Wenn der Baum dabei auch nur leicht kippt, wird sie ihn meiden.

Schwere Bodenplatte. Je schwerer die Basis, desto stabiler der Baum. Bodenplatten aus MDF oder Spanplatte sollten mindestens 2 cm dick sein und deutlich über die Grundfläche der Stämme hinausragen. Bei größeren Kratzbäumen ab 150 cm Höhe reicht eine Bodenplatte oft nicht mehr aus.

Wandbefestigung. Für hohe Kratzbäume die sicherste Lösung. Zwei Winkel an der Wand, dazu der Kratzbaum, und nichts wackelt mehr. Das sieht nicht elegant aus, aber deine Katze wird den Baum deutlich lieber nutzen.

Deckenspanner. Deckenhohe Modelle werden zwischen Boden und Decke verspannt. Das funktioniert gut in Räumen mit fester Decke. Bei Altbau-Stuckdecken oder abgehängten Decken lieber auf Wandbefestigung ausweichen.

Material: Sisal, Teppich oder Pappe?

Das Material der Kratzfläche entscheidet, ob deine Katze den Baum annimmt oder ignoriert.

Sisal-Seil

Der Klassiker und für die meisten Katzen die beste Wahl. Sisalseil wird um den Stamm gewickelt und bietet eine raue, faserige Oberfläche, in die Katzen ihre Krallen gut einschlagen können. Milo bearbeitet seinen Sisalstamm mehrmals täglich und zieht ihn jeder anderen Oberfläche vor. Gutes Sisal ist eng gewickelt und mit Kleber fixiert, nicht nur getackert. Getackerte Seile lösen sich nach Wochen und hängen in Schlaufen herunter.

Sisal-Teppich

Flache Sisalmatten auf Plattformen oder Brettern. Die Textur ist ähnlich wie beim Seil, aber glatter. Manche Katzen mögen das, andere bevorzugen die gröbere Struktur des Seils. Gerade für horizontale Kratzer eine gute Option.

Plüsch und Teppichstoff

Sieht gemütlich aus, taugt aber als Kratzfläche wenig. Die weiche Textur gibt zu leicht nach und bietet den Krallen keinen Widerstand. Plüsch ist als Bezug für Liegeflächen und Höhlen in Ordnung. Als Kratzfläche ist es die falsche Wahl.

Wellpappe

Günstig, leicht austauschbar und bei vielen Katzen beliebt. Wellpappe eignet sich besonders als Ergänzung: ein Kratzbrett aus Pappe neben dem Hauptkratzbaum, auf dem Boden oder schräg an die Wand gelehnt. Als alleiniger Kratzbaum-Ersatz reicht Pappe nicht, weil sie zu schnell verschleißt und nicht zum Klettern einlädt.

Plattformen, Höhlen und Liegeflächen

Ein Kratzbaum, der nur aus einem Stamm besteht, ist ein Kratzstamm. Das ist für die Krallenpflege ausreichend, aber verschenkt Potenzial. Gute Kratzbäume bieten mehrere Ebenen.

Plattformen auf verschiedenen Höhen laden zum Klettern ein. Wichtig: Die Plattformen müssen groß genug sein, dass deine Katze bequem darauf liegen kann, nicht nur draufstehen. Mindestens 35 x 35 cm für eine normale Katze, besser 40 x 50 cm.

Höhlen sind Rückzugsorte. Gerade in einem Mehrkatzenhaushalt brauchen Katzen Plätze, an denen sie sich ungestört zurückziehen können. Eine Höhle auf halber Höhe des Kratzbaums wird oft zum Lieblingsversteck.

Hängematten zwischen zwei Stämmen oder unter einer Plattform sind bei vielen Katzen beliebt. Polly liegt stundenlang in ihrer Hängematte und schaut von oben aufs Geschehen. Die Hängematte muss allerdings stabil vernäht sein und das Gewicht deiner Katze tragen, ohne durchzuhängen.

Der richtige Standort

Der teuerste Kratzbaum wird ignoriert, wenn er in der hintersten Ecke steht. Katzen kratzen und klettern dort, wo das Leben stattfindet.

Am Fenster ist fast immer ein guter Platz. Deine Katze kann draußen Vögel beobachten und hat gleichzeitig einen erhöhten Aussichtspunkt auf den Raum. Wenn möglich, stell den Kratzbaum so, dass die oberste Plattform auf Fensterhöhe liegt.

Im Wohnzimmer oder dort, wo du dich am meisten aufhältst. Katzen sind sozialer als ihr Ruf. Sie wollen in der Nähe ihrer Menschen sein, aber auf eigenen Bedingungen: ein Stück erhöht, mit Überblick, aber nicht mitten im Trubel.

Neben dem Schlafplatz funktioniert ebenfalls gut, weil Katzen nach dem Aufwachen sofort kratzen und sich strecken wollen.

