Katzenohren sind Präzisionsinstrumente. Sie hören Frequenzen bis 65.000 Hz, können sich unabhängig voneinander um 180 Grad drehen und registrieren selbst das leise Rascheln einer Maus hinter der Wand. Genau deshalb verdienen sie Aufmerksamkeit, wenn etwas nicht stimmt. Kopfschütteln, häufiges Kratzen oder unangenehmer Geruch aus dem Ohr sind Warnsignale, die du nicht ignorieren solltest.
Wie Katzenohren aufgebaut sind
Das Katzenohr besteht aus drei Bereichen: dem äußeren Ohr, dem Mittelohr und dem Innenohr.
Das äußere Ohr umfasst die sichtbare Ohrmuschel (Pinna) und den Gehörgang. Die Ohrmuschel fängt Schallwellen auf und leitet sie in den Gehörgang. Dieser verläuft bei Katzen zunächst senkrecht nach unten, knickt dann fast rechtwinklig ab und führt horizontal zum Trommelfell. Dieser L-förmige Verlauf ist der Grund, warum Wattestäbchen im Ohr so gefährlich sind: Du siehst nicht, wohin du drückst, und schiebst Schmutz leicht Richtung Trommelfell.
Das Mittelohr liegt hinter dem Trommelfell. Dort sitzen die drei Gehörknöchelchen, die Schallschwingungen verstärken und ans Innenohr weiterleiten. Infektionen, die bis ins Mittelohr vordringen (Otitis media), sind deutlich schwerer zu behandeln als Entzündungen im äußeren Gehörgang.
Das Innenohr enthält die Hörschnecke und das Gleichgewichtsorgan. Wenn eine Katze plötzlich den Kopf schief hält, im Kreis läuft oder die Balance verliert, kann eine Erkrankung des Innenohrs dahinterstecken.
Häufige Ohrenprobleme bei Katzen
Ohrenmilben (Otodectes cynotis)
Der häufigste Grund für Ohrenprobleme, besonders bei jungen Katzen und Tieren aus dem Tierschutz. Ohrenmilben produzieren ein charakteristisches dunkelbraunes, bröckeliges Sekret, das an Kaffeesatz erinnert. Die Katze kratzt sich intensiv an den Ohren und schüttelt den Kopf. Milben sind hochansteckend zwischen Katzen (und auch Hunden), gehen aber nicht auf Menschen über.
Bakterielle Ohrenentzündung (Otitis externa)
Bakterien wie Staphylokokken oder Pseudomonas besiedeln den Gehörgang, wenn die natürliche Hautbarriere gestört ist. Das passiert nach Verletzungen, durch Feuchtigkeit im Ohr oder als Folge einer Allergie. Das Ohr produziert gelblichen bis grünlichen Ausfluss und riecht oft unangenehm. Die Ohrmuschel ist gerötet und geschwollen. Ohne Behandlung kann die Entzündung auf das Mittelohr übergreifen.
Hefepilzinfektion (Malassezia)
Hefepilze kommen natürlicherweise in kleiner Zahl im Katzenohr vor. Wenn das Gleichgewicht kippt, etwa durch ein geschwächtes Immunsystem, Antibiotikatherapie oder eine Grunderkrankung wie Allergie, vermehren sie sich unkontrolliert. Typisch: ein wachsartiges, bräunliches Sekret und ein süßlich-muffiger Geruch. Der Juckreiz ist oft weniger ausgeprägt als bei Milben, aber die Entzündung kann hartnäckig sein.
Polypen
Nasopharyngeale Polypen sind gutartige Wucherungen, die aus dem Mittelohr in den Gehörgang oder in den Rachenraum hineinwachsen. Sie kommen vor allem bei jungen Katzen vor. Symptome: Atemgeräusche, chronischer Ohrausfluss, Kopfschiefhaltung. Die Behandlung erfordert eine chirurgische Entfernung. Polypen wachsen nach einfachem Abreißen häufig nach, weshalb der Tierarzt manchmal zusätzlich die Bulla (den knöchernen Hohlraum des Mittelohrs) eröffnen muss.
