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Milben bei Katzen: Arten, Symptome und Behandlung

Deine Katze kratzt sich oder hat kahle Stellen? Milben könnten die Ursache sein. Erfahre alles über Grabmilben, Haarbalgmilben und Herbstgrasmilben.

Milben bei Katzen: Arten, Symptome und Behandlung

Neben den bekannten Ohrenmilben gibt es mehrere andere Milbenarten, die Katzen befallen können. Grabmilben, Haarbalgmilben, Herbstgrasmilben und Pelzmilben verursachen unterschiedliche Hautprobleme, vom leichten Juckreiz bis zur schweren Räude. Die Symptome ähneln sich teilweise, die Behandlung unterscheidet sich aber je nach Milbenart. Hier erfährst du, welche Milben es gibt, wie du sie erkennst und was hilft.

Welche Milbenarten befallen Katzen?

Milben gehören zu den Spinnentieren und sind mit bloßem Auge kaum oder gar nicht sichtbar. Die vier häufigsten Arten bei Katzen (abgesehen von Ohrenmilben) sind Grabmilben, Haarbalgmilben, Herbstgrasmilben und Pelzmilben. Jede Art hat ihren eigenen Lebensraum auf oder in der Haut und verursacht typische Beschwerden.

Grabmilben (Notoedres cati): Kopfräude

Grabmilben sind die aggressivste Milbenart bei Katzen. Die Weibchen bohren sich in die obere Hautschicht (Epidermis) und legen dort ihre Eier ab. Das verursacht eine intensive Entzündungsreaktion. Diese Erkrankung wird als Kopfräude oder Notoedres-Räude bezeichnet.

Der Befall beginnt typischerweise an den Ohrrändern, breitet sich über Stirn, Augenlider und Nase aus und kann bei schwerem Verlauf den gesamten Kopf und Hals betreffen. Die betroffene Haut wird dick und faltig, bildet gelblich-graue Krusten und verliert das Fell. Der Juckreiz ist extrem: Katzen kratzen sich bis aufs Blut.

Grabmilben kommen in Mitteleuropa seltener vor als früher, treten aber immer wieder auf, besonders bei streunenden Katzen und in Katzenpopulationen ohne tierärztliche Versorgung.

Haarbalgmilben (Demodex cati und Demodex gatoi)

Bei Katzen gibt es zwei relevante Demodex-Arten. Demodex cati lebt in den Haarfollikeln und Talgdrüsen. Diese Milbe verursacht Probleme vor allem bei Katzen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch FIV, Diabetes oder Kortisontherapie. Der Befall zeigt sich durch lückenhaften Haarausfall, leichte Schuppung und gelegentlich Hautrötungen, meist ohne starken Juckreiz.

Demodex gatoi ist die problematischere Variante. Sie lebt in der oberen Hautschicht, ist ansteckend und verursacht starken Juckreiz. Betroffene Katzen lecken sich übermäßig, vor allem an Bauch und Innenschenkeln. Das exzessive Lecken führt zu symmetrischem Haarausfall, der auf den ersten Blick wie eine Allergie aussieht.

Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis)

Die Herbstgrasmilbe ist ein saisonaler Parasit. Nur die Larven sind parasitär: Sie lauern im Spätsommer und Herbst (Juli bis Oktober) in Gräsern und Büschen und heften sich an vorbeikommende Tiere. Die Larven ritzen die Haut an, injizieren ein Verdauungssekret und saugen Gewebeflüssigkeit. Nach wenigen Tagen lassen sie sich wieder abfallen.

Befallene Stellen befinden sich bevorzugt an den Pfoten (zwischen den Zehen), an den Ohrrändern und am Bauch. Die winzigen orangefarbenen Larven sind manchmal als kleine Punkte sichtbar. Der Juckreiz kann heftig sein und noch Tage anhalten, nachdem die Larven sich gelöst haben.

Pelzmilben (Cheyletiella blakei)

Pelzmilben leben auf der Hautoberfläche und ernähren sich von Hautschuppen. Sie werden deshalb auch "wandernde Schuppen" genannt, weil sich die Schuppen durch die Bewegung der Milben darunter scheinbar von selbst verschieben. Typisch ist starke Schuppenbildung, vor allem entlang des Rückens. Der Juckreiz variiert: Manche Katzen kratzen sich deutlich, andere zeigen kaum Reaktionen.