Was nicht funktioniert: Abstellkammer, Keller, unbenutztes Gästezimmer. Dort wird kein Kratzbaum der Welt benutzt.

Große Rassen, große Anforderungen

Für Maine Coons, Ragdolls und andere große Rassen gelten andere Maßstäbe. Ein Maine-Coon-Kater wiegt locker 8 bis 10 Kilo und misst von Nase bis Schwanzspitze über einen Meter. Standardkratzbäume sind für diese Tiere zu klein und zu instabil.

Die Stämme sollten mindestens 12 cm Durchmesser haben, besser 15 cm. Plattformen ab 50 x 50 cm, Höhlen mit mindestens 40 cm Innendurchmesser. Die Bodenplatte muss das Gewicht einer springenden Großkatze abfangen. Wandbefestigung ist bei großen Rassen keine Option, sondern Pflicht.

Einige Hersteller bieten spezielle XXL-Kratzbäume an. Die kosten mehr, halten aber auch deutlich länger als ein normaler Kratzbaum, der unter dem Gewicht einer großen Katze nach Monaten auseinanderfällt.

Selbst bauen: DIY-Kratzbaum

Wer handwerklich geschickt ist, kann sich einen Kratzbaum nach Maß bauen. Die Basis bilden Kanthölzer oder dicke Naturholzstämme (Birke eignet sich gut), befestigt auf einer stabilen Holzplatte. Sisalseil zum Umwickeln gibt es meterweise im Baumarkt. Liegeflächen lassen sich aus Multiplex-Platten zusägen und mit Teppichresten oder Kunstfell beziehen.

Vorteil: Du bestimmst Höhe, Breite und Anordnung selbst und kannst den Baum an deine Wohnung anpassen. Nachteil: Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen. Für meinen DIY-Kratzbaum habe ich zwei Wochenenden gebraucht. Aber er steht seit vier Jahren und ist stabiler als alles, was ich vorher gekauft habe.

Achte beim Selbstbau auf ungiftige Materialien. Kein behandeltes Holz, kein Leim mit Lösungsmitteln, keine Stoffe mit chemischer Imprägnierung. Katzen lecken und kauen an ihrem Kratzbaum.

Wann der Kratzbaum ausgetauscht werden muss

Sisalseil hält je nach Nutzung ein bis drei Jahre. Wenn die Fasern so weit abgerupft sind, dass der Stamm darunter glatt ist, bietet die Fläche keinen Widerstand mehr. Deine Katze wird sich eine andere Stelle suchen. Bei hochwertigen Kratzbäumen lässt sich das Seil nachwickeln, ohne den ganzen Baum zu ersetzen.

Wackelnde Verbindungen sind ein Zeichen, dass die Schrauben sich gelöst haben. Nachziehen hilft oft. Wenn die Gewinde ausgerissen sind, wird es Zeit für einen neuen Baum.

Durchgelegene Hängematten, eingerissene Höhlen, abgesplitterte Plattformen: All das senkt die Attraktivität und kann zur Verletzungsquelle werden. Lieber rechtzeitig austauschen, bevor deine Katze den Kratzbaum meidet und sich wieder den Möbeln zuwendet.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte ein Kratzbaum mindestens sein?

Mindestens so hoch, dass die Katze sich beim Kratzen komplett ausstrecken kann. Das sind bei den meisten Katzen 60 bis 70 cm für die Kratzsäule. Ein Kratzbaum mit einer erhöhten Liegeplattform ab 120 cm Gesamthöhe ist für die meisten Katzen besser als ein niedriger.

Aus welchem Material soll ein Kratzbaum sein?

Sisalsäulen für das Kratzen (Katzen mögen die raue Textur). Plüsch oder Fleece für Liegeplattformen. Wichtig: stabiles Fundament, das nicht kippt. Ein wackliger Kratzbaum wird von Katzen gemieden. Sisal-Kratzbäume halten länger als gewebte Alternativen.

Wo stelle ich den Kratzbaum am besten hin?

Dort, wo die Katze viel Zeit verbringt: neben dem Sofa, am Fenster oder in der Nähe des Schlafplatzes. Katzen kratzen oft nach dem Aufwachen zur Dehnung. Ein Fensterplatz mit Aussicht erhöht die Akzeptanz erheblich.

Meine Katze benutzt den neuen Kratzbaum nicht. Was tun?

Sisal mit Katzenminze oder Baldrian einreiben, Spielzeug am Kratzbaum befestigen, die Krallen sanft an der Säule führen (nicht zwingen), den Kratzbaum an einen attraktivenStandort stellen. Es kann Wochen dauern, bis eine Katze einen neuen Kratzbaum akzeptiert. Nie den alten wegwerfen, bevor der neue angenommen wird.

Nächster Schritt

Ernährung ist die Basis für ein gesundes Leben

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