Fremdkörper
Grannen (die Widerhaken-Ährenteile bestimmter Gräser) sind der klassische Fremdkörper im Katzenohr. Sie arbeiten sich durch die Barttrichterbewegung immer tiefer in den Gehörgang und können das Trommelfell durchstoßen. Freigänger sind im Sommer besonders gefährdet. Wenn deine Katze nach einem Aufenthalt im Freien plötzlich heftig den Kopf schüttelt und sich einseitig am Ohr kratzt, lass den Gehörgang zeitnah untersuchen.
Symptome: Wann stimmt etwas nicht?
Gesunde Katzenohren sind innen blassrosa, trocken und nahezu geruchlos. Ein wenig hellbraunes Ohrenschmalz ist normal. Folgende Veränderungen sind Warnsignale:
- Häufiges Kopfschütteln oder Kratzen an den Ohren
- Kopfschiefhaltung (ein Ohr tiefer als das andere)
- Dunkles, bröckeliges oder eitriges Sekret im Gehörgang
- Rötung, Schwellung oder Krustenbildung an der Ohrmuschel
- Unangenehmer Geruch aus dem Ohr
- Schmerzreaktion bei Berührung der Ohrbasis
- Gleichgewichtsstörungen, Kreislaufen oder Orientierungslosigkeit
Einseitige Symptome sprechen für einen Fremdkörper, eine Verletzung oder einen Polypen. Sind beide Ohren betroffen, liegen eher Milben, eine Allergie oder eine systemische Infektion vor.
Katzenohren richtig reinigen
Die meisten Katzen brauchen keine regelmäßige Ohrreinigung. Der Gehörgang reinigt sich selbst: Abgestoßene Hautzellen und Ohrenschmalz wandern langsam nach außen. Gesunde Ohren in Ruhe lassen ist die beste Pflege.
Eine Reinigung ist sinnvoll, wenn der Tierarzt sie empfiehlt, etwa vor dem Auftragen von Ohrentropfen oder wenn sich sichtbar mehr Sekret ansammelt als üblich.
So geht es richtig
- Verwende einen Ohrreiniger, der speziell für Katzen formuliert ist. Produkte für Menschen oder Hunde können die empfindliche Haut im Gehörgang reizen.
- Erwärme die Flasche kurz in der Hand. Kalte Flüssigkeit im Ohr ist unangenehm und führt zu Abwehrreaktionen.
- Kippe die Ohrmuschel leicht nach oben, träufle den Reiniger in den Gehörgang.
- Massiere die Ohrbasis sanft fünf bis zehn Sekunden lang. Du hörst ein leises Quietschen, wenn sich die Flüssigkeit verteilt.
- Lass die Katze den Kopf schütteln. Dabei wird gelöstes Sekret nach außen befördert.
- Wische die sichtbare Ohrmuschel mit einem weichen Tuch oder einer Kompresse ab. Nicht tiefer gehen als das, was du sehen kannst.
Was du niemals tun solltest
Wattestäbchen im Gehörgang verwenden. Sie schieben Schmutz und Sekret tiefer in den L-förmigen Kanal und können das Trommelfell perforieren. Die sichtbare Ohrmuschel damit abzuwischen ist in Ordnung, aber im Gehörgang haben sie nichts zu suchen.
Wasser oder Seife ins Ohr geben. Feuchtigkeit im Gehörgang begünstigt Bakterien- und Pilzwachstum.
Ohren reinigen, die schmerzhaft oder stark entzündet sind. Wenn deine Katze bei Berührung am Ohr zurückzuckt oder faucht, ist das ein Fall für den Tierarzt. Reinigen unter Schmerzen schadet mehr als es nützt und kann das Vertrauensverhältnis beschädigen.
Behandlung beim Tierarzt
Der Tierarzt untersucht den Gehörgang mit einem Otoskop und nimmt bei Bedarf einen Abstrich. Unter dem Mikroskop lassen sich Milben, Bakterien und Hefepilze unterscheiden, was für die richtige Behandlung entscheidend ist.
Bakterielle Infektionen werden mit antibiotischen Ohrentropfen behandelt, oft in Kombination mit einem entzündungshemmenden Wirkstoff. Hefepilze erfordern antimykotische Präparate. Ohrenmilben werden mit Spot-On-Mitteln oder speziellen Antiparasitika bekämpft. Bei chronischen oder wiederkehrenden Ohrentzündungen sucht der Tierarzt nach einer Grunderkrankung wie einer Futtermittelallergie oder einer Schilddrüsenüberfunktion.