Pelzmilben sind ansteckend und kommen häufiger bei jungen Katzen aus Zuchten oder Tierheimen vor. Sie sind mit einer Lupe auf der Haut erkennbar.

Diagnose: Wie stellt der Tierarzt Milben fest?

Die Symptome verschiedener Milbenarten überschneiden sich mit Allergien, Pilzinfektionen und anderen Hauterkrankungen. Eine sichere Diagnose erfordert deshalb den Tierarztbesuch.

Hautgeschabsel ist die Standardmethode. Der Tierarzt schabt mit einem Skalpell vorsichtig die oberste Hautschicht an einer betroffenen Stelle ab und untersucht das Material unter dem Mikroskop. Bei Grabmilben findet er Milben, Eier und Kotballen in der Probe. Bei Demodex cati zeigt das tiefe Hautgeschabsel die wurmförmigen Milben in den Haarfollikeln.

Tesa-Abklatsch (Oberflächlicher Klebestreifentest) eignet sich besonders für Pelzmilben und Demodex gatoi. Ein Stück transparentes Klebeband wird auf die betroffene Hautstelle gedrückt und dann unter dem Mikroskop betrachtet. Die Milben und Eier bleiben am Klebeband haften.

Kotflotation wird manchmal ergänzend eingesetzt, weil Katzen beim Putzen Milben verschlucken. Demodex-gatoi-Milben lassen sich gelegentlich im Kot nachweisen.

Bei Grabmilben reicht manchmal schon das klinische Bild mit den typischen Krusten an den Ohrrändern für eine Verdachtsdiagnose. Der Tierarzt startet dann eine Probebehandlung: Bessert sich die Haut, bestätigt das die Diagnose.

Behandlung je nach Milbenart

Die Behandlung richtet sich nach der Milbenart und dem Schweregrad des Befalls. In allen Fällen solltest du die Therapie mit dem Tierarzt absprechen.

Spot-On-Präparate

Spot-Ons mit Wirkstoffen wie Selamectin (Stronghold) oder Moxidectin (Advocate) wirken gegen die meisten Milbenarten. Sie werden im Nacken aufgetragen und verteilen sich über die Haut. Bei Grabmilben und Demodex sind meist mehrere Anwendungen im Abstand von zwei bis vier Wochen nötig.

Systemische Medikamente

Bei schwerem Befall oder wenn Spot-Ons nicht ausreichen, verschreibt der Tierarzt Medikamente wie Ivermectin (als Injektion oder oral) oder Milbemycinoxim. Die Dosierung muss genau stimmen, denn diese Wirkstoffe können bei Überdosierung Nebenwirkungen verursachen. Selbstmedikation ist hier keine Option.

Lokale Behandlung

Bei Herbstgrasmilben reicht oft die Behandlung der betroffenen Stellen mit einem juckreizlindernden Spray oder einer Kortisoncreme. Da die Larven sich nach wenigen Tagen ohnehin lösen, zielt die Therapie hauptsächlich darauf ab, den Juckreiz zu kontrollieren. Ein Spot-On-Präparat kann vorbeugend helfen, wenn deine Katze regelmäßig betroffen ist.

Umgebungsbehandlung

Bei Pelzmilben und Cheyletiella ist die Umgebungsbehandlung wichtig. Diese Milben überleben mehrere Wochen abseits des Wirts. Wasche alle Liegeplätze, Decken und Katzenbetten bei mindestens 60 °C. Sauge Polstermöbel und Teppiche gründlich ab. Ein Umgebungsspray mit akarizider Wirkung kann bei starkem Befall sinnvoll sein.

Bei Grabmilben und Demodex spielt die Umgebungsbehandlung eine geringere Rolle, weil diese Milben außerhalb des Wirts schnell absterben.

Ansteckungsgefahr: Mensch und andere Tiere

Die Ansteckungsgefahr hängt von der Milbenart ab.

Grabmilben sind hochansteckend zwischen Katzen. Auf den Menschen können sie vorübergehend übergehen und dort juckende Hautreizungen verursachen (sogenannte Pseudokrätze). Die Milben können sich auf menschlicher Haut aber nicht fortpflanzen, und die Symptome klingen ab, sobald die Katze behandelt ist. Hunde sind für Notoedres cati wenig empfänglich.

Demodex cati ist nicht ansteckend, weder zwischen Katzen noch auf den Menschen. Demodex gatoi ist dagegen zwischen Katzen ansteckend. Alle Katzen im Haushalt sollten mitbehandelt werden. Auf Menschen geht Demodex gatoi nicht über.

Herbstgrasmilben werden nicht von Katze zu Katze oder auf den Menschen übertragen. Mensch und Katze können sich aber unabhängig voneinander draußen infizieren. Bei Menschen verursachen die Larven juckende Quaddeln, meist an Knöcheln und Unterschenkeln.

Pelzmilben sind ansteckend zwischen Katzen, Hunden und Kaninchen. Auf Menschen gehen sie vorübergehend über und verursachen juckende, gerötete Hautveränderungen an Armen und Rumpf. Die Beschwerden verschwinden, sobald die Tiere behandelt sind.

Vorbeugung

Einen vollständigen Schutz gegen alle Milbenarten gibt es nicht. Du kannst das Risiko aber verringern.

Regelmäßige Parasitenvorsorge. Spot-On-Präparate, die du ohnehin gegen Flöhe und Zecken einsetzt, wirken oft auch gegen Milben. Besprich mit deinem Tierarzt, welches Präparat für deine Katze geeignet ist.

Fellkontrolle. Untersuche das Fell deiner Katze regelmäßig auf Schuppen, kahle Stellen und Hautveränderungen. Bei Freigängern lohnt sich ein genauer Blick im Spätsommer und Herbst, wenn Herbstgrasmilben aktiv sind.

Neue Tiere untersuchen lassen. Bevor eine neue Katze Kontakt zu deinen vorhandenen Tieren hat, sollte der Tierarzt sie auf Parasiten untersuchen. Besonders bei Katzen aus dem Tierschutz oder aus Zuchten kommen Pelzmilben und Demodex gatoi vor.

Hygiene. Katzenbetten und Liegeplätze regelmäßig waschen. Bei einem aktiven Befall die gesamte Umgebung mitbehandeln, um eine erneute Ansteckung zu verhindern.

FAQ

Wie erkenne ich, welche Milbenart meine Katze hat?

Anhand der Symptome kannst du einen Verdacht haben: Krusten an den Ohren deuten auf Grabmilben hin, übermäßiges Lecken am Bauch auf Demodex gatoi, starke Schuppenbildung am Rücken auf Pelzmilben. Eine sichere Diagnose ist aber nur durch den Tierarzt möglich. Er nimmt ein Hautgeschabsel oder einen Klebestreifenabdruck und bestimmt die Art unter dem Mikroskop.

Können Milben von meiner Katze auf mich übergehen?

Das hängt von der Milbenart ab. Grabmilben und Pelzmilben können vorübergehend juckende Hautreizungen beim Menschen verursachen. Sie können sich auf menschlicher Haut aber nicht vermehren. Sobald die Katze behandelt ist, verschwinden die Symptome auch beim Menschen. Demodex-Milben der Katze sind für den Menschen nicht ansteckend.

Muss ich alle Katzen im Haushalt behandeln?

Bei Grabmilben, Demodex gatoi und Pelzmilben: ja. Diese Arten sind zwischen Katzen ansteckend, und unbehandelte Tiere stecken die behandelten immer wieder an. Auch Katzen ohne sichtbare Symptome können Träger sein. Besprich mit deinem Tierarzt, welche Tiere im Haushalt mitbehandelt werden sollten.

Wie lange dauert die Behandlung bei Milbenbefall?

Bei Herbstgrasmilben ist die Sache meist nach ein bis zwei Wochen erledigt, weil die Larven von selbst abfallen und nur der Juckreiz behandelt werden muss. Grabmilben und Demodex erfordern eine längere Therapie: Rechne mit sechs bis acht Wochen Spot-On-Behandlung oder medikamentöser Therapie. Pelzmilben sind bei konsequenter Behandlung innerhalb von vier bis sechs Wochen beseitigt. Dein Tierarzt kontrolliert durch Nachuntersuchungen, ob die Milben tatsächlich verschwunden sind.

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