Tief sitzende Infektionen im Mittelohr (Otitis media) benötigen oft systemische Antibiotika über mehrere Wochen. In schweren Fällen kann eine CT- oder MRT-Untersuchung nötig sein, um das Ausmaß zu beurteilen.
Scottish Folds: Ein Sonderfall
Bei Scottish Folds sind die Ohren nach vorne gefaltet, weil eine Genmutation den Knorpel verändert. Diese Faltung betrifft nicht nur die Optik. Die nach vorne geklappten Ohren verschlechtern die Belüftung des Gehörgangs. Feuchtigkeit und Wärme stauen sich, was das Risiko für bakterielle und Pilzinfektionen erhöht.
Die Kontrolle der Ohren ist bei Folds wichtiger als bei Katzen mit aufrechten Ohren, weil du Veränderungen durch die Faltung nicht so leicht siehst. Hebe die Ohrmuschel vorsichtig an, um den Gehörgang zu inspizieren. Achte auf Geruch und Sekret.
Dieselbe Knorpelmutation, die die gefalteten Ohren verursacht (Osteochondrodysplasie), führt bei vielen Scottish Folds zu schmerzhaften Gelenkveränderungen. Die Zucht dieser Rasse ist aus Tierschutzgründen umstritten.
Vorbeugung
Regelmäßig kontrollieren, selten reinigen. Wirf einmal pro Woche einen Blick in die Ohren deiner Katze. Wenn sie sauber und blassrosa sind, lass sie so. Reinige nur, wenn sich tatsächlich Sekret ansammelt oder der Tierarzt es empfiehlt. Übermäßiges Reinigen zerstört die natürliche Schutzschicht im Gehörgang.
Freigänger nach dem Sommer-Ausgang checken. Besonders in der Grannensaison (Juni bis September) lohnt sich ein kurzer Blick ins Ohr nach jedem Freigang.
Neue Katzen untersuchen lassen. Bevor ein neues Tier mit deinen vorhandenen Katzen Kontakt hat, sollte der Tierarzt die Ohren kontrollieren. Ohrenmilben verbreiten sich im Mehrkatzenhaushalt rasend schnell.
Feuchtigkeit vermeiden. Achte beim Baden (falls überhaupt nötig) darauf, dass kein Wasser in die Ohren gelangt. Ein Wattebausch in der Ohrmuschel kann das während des Waschens verhindern.
Allergien abklären. Wiederkehrende Ohrentzündungen ohne erkennbare Ursache sind oft ein Zeichen einer Futtermittelallergie oder Umweltallergie. Eine Ausschlussdiät oder ein Allergietest beim Tierarzt bringt Klarheit.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Probleme mit den Ohren meiner Katze?
Typische Zeichen: häufiges Kratzen am Ohr oder Schütteln des Kopfes, dunkler krümeliger Ausfluss (Ohrenmilben), eitriger oder blutiger Ausfluss (Infektion), Geruch aus dem Ohr, Empfindlichkeit beim Berühren der Ohren oder Schiefhalten des Kopfes.
Wie reinige ich die Ohren meiner Katze?
Nur den sichtbaren Bereich mit einem feuchten Tuch oder ohrspezifischen Reinigungslösung vorsichtig reinigen. Nie Wattestäbchen in den Gehörgang einführen – das schiebt Schmutz tiefer und kann Schäden verursachen. Bei starker Verschmutzung oder Geruch immer den Tierarzt aufsuchen.
Was sind Ohrenmilben und wie werden sie behandelt?
Ohrenmilben (Otodectes cynotis) sind winzige Parasiten, die einen dunklen, kaffeesatzartigen Ausfluss verursachen. Sie sind hochgradig ansteckend unter Katzen. Behandlung: spezifische Ohrentropfen (Antiparasitika), die alle Tiere im Haushalt erhalten müssen.
Wann muss ich mit der Katze wegen der Ohren zum Tierarzt?
Bei Geruch, eitrigem Ausfluss, Blut, starker Entzündung der Ohrmuschel oder wenn die Katze den Kopf anhaltend schief hält. Ein Hämatom (Blutbeutel in der Ohrmuschel) durch übermäßiges Kratzen braucht ebenfalls tierärztliche Behandlung